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Das Goldpreismanagement in Zeiten der Finanzrepression (Teil 3/3)

07.09.2017  |  Lars Schall
Teil Drei: "Shock & Awe" im Goldmarkt

Eine "vertrauliche Kooperation" unter Bankern


Preisschocks, das heißt: "überraschende, schnelle Kursrückgänge", sind eine bevorzugte Methode des Goldpreismanagements. "Sinn dieser Interventionsmethode ist es, Anleger und Interessenten abzuschrecken. Sie sollen dem Markt fernbleiben." (1) Man spreche von einer Übertragung der Shock & Awe-Praxis, welche im Irakkrieg Anfang 2003 Anwendung fand, auf das Terrain der Finanzmärkte.

Die "schockartigen Fallbewegungen", die beim Goldpreis auftreten, können im Sinne von "Ausmaß, Art und Dauer" jedoch "individuell recht unterschiedlich" ausfallen: "Manche Schocks ziehen sich über viele Minuten hin und betreffen einen größeren Rückgang, andere finden deutlich schneller statt, wobei die Kurse weniger stark fallen." (2) Solche Abwärtsschocks sind fernerhin "nur eine Interventionsmethode von mehreren". Andere wären "das Abfangen steigender Kurse" bzw. "Begrenzungen von Kursanstiegen im Innertagesverlauf“ und "das Zur-Verfügung-Stellen physischen Goldes durch Verkäufe und Verleihungen (insbesondere bis 2001)". (3)

Statistisch lässt sich darüber hinaus belegen, dass der Goldpreis vor allem dann fällt, wenn der Terminmarkthandel an der New Yorker Rohstoffbörse COMEX läuft. "Er tut dies dann meist auch schockartig. Dabei fällt er in kurzer Zeit, oft ohne jeden Anlass, um nennenswerte Beträge." (4) Die Wirkung, die vom Terminmarkt auf Gold ausgeht, wird zumeist unterschätzt. Tatsächlich lassen sich über den Terminmarkt jedoch "plötzliche und extrem schnelle Abwärtsbewegungen über massive Verkäufe" einleiten, und diese Einflussnahme vermag die Preisentwicklung dauerhaft zu beeinträchtigen, "ohne dass dazu physisches Material auf den Markt kommen muss. Damit aber werden die schockartigen Verkäufe am Terminmarkt eine dritte wichtige Säule der Interventionen am Goldmarkt, neben den Verkäufen und Verleihungen. Sie wirken ähnlich wie diese im physischen Markt.

Obwohl diese auffälligen Rückgänge seit Jahren bekannt sind und von Marktbeobachtern diskutiert werden, wird die Dauerhaftigkeit des Effekts oft unterschätzt, vor allem aber seine Bedeutung für den physischen Markt. Man braucht weniger physisches Gold, um den Preis zu beeinflussen. Umgekehrt bedeutet das aber, dass relativ wenig Gold aus Verleihungen ausreichend sein kann, um den Preis in dem Ausmaß zu beeinflussen, wie es geschehen ist. Es muss nicht die Hälfte des Zentralbankengoldes in den Markt gelangt sein, um die Entwicklung am Goldmarkt in den letzten Jahren erklären zu können." (5)

Leerverkäufe am Terminmarkt in großen Umfängen führen zu einem fallenden Preis des Golds. Das Gold wird theoretisch ausgeliehen (existiert aber praktisch nur auf dem Papier), und kommt anschließend zum Weiterverkauf. Das, was verkauft wird, befindet sich beim "Leerverkauf" also nicht im Besitz des Verkäufers. Theoretisch kann der Verkäufer bei einem gefallenen Preis das Gold im Markt kaufen und es dem Leihgeber zurückerstatten. Aus der Preisdifferenz zwischen dem vorherigen Verkauf und dem späteren Kauf ergibt sich dann der Gewinn.

