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Es wird ungemütlich - und was Sie dagegen tun können

09.07.2017  |  Manfred Gburek
Italiens Banken wackeln bedenklich, Frankreichs neuer Präsident bekommt bereits jetzt vonseiten der Gewerkschaften massiven Gegenwind zu spüren, die deutschen Parteien versprechen den Wählern wider besseres Wissen das Blaue vom Himmel, der G20-Gipfel wird in den Medien mehr von Protestlern als von Politikern beherrscht, in den USA beginnt die Konjunktur bedenklich zu lahmen, und die Anleiherenditen im Euroraum schießen nach oben.

Das sind nur ein paar Eindrücke von Ereignissen, die kaum Gutes verheißen. Und die Folgen? Wir sollten uns darauf vorbereiten, dass es spätestens nach der Bundestagswahl ungemütlich zu werden droht. Das heißt, Deutschland wird die italienischen und französischen Scharten zu einem erheblichen Teil mithilfe deutscher Steuergelder auswetzen müssen, es wird zu Verteilungskämpfen zwischen den alten Industrieländern und den neuen Schwellenländern kommen, und vor allem von der amerikanischen Wirtschaft dürfte eine Bremswirkung auf die Weltkonjunktur ausgehen.

Diese Erkenntnisse in eine vernünftige Anlagestrategie umzusetzen, fällt naturgemäß nicht leicht. Versuchen wir es trotzdem.

Erster Rat: Liquidität erhöhen, am besten als Tagesgeld. Zweiter Rat: Gold- und Silberanteil ebenfalls erhöhen. Dritter Rat: Aktienanteil vorübergehend senken, aber die Kurse weiterhin intensiv verfolgen. Vierter Rat: Anleihen meiden (Ausnahmen: inflationsindexierte Bundesanleihen und sonstige Sonderformen, wie etwa die Anleihe Xetra-Gold). Fünfter Rat: Um Anlagen mit langfristiger Bindung, zum Beispiel traditionelle Kapitallebensversicherungen, einen Bogen machen. Sechster Rat: Vermietete Immobilien wegen der zu erwartenden Anti-Vermieter-Gesetzgebung im jetzigen Boom verkaufen, dagegen selbst genutzte Immobilien behalten.

Zugegeben, im Detail ist alles etwas komplizierter, weil junge Menschen andere Anlageziele verfolgen als ältere, weil es individuell bedingte unterschiedliche Einkommensverhältnisse und Vermögensstrukturen gibt, weil ein Großteil der Anleger im Zweifel lieber auf Nummer sicher geht, während ein kleinerer Teil Risiken in Kauf nimmt, und weil niemand die Ratschläge eins bis sechs mal eben in die Tat umsetzen kann, sondern dafür mindestens einige Monate benötigt. Doch als Richtschnur sollten sie schon dienen.

Was die Liquidität betrifft, ist einerseits zu ergänzen, dass Tagesgeld - neben anderen liquiden Kontoanlagen - wegen der auf 100.000 Euro pro Person und Institut begrenzten gesetzlichen Einlagensicherung nicht über diese Grenze hinaus angelegt werden sollte. Andererseits kann man es wegen der schnellen Verfügbarkeit flexibel einsetzen, das heißt, auch bei hohen Beträgen von einem Tag auf den nächsten beispielsweise in Wertpapiere umschichten.

Gold und Silber bedeuten in gewisser Weise ebenfalls Liquidität (Gold wegen des Volumens und wegen der Mehrwertsteuerfreiheit mehr als Silber), sei es in Form von Anlagemünzen, wie Krügerrand oder Maple Leaf, sei es in Form von gängigen Barren. Die Liquidität ist allein schon dadurch gewährleistet, dass mittlerweile mehrere etablierte Edelmetallhändler - neben der einen oder anderen Bank - für schnelle Abwicklung sorgen.

Wie erwähnt, ist eine Sonderform des liquiden Goldes die Anleihe Xetra-Gold; sie wird börsentäglich rege gehandelt. Eines ihrer hervorstechenden Merkmale ist die Besteuerung: Anders als sonstige Anleihen, anders als Aktien oder Fonds unterliegen ihre Gewinne nicht der Abgeltungsteuer, sondern dem individuellen Steuersatz jedes Anlegers beim Verkauf innerhalb eines Jahres; allerdings sind Gewinne nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Das hat der Bundesfinanzhof in zwei Grundsatzurteilen entschieden.

Derzeit, beim relativ niedrigen Goldpreis, ist noch die folgende Überlegung reizvoll: Wer demnächst mit seit dem Jahr 2009 (Beginn der Abgeltungsteuer) gekauften Gold- oder Silberaktien Kursgewinne erzielt, bekommt die Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent plus Soli direkt beim Verkauf abgezogen. Angenommen, der Kursgewinn beträgt 40 Prozent, bleiben also nach Abzug der Abgeltungsteuer nur noch weniger als 30 Prozent Gewinn übrig (knapp drei Viertel von 40 Prozent). In diesem Beispiel hat Xetra-Gold, eine Haltedauer von mehr als einem Jahr vorausgesetzt, die Nase vorn. Wer indes Anfang 2016 Gold- oder Silberaktien gekauft und sie rechtzeitig wieder verkauft hat, ist der Xetra-Gold-Anleihe weit davongezogen.

