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Vier Themen, an denen kein Anleger vorbeikommt

25.06.2017  |  Manfred Gburek
Heute wird es politischer als sonst in meinen Kolumnen. Nicht nur das, zusätzlich geraten Fonds, speziell die zurzeit viel gepriesenen ETFs, in die Kritik. Hinzu kommen Anmerkungen zur Reform des Geldwäschegesetzes, die nicht allen Lesern gefallen werden. Und obendrein stellt sich die Frage, was es mit der Entwicklung der Aktienkurse und des Goldpreises auf sich hat. Das alles ist das Ergebnis intensiver Recherchen in den vergangenen Wochen.

Georg Schuh, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Deutsche Asset Management, vertritt offenbar gern Thesen, die vom Mainstream abweichen. Drei von ihnen, die hier sinngemäß wiedergegeben werden, dürften Sie als Anleger besonders interessieren: Die Anti-Globalisierungs-Politik, die zuvorderst US-Präsident Donald Trump durchzusetzen versucht, wird letzten Endes inflationär wirken. Das Jahr 2017 fühlt sich, was die Entwicklung der Aktienkurse betrifft, ähnlich an wie 1999. Folglich sei es sinnvoll, wenn man jetzt über viel Liquidität verfügt, die zu erwartenden starken Kursschwankungen zu nutzen weiß und in Gold investiert.

Diese Aussagen entstammen Schuhs Vortrag bei einem aktuellen Forum der DVFA, Vereinigung der Profis unter den Finanzanalysten. Schuh ergänzt seine Thesen noch um die Prognose: "Es wird sehr holprig werden."

Interpretiert man diesen Satz so, dass stärkere Kursschwankungen als in den vergangenen Jahren zu erwarten sind, gilt es also, Geld antizyklisch und besonders flexibel anzulegen. Doch wie verhalten sich viele Anleger und sogar ein Großteil ihrer Berater? Sie beten geradezu eine Fondsgattung an, von der sie wahre Wunder erwarten: ETFs, Exchange Traded Funds, üblicherweise als Indexfonds bezeichnet. Diese Fonds lassen, von Ausnahmen abgesehen, Antizyklik weitgehend vermissen; sie sind starr statt flexibel, schalten jedoch nach Aussagen ihrer Befürworter einen Teil des Kursrisikos aus, nämlich den, der einzelnen Aktien anhaftet.

Trotz ihrer Nachteile schwimmen ETFs in Geld: Nach Recherchen von Amundi Asset Management sind den ETFs allein in Europa per Ende Mai stolze 44 Milliarden Euro zugeflossen, angeführt von Aktien-ETFs mit 29,2 Milliarden Euro. Der Rest entfiel auf Anleihen-ETFs mit 13,1 und auf Rohstoff-ETFs mit 1,8 Milliarden Euro.

Warum erfreuen sich besonders die Aktien-ETFs eines solchen Zuspruchs, während direkte Aktienanlagen in breiten Anlegerkreisen eher unpopulär sind? Weil ETF-Promoter (Anlageberater, Banker, Vermögensverwalter, Medien u.a.) ihre Produkte, außer mit dem Hinweis auf geringe Kosten, gern mit einem scheinbar triftigen, in Wahrheit aber irreführenden Argument anpreisen: Sie seien in einer Fondshülle, deren Inhalt zum Beispiel aus 30 Dax-Aktien oder aus Hunderten von internationalen Aktien besteht, gegen das typische Klumpenrisiko abgesichert, dem einzelne Aktien unterliegen.

Worin besteht die Irreführung? Ganz einfach: Im Außerachtlassen der Tatsache, dass nach allen Erfahrungen seit mehr als hundert Jahren bei jedem Rückgang der Aktienkurse auch Aktienfonds stark betroffen waren, und zwar unabhängig von ihrer Zusammensetzung und egal, ob als gemanagte Fonds oder als ETFs. Darum: Auch wenn einzelne, auf spezielle Anlageklassen konzentrierte ETFs bis heute noch so erfolgreich gewesen sein mögen, im Zweifel sollten Ihnen vergangene Erfolge ebenso schnuppe sein wie die vermeintliche, in Wahrheit jedoch nicht vorhandene Abfederung von Risiken durch ETFs wie auch durch Fonds im Allgemeinen. Ausnahmen bestätigen die Regel, mehr nicht.

