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Die Strategien des "Smart Money" im Goldsektor

27.07.2017  |  The Gold Report
Frank Holmes, CEO von U.S Global Investors, diskutiert die Preisaussichten und die wichtigsten Faktoren am Goldmarkt, stellt die Algorithmen vor, die sein Unternehmen für seinen neuen Edelmetall-ETF entwickelt hat und erklärt, welche Minengesellschaften derzeit besonders vielversprechend wirken.


The Gold Report: Frank, danke, dass Sie heute bei uns sind. Der Goldkurs notierte in den letzten rund sechs Monaten in einer ziemlich engen Handelspanne. Wie schätzen Sie die Aussichten mittelfristig ein?

Frank Holmes: Gold hat eine ganz eigene Volatilitäts-DNA. Wenn der Preis innerhalb von zwölf Monaten um 20% steigt oder fällt, ist das nichts Besonderes. Eine Rally auf 1.500 $ innerhalb der nächsten zwölf Monate ist also ohne Weiteres möglich.

Dabei spielen zwei Antriebskräfte eine Rolle: Angst und Liebe. Der Faktor Angst dominiert die europäische und die amerikanische Psyche in Bezug auf den Goldhandel. Ausschlaggebend sind kurzfristig vor allem die Realzinsen, d. h. die Zinsen, die die Regierung Ihnen zahlt, wenn Sie Staatsanleihen kaufen, abzüglich der auf Grundlage des Verbraucherpreisindex jeden Monat neu berechneten Inflationsrate.

Aktuell sind die realen Rendite der 2- und 5-jährigen US-Treasuries negativ. Das ist also nach wie vor positiv für Gold. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe liegt mittlerweile jedoch auch inflationsbereinigt im positiven Bereich, weil sich der Anstieg des Verbraucherpreisindex in den Vereinigten Staaten von 2,2% auf 1,9% verringert hat. Ich denke, dass die Inflation hier einen Tiefpunkt erreicht, und dass die realen Renditen all dieser Anleihen künftig wieder in den Minusbereich sinken werden. Jedes Mal, wenn die realen Zinserträge der US-Treasuries mit Laufzeiten von zwei, fünf und zehn Jahren negativ wurden, startete Gold eine starke Rally.


The Gold Report: Das steht also mit dem Faktor Angst in Zusammenhang. Wie sieht es auf der anderen Seite aus?

Frank Holmes: Beim sogenannten "Love-Trade" geht es vor allem darum, geliebten und nahestehenden Menschen Gold zu schenken. Man schenkt es zu Hochzeiten, Jubiläen und Geburtstagen. In der Geschichte gibt es zudem zahlreiche Beispiele dafür, dass Gold bei Tragödien nationalen Ausmaßes für die Menschen von großer Bedeutung war. Die Boatpeople, die vor den Folgen des Vietnamkrieges flüchteten, hatten beispielsweise Gold.

In jüngerer Vergangenheit waren es die Goldbesitzer unter den Syrern, die ihr Land zuerst verlassen konnten. Wer Gold besaß, konnte sich den Weg über die Grenze freikaufen. Man kann Gold also nicht nur als Schmuck um den Hals oder am Handgelenk tragen - das es kann Ihnen auch das Leben retten, wenn es in Ihrem Land zu einem Umbruch kommt.

Im letzten Jahr spielte Liebe im Goldhandel keine große Rolle, weil Indien chaotische Zeiten durchlebte, insbesondere seit dem Herbst. Doch mittlerweile sind die Inder zurück am Goldmarkt und kaufen das gelbe Metall wieder eimerweise. Das steigende Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in China und Indien steht in engem Zusammenhang mit der Anzahl und dem Wert der Goldgeschenke, die sich die Menschen in diesen Ländern machen.


The Gold Report: Sie sind ja bereits seit vielen Jahren im Bereich der Goldinvestitionen tätig. Wie haben sich die Edelmetallmärkte verändert, seit Sie anfingen, in diesem Sektor zu arbeiten?

Frank Holmes: Der größte Faktor ist die tektonische Verschiebung in China. Das Land avancierte vom Preisnehmer zum Preisgeber. Enorme Mengen großer Goldbarren werden von Nordamerika in die Schweiz verschifft und dort eingeschmolzen, bevor sie schließlich in Form von kleineren Barren in China wieder auftauchen. China kauft nicht nur für seine Zentralbank Gold, sondern auch mittels umfassender Sparprogramme. In deren Rahmen erwerben Millionen von Chinesen mit Hilfe der Durchschnittspreismethode beispielsweise mit jedem Gehaltsscheck ein Gramm Gold. Das stellt eine wirklich bedeutende Verschiebung am Goldmarkt dar.

Abgesehen davon ist die Manipulation der Anleihepreise heute offensichtlicher als früher. Die Regierungen manipulieren die Anleihemärkte auch jetzt, in diesem Moment. Indem sie z. B. 5-jährige oder 30-jährige Staatsanleihen zurückkaufen, können sie die Zinsstrukturkurve beeinflussen. Außerdem ist heute bekannt, dass diverse Broker und Banken in die Manipulation der Gold- und Silberpreise verwickelt sind.

Gold ist Geld und der Vermögenswert mit der vierthöchsten Liquidität weltweit. Selbstverständlich tun die Banken, und insbesondere die Zentralbanken, deswegen alles in ihrer Macht Stehende, um den Goldpreis zu manipulieren. Andernfalls würde sich an ihm ablesen lassen, dass ihre Strategie des Gelddruckens außer Kontrolle geraten ist. Mit dieser Situation müssen wir uns derzeit arrangieren, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Preis auf ein höheres Niveau steigt.



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