Aktien im Allgemeinen gehören, abgesehen von engen Märkten, zweifellos auch zu den liquiden Anlagen. Das heißt, sie können börsentäglich gekauft und verkauft werden. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn weil ihre Kurse mehr oder weniger stark schwanken, beträgt der Grad der Liquidität mal mehr, mal weniger als 100 Prozent vom Einsatz. Folglich spielt bei Aktien das Timing eine wichtige Rolle.

Das gilt sowohl für kurzfristige Spekulationen als auch, und zwar ganz besonders, für langfristige Anlagen. Sollen Letztere die Rente und andere Instrumente der Altersversorgung ergänzen oder sogar ersetzen, müssen ganze Depots rechtzeitig umgeschichtet werden, beispielsweise von Wachstums- auf Dividendenaktien.

Der Haken besteht hier nicht allein darin, dass das Timing nur selten punktgenau funktioniert, sondern auch im Aktientrend: Zeigt er nach oben, geht es mit den Kursen beider Aktienkategorien ebenfalls im Trend aufwärts, mit den Kursen der Wachstumsaktien allerdings viel stärker. Zeigt der Trend nach unten, geht es mit beiden Aktienkategorien abwärts. Daraus folgt: Idealerweise müsste man bei hohen Kursen alle Aktien verkaufen, die dafür erzielten Beträge auf einem Tages- oder Festgeldkonto parken und danach abwarten, bis die Kurse ihr Tief erreicht haben, um anschließend wieder in Aktien einzusteigen.

Dieses Kunststück gelingt natürlich so gut wie niemandem. Eine Erkenntnis liegt jedoch auf der Hand: Wer erst 20 bis 30 Jahre alt ist und keine Familie zu ernähren hat, ist gut beraten, sich im Timing von Wachstumsaktien zu üben; auch vergleichbare andere Aktienkategorien kommen dafür infrage. Wer dagegen das Rentenalter erreicht hat (heutzutage eine flexible Größe), sollte sich bei hohen Kursen von den lieb gewonnenen Wachstumsaktien verabschieden und später bei tiefen Kurse konsequent auf Dividendenaktien umschalten. Das bringt dann mehr laufende Erträge und strapaziert weniger die Nerven.

Für aktienaffine Anleger gibt also viel zu überlegen, nämlich eine neue Strategie zu entwerfen. Außerdem auch einiges zu tun, das heißt, einen Großteil der Kursgewinne mitzunehmen. Und für andere Anleger? Ebenfalls. Denn vor Jahresfrist begann die Zinswende nach oben, die in den vergangenen Monaten immer mehr an Fahrt gewann und am vorigen Donnerstag mit ihrem zweiten Aufwärtsschub eine heiße Phase einleitete, die Sie je nach Zusammensetzung Ihres Vermögens mal mehr, mal weniger zum Handeln zwingt. Zuletzt übersprang die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen die 0,5-Prozent-Hürde. Noch vor wenigen Monaten war sie negativ.

Langläufer unter den Anleihen haben demzufolge in Ihrem Depot nichts zu suchen, Kurzläufer im Zweifel auch nicht, weil das mit ihnen konkurrierende Tagesgeld eine ähnliche Rendite abwirft und obendrein flexibler ist. Darüber hinaus gibt es mehr oder weniger komplexe Anlagen, von Mischfonds bis zu bestimmten Riester-Renten, die entweder zum Teil oder ganz auf Anleihen basieren und deshalb von der Zinswende betroffen sind.

Zum Schluss noch ein Gedanke zum aktuell in Edelmetallkreisen viel diskutierten Thema Zinsen und Gold. Eine Milchmädchenrechnung besagt: Steigen die Zinsen, fällt der Preis des zinslosen Goldes. Das erscheint zunächst schlüssig, vernachlässigt jedoch die Tatsache, dass mit steigenden Zinsen zwar auch die Anleiherenditen steigen, aber die Anleihekurse fallen - und es läuft darauf hinaus, dass die Besitzer von Anleihen unter dem Strich mit Plus/Minus Null vorlieb nehmen müssen.

Dazu noch die abschließende Bemerkung: Anleihen sind Papiergeld, das vom Geldwertschwund im Extremfall völlig vernichtet werden kann. Dagegen ist Gold ein stets liquider, international angesehener Sachwert, dem bisher noch keine Regierung und keine Zentralbank etwas anhaben konnte, und dabei wird es bleiben.

P.S. Klicken Sie auf achduliebesgeld.de mit intelligenten und witzigen Videos von Makurs Koch

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© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.



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