Heute komme ich nicht um weitere brisante Themen herum. Eines ist besonders aktuell; es betrifft den Montag. Konkret: Die Brüsseler und Berliner Mühlen haben nach langem Hin und Her auf Basis verschiedener EU-Richtlinien ein neues Geldwäschegesetz hervorgebracht. Dadurch sollen vor allem die bis zum 26. Juni, also Montag, einzubauenden EU-Vorgaben zu Bestandteilen des Gesetzes werden. Eine entscheidende Neuerung besteht im zentralen elektronischen Transparenzregister.

Was Anleger indes speziell interessieren dürfte, ist die Herabsatzung des Schwellenwerts für Bargeschäfte mit Geld, Gold, Silber und sonstigen Anlagen von 15.000 auf 10.000 Euro. Das heißt, nur bei Bargeschäften unterhalb des neuen Schwellenwerts bleiben Sie anonym. Besonders Banken und Sparkassen dürften - wie schon bislang - dem Register zum eigenen Schutz im Zweifel lieber zu viele als zu wenige Daten übermitteln. Also zum Beispiel bereits dann, wenn Kunden bei einem Institut drei oder vier Mal im Monat Bares unter 10.000 Euro hin oder her bewegen.

Was mich bei all der Diskussion über die jetzige Reform des Geldwäschegesetzes besonders nervt, sind zwei kontroverse Thesen: Zum einen heißt es, speziell vonseiten einiger Professoren und der ihnen nachäffenden Politiker, der Terrorismus müsse stärker bekämpft werden; demzufolge sollte der private Goldbesitz verboten werden.

Zum anderen tauchen in den Medien immer wieder Stimmen auf, die schon den totalen Überwachungsstaat kommen sehen und die Reform des Geldwäschegesetzes voreilig als Einstieg ins Bargeldverbot interpretieren. Das Schlimme an beiden Thesen ist, dass sie sich in den sogenannten sozialen Netzen mit hoher Geschwindigkeit verbreiten und dort nicht als Fake news, sondern irrtümlich als real wahrgenommen werden.

Abschließend noch ein Thema, das von den meisten Mainstream-Medien eher nur nebenbei gestreift wurde, obwohl es in den nächsten Monaten mit absoluter Sicherheit die transatlantischen Beziehungen enorm belasten wird. Wahrscheinlich haben Sie den neuen EZB-Wirtschaftsbericht nur beiläufig oder gar nicht zur Kenntnis genommen. Das ist schade, denn er enthält ein paar brisante Passagen.

Eine habe ich im aktuellen Beitrag auf meiner Internetseite gburek.eu zitiert, wo Sie sie nachlesen können. Ihr Knackpunkt besteht darin, dass die EZB den USA vorwirft, von der amerikanischen Handelspolitik könnten "potenziell signifikante Negativeffekte auf die Weltwirtschaft ausgehen".

Wenn man sich bis auf Seite 40 des EZB-Wirtschaftsberichts vorgearbeitet hat, stechen noch einige Aussagen ins Auge, die sich so zusammenfassen lassen: Geopolitische Spannungen haben in den vergangenen Jahren ein großes Abwärtsrisiko für das Wirtschaftssystem mit sich gebracht. Genannt werden: der Nahostkonflikt, das provozierende Vorgehen Nordkoreas, die Auseinandersetzungen zwischen China und Japan im Südchinesischen Meer sowie der Streit zwischen der EU und der Türkei wegen des Flüchtlingsproblems. Abschließend heißt es, die Auswirkungen ließen sich "nur schwer abschätzen".

Aus Anlegersicht entscheidend ist vor allem, dass das erwähnte Abwärtsrisiko für das Wirtschaftssystem sich bislang weder negativ in den Aktienkursen noch positiv im Goldpreis widerspiegelt, dessen Kurve während entscheidender Umbrüche ja gegenläufig zu den Aktienkursen verläuft.

Aus dieser Entwicklung lässt sich vor allem eines schließen: Dass jahrelang eher die extrem lockere Geldpolitik als die fundamentale Entwicklung der Unternehmen die Aktienkurse nach oben getrieben hat. Daraus folgt, dass die Kurskorrektur überfällig ist. Fazit: Verfolgen Sie in nächster Zeit besonders die Entwicklung der Aktienkurse anhand gängiger Indizes und die Bewegungen des Goldpreises in Dollar. Sobald die Aktienkurse nach unten drehen und der Goldpreis nach oben, können Goldanleger aufatmen, weil dann für sie wieder bessere Zeiten anbrechen.

Neu bei gburek.eu: Weltwirtschaft in Gefahr - und dann?


© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.



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