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Die Strategien des "Smart Money" im Goldsektor

27.07.2017  |  The Gold Report
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The Gold Report: Wie fügen sich individuelle Investoren in diesen Markt ein? Wie können sie die besten Chancen herausfiltern?

Frank Holmes: Sie müssen in Bezug auf die kleineren Goldunternehmen ihre Hausaufgaben machen. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass Sie das beste Alpha erzielen können, wenn Sie die Aktien von fünf großartigen Minengesellschaften kaufen, deren Fundamentaldaten Sie wirklich gut kennen und deren Management über Disziplin und Erfahrung verfügt. Wenn Sie dagegen in Fonds investieren, sollten diese mindestens 21 Unternehmen umfassen.


The Gold Report: Welche Rolle spielen die börsengehandelten Fonds, die ETFs, im Goldsektor?

Frank Holmes: Der GDX (VanEck Vectors Gold Miners ETF) und der GDXJ (VanEck Vectors Junior Gold Miners ETF) haben die Kapitalmärkte ziemlich durcheinandergebracht. Anfangs war das positiv, denn sie haben Kapital angezogen. Alles, was sie tun mussten, war Namen und eine Marktkapitalisierung zu nennen, und das Prinzip wurde zu einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung. Milliarden von Dollars flossen in die ETFs und diese kauften einfach immer weiter die Anteile ihrer eigenen Unternehmen. Es spielte keine Rolle, ob einige der Minengesellschaften schlecht geführt wurden, denn sie wurden einfach aufgrund ihrer Marktkapitalisierung und ihrer Liquidität gekauft.

Im letzten Jahr erlebten wir dagegen eine zerstörerische Entwicklung. Den aktiven Goldfondsmanagern floss nur sehr wenig Geld zu, aber in den GDXJ wurden 5 Milliarden $ investiert. Dem Junior-Goldminenindex wurde bewusst, dass er schneller gewachsen war als die Kapitalmärkte und die börsennotierten Unternehmen. Übrigens ist die Zahl der börsennotierten Unternehmen in den letzten 20 Jahren sogar um insgesamt 50% gesunken. Über den Indexfonds floss also Kapital in einen Sektor, der nicht im gleichen Maße wuchs wie der Fonds, und dies führte dazu, dass der ETF einen Anteil von 20% an bestimmten Unternehmen besaß.

Das brachte ihn in Konflikt mit den regulatorischen Bestimmungen Kanadas, die für diesen Fall das Unterbreiten eines Übernahmeangebots vorschreiben. Der GDXJ musste also eine Umstrukturierung vornehmen. Nachdem er Aktien aus dem Goldsektor im Wert von mehr als 5 Milliarden $ angesammelt hatte, verkaufte er nun innerhalb von sechs Wochen Unternehmensanteile für 3 Milliarden $. Für den Goldsektor in Australien und Kanada war das ein schwerer Schlag.

Die besseren Unternehmen kamen mit blauen Flecken davon, aber die schlechteren werden sich unter Umständen nicht erholen. Gute Minengesellschaften wie Wesdome Gold Mines Ltd. oder Klondex Mines Ltd. haben ein wirklich erstklassiges Profil: hochgradige Lagerstätten, große Entdeckungen, produzierende Minen, freier Cashflow. Ich glaube, dass diese Unternehmen nicht nur wieder auf die Beine kommen werden, sondern auch gute Kaufgelegenheiten bieten.

Bei U.S. Global Funds haben wir zuletzt einen intelligenten, quantitativen ETF entwickelt, weil wir erkennen mussten, dass uns trotz guter Performance kein Kapital zufloss. Die Investitionen flossen alle in den GDX und den GDXJ. Wir nutzen jetzt einen quantitativen Ansatz, denn die Quant-Trader und die Faktoren, auf die sie bei der Auswahl der Aktien achten, hatten im letzten Jahr großen Einfluss auf den Goldaktiensektor. Die Herangehensweise unterscheidet sich deutlich von dem, was die Analysten typischerweise schreiben.

Wir haben somit ein einzigartiges Produkt entwickelt, den U.S. Global GO GOLD and Precious Metal Miners ETF. Dieser setzt sich aus 28 Minengesellschaften zusammen, wobei die drei großen Royalty-Unternehmen - Franco-Nevada Corp., Wheaton Precious Metals Corp. und Royal Gold Inc. - 30% unseres Portfolios ausmachen. Die Anteile werden einmal im Quartal neu ausbalanciert.

Danach berücksichtigen wir Faktoren wie: Liegen die Einnahmen des letzten Quartals über dem Durchschnitt aus vier Quartalen? Liegt der Cashflow über dem Durchschnitt der letzten vier Quartale? Wie hoch sind die allgemeinen Vertriebskosten? Wie hoch sind die Ausgaben - nicht die die Investitionen, sondern z. B. die Lohn- und Mietkosten - im Verhältnis zu den Einnahmen?

Wir haben all diese Faktoren betrachtet und dabei z. B. festgestellt, dass sich im Vergleich zum GDX oder zum GDXJ bereits dann eine deutlich bessere Performance erzielen lässt, wenn man sein Portfolio nur aus zehn Unternehmen mit dem niedrigsten Verhältnis von Vertriebsgemeinkosten und Einnahmen zusammensetzt und jedes Quartal neu ausbalanciert. Das ist also einer der Faktoren geworden, die wir im Rahmen unseres ETFs verwenden, um die effizientesten Unternehmen auszuwählen.

Die Royalty-Unternehmen erreichen bei einem anderen Faktor den besten Wert: Einnahmen pro Mitarbeiter. Goldman Sachs hat z. B. Einnahmen in Höhe von etwa 1 Million $ je Mitarbeiter. Interessanter ist aber, dass Unternehmen wie Newmont Mining Corp. und Barrick Gold Corp. Einnahmen im Bereich von 300.000 - 400.000 $ je Mitarbeiter erzielen. Franco-Nevada, welches u. a. Royalties sowohl aus Projekten von Newmont als auch von Barrick erhält, kommt dagegen auf ganze 17 Millionen $ je Mitarbeiter und ist folglich viel effizienter.

Auch wenn Sie sich die Entwicklung der Unternehmenseinnahmen in der Zeit ansehen, in der der Goldpreis von 1.900 $ auf 1.100 $ sank, werden Sie feststellen, dass die Einnahmen von Franco-Nevada weniger stark eingebrochen sind als die von Newmont oder Barrick.


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