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Goldstandard: Anfechtung und Lösungswege

26.04.2017  |  Jim Willie CB
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Unter der Reagan-Administration startete die US-Regierung dann in ein weiteres Jahrzehnt von Star-Wars-Militärausgaben, sie baute den Sozialstaat aus und beschleunigte den Trend der Industrieauslagerung in den pazifischen Raum und später in die Schwellenmarktnationen. All drei Initiativen zeigten desaströse Wirkung. Die Durchsetzung des Goldstandards hätte alle drei Initiativen schon im Ansatz gestoppt.

Doch der Hegemon flüchtete sich ins Financial Engineering, erhob Alan Greenspan zu Halbgott, stieß weiter Industrien ab und vertraute in Hinblick auf ökonomische Stabilisierung auf Finanzanlageblasen - ein historische Absurdität. Alle Asset-Bubbles aus den USA sind geplatzt, die Trümmer offensichtlich, dennoch hielten die USA es für richtig, dieselben Anlageblasen erneut aufzublasen. Disziplin wurde keine erzwungen, da keine offiziell anerkannte Richtinstanz existiert. Der Goldstandard hätte verhindert, dass das Financial Engineering in den USA Amok lief - mit einem Ausrufezeichen dahinter.


Krediterzeugungstrick

CHSmith ist nicht auf meine Korrektivmechanismen eingegangen. Er merkt an, dass die Kreditschöpfung in unserem modernen Zeitalter potentiell gehemmt sei. Die Kreditschöpfung war aber ein Monster, das die Finanzanlageblasen befeuerte. Sie hätte erst gar nicht derart frei von einem Carry-Trade in den nächsten fließen dürfen, in ungehemmte Schuldenaufnahme, in unprüfbare Militärbudgets und jüngst auch in unkontrollierbare Medicare/ Medicaid-Rechnungen.

Der gesamte Prozess der Haftungsübernahme ist voll und ganz außer Kontrolle und braucht fürchterlich dringend eine faire Richtinstanz. Wir werden noch mehr Schulden-Bubbles und Eiterblasen zu Gesicht bekommen - im Autosektor, im Studentensektor und selbst im Energiesektor mit Blick auf das Schiefergas/öl-Fiasko. Die gesamte Kreditmaschine hat nun schon seit 30 Jahren kein Kontrollmechanismus mehr. Der Ruin der Maschine ist keine Rechtfertigung, den Goldstandard zu meiden. Er ist haargenau der Grund für einen Goldstandard als strenge Richtinstanz. Der Autor setzt hier genau falschrum an.


Ausweitung des Geldangebots

Eine ganz einfache Feststellung muss getroffen werden, wie sie auch von anderen kompetenten Analysten oft getroffen wird: Seit dem Ereignis der Lehman-Pleite ist das Geldangebot des US-Dollar grob gesagt um das Fünffache gestiegen. Der offizielle, niedrig gehaltene Goldpreis hat sich unterdessen von seinem 1.900 $-Hoch zurückgezogen. Eine solche Zweigleisigkeit ist das Gegenteil dessen, was normalerweis passieren müsste.

Das Schwindelargument wurde laut, dass nicht ausreichend Gold zur Deckung des Geldsystems existiere. Obwohl CHSmith dieses irrige Argument nicht bringt, so wundert es Jackass, dass er es nicht brachte. Tatsächlich würde der Korrekturmechanismus für einen fünfmal höheren Goldpreis sprechen, also um die 6.000 $ pro Unze, in Reaktion auf die massive Geldangebotserhöhung der letzten Zeit.

Es gibt reichlich Gold, um das Geldsystem zu decken, doch dazu müsste es um ein Vielfaches höher bewertet werden. Gold muss viel höher ausgepreist werden, in Übereinstimmung mit dem Geldwachstum. In zukünftigen Jahren - mit noch größerer legitimer Geldmengenexpansion - könnte sich die Gold-Deckungsklausel als ein unverzichtbares Instrument herausstellen. Das ist ein völlig basales Konzept, das auch problemlos die unzureichende Argumentation zunichtemacht.


Ablenkung durch das Triffin-Paradox

Das Triffin-Paradox wirft eher Schwierigkeiten für eine Reservewährung auf, als dass es als Rechtfertigung für die Unbrauchbarkeit des Goldstandards dienen kann. Keine Nation sollte seine Landeswährung als globale Reservewährung nutzen. Das zu tun, ist irrsinnig destruktiv.

Triffin legt dar, dass eine Reservewährung zwei unterschiedliche Nutzergruppen hat: die inländischen Nutzer und die globalen Nutzer. Da beide unterschiedliche Bedürfnisse haben, ist hier ein Konflikt der beiden Nutzergruppen vorprogrammiert:

Die globalen Nutzer des US-Dollars brauchen gewaltigen Dollarmengen, um diese als Reserven nutzbar zu machen, um in US$ denominierte Schulden zu begleichen und um internationalen Handel zu vereinfachen. Um die globale Nachfrage nach der Landeswährung befriedigen zu können, bleibt der ausgebenden Nation keine andere Möglichkeit, als große, permanente Handelsdefizite einzufahren. Sie würde also tatsächlich Dollars exportieren im Austausch gegen Güter und Dienstleistungen. Sie stünde also unter dem Druck, massive Defizite einzufahren, damit die Welt die adäquaten Reservemengen bekommt, um die Fundamente ihres globalen Bankensystems zu füllen.

Das ist völlig verquer! Keine Nation sollte daher die Weltreserve als Inlandswährung nutzen, so wie es die USA in einem Akt schlimmsten Missbrauchs taten und tun. Physisches Gold würde sich viel besser eignen in der Funktion "Assetklasse Weltreserve". Triffins Paradox ist keineswegs paradox. Es ist vielmehr ein Argument für den Goldstandard und auch dafür, dass Länder niemals das Weltreserve-Asset in ihrer Binnenwirtschaft nutzen sollen. CHSmith entgeht dieses Argument gänzlich.

Die Absurdität des Fiat-Währungssystems zeigt sich beispielhaft an zwei Dingen. Erstens: Der US-Dollar wird implizit durch US-Staatsanleihen gedeckt, welche US-Staatsschulden sind. Wenn Schulden als Grundlage von Bankensystemen dienen, dann ist das verquere Logik und Wahnsinn. Es ist der Garant eines systemischen Zusammenbruchs, quasi dessen, was wir heute sehen. Für die gesamte Versorgungskette der Weltwirtschaft beschwört es eine Katastrophe herauf.

Implizit verteidigt CHSmith stillschweigend das Fiat-Währungssystem. Denn die Ergebnisse und Folgen dieses Systems berichtigen zu wollen, ist heikel und extrem schwierig. Auch hier wieder: Das völlig verquere, verkehrte Wesen des Systems und die extremen Herausforderungen seiner Korrektur, sind keine Rechtfertigung dafür, das derzeitige kaputte System fortzuführen. Vorzuziehen ist ein Goldstandardsystem, das richtig herum gepolt ist, selbst wenn dessen Einführung mühsam oder sogar ungestüm und anfänglich ungeordnet ist.

Zweitens: Seit einigen Jahren zeigt Deutschland eine Schwachstelle im System auf. Das Land fährt Überschüsse ein. Die Folge waren ungenügende Schuldenmengen zur Belieferung des Anleihemarkts, und somit sind Negativzinsen jetzt an der Tagesordnung. Anders herum müsste es sein. Keine Nation sollte der Absurdität von Negativzinsen ausgesetzt sein, wenn sie wirtschaftlich stark ist und eine stabile industrielle Basis hat. Die USA fluten das Weltfinanzsystem mit Schulden und produzieren sogar künstlich Schulden über Derivate, um ihre Kontrolle und Macht zu sichern. Ihre Gleichgewichtung ist falsch und unhaltbar.



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