Für eine Kursbeeinflussung bietet der Terminmarkt "die beste und günstigste Möglichkeit", insofern man dort "mit geringem Kapitaleinsatz, bruchteilig in Relation zum vollen Preis, große Positionen einzugehen" in der Lage ist. "Damit kann auch der finanzielle Aufwand deutlich reduziert werden." (6)

Im November 2015 bestand zwischen jeder Unze Gold, die im registrierten Inventar der COMEX als lieferbar geführt wurde, und jenen Unzen, die lediglich auf gehandeltem Papier existierten, ein Verhältnis von 1:298. (7) Mit anderen Worten, die COMEX erlaubte, dass über 290-mal so viel Gold auf dem Papier gehandelt wurde, als an wirklichem Gold an der Börse vorhanden war. Würden die Beteiligten auf physische Gold-Lieferungen bestehen, müsste die COMEX dicht machen.

Da es aber zumeist nur zu Barausgleichen kommt, wenn die gehandelten Papierverträge fällig werden, kann das Spiel problemlos weitergehen. Überdies ist es möglich, die Goldfuturekontrakte, die an der COMEX gehandelt werden, abseits der Börse zu begleichen. Dies bedeutet: steht tatsächlich die Auslieferung von physischem Gold an, muss dafür nicht das Gold herangezogen werden, das von der COMEX vorrätig gehalten wird, sondern es kann sich direkt um Gold überall auf der Welt handeln. (8)

Anfang 2016 legten die Forscher Jonathan Battena (Monash University, Australien), Brian Lucey (Trinity College Dublin, Irand) und Maurice Peat (University of Sydney, Australien) in ihrer wissenschaftlichen Arbeit Gold and Silver Manipulation: What Can Be Empirically Verified? nahe, dass die Wahrscheinlichkeit höher liegt, dass jemand an den Preisen für Gold und Silber manipulierend herumdoktert, wenn an den Terminmärkten der Fälligkeitstermin für Optionskontrakte ansteht, als dies an anderen Tagen der Fall ist. (9)

Gewöhnlich hängen akademische Historiker und Ökonomen der Neigung an, die Beeinflussung des Weltgeschehens durch Gruppen von Individuen, die zusammen auf vertraulicher Basis einen Plot entwickeln, abzustreiten und ins Reich der Fabeln zu verweisen, obwohl ein ganz offensichtlicher Weg, um Dinge, die einem wichtig sind, erledigt zu bekommen, darin besteht, mit seinen Freunden und/oder Verbündeten Pläne auszudenken und umzusetzen, währenddessen man seine Konkurrenten auf der anderen Seite so lange wie möglich darüber im Dunkeln tappen lässt. Man mag das vielleicht "Verschwörung" nennen; "vertrauliche Kooperation" trifft es eher.

Zentralbanken handeln beispielsweise nicht alleine im Goldmarkt, "sondern kooperieren mit privaten Instituten. Solche Kooperationen gibt es auch in anderen Bereichen, etwa bei der Übernahme angeschlagener Bankhäuser. Auch beim 2012 aufgedeckten Libor-Skandal, bei dem Privatbanken langjährig den Referenzzinskurs manipulierten, scheint mit der Bank of England eine Zentralbank involviert zu sein. Motive für solche Kooperationen gibt es viele, etwa das Delegieren von Tätigkeiten.

Außerdem können Kooperationen Aufwand und Zahl der unmittelbar involvierten Personen reduzieren, denn nicht jeder, der an einer Intervention mitwirkt, dürfte wissen, dass er sich an einer Intervention beteiligt. Viele dürften einfach ihre Arbeit im Gewinninteresse der Bank machen. Die involvierten Privatbanken agieren dabei nicht so nur als Agenten, sondern verfolgen aus Gewinnstreben dasselbe Ziel wie die Zentralbanken." (10)

Eine "Verschwörung" zeichnet sich im Wesentlichen dadurch aus, dass sich mindestens zwei Personen vertraulich hinsichtlich einer bestimmten Angelegenheit zusammentun, um gemeinsam diesbezüglich tätig zu werden.

Anders erklärt: "Eine Verschwörung bezeichnet einen heimlichen Bund zur Durchführung eines Planes mit entweder egoistischer Zielsetzung zum Schaden Dritter oder mit dem Ziel, Missstände zu beseitigen. Diese Definition belegt, dass Mobbing in der Firma, dass Kartellabsprachen bei Siemens, dass die Irreführung der UN im Fall des Irak durch die USA oder auch ein Seitensprung eines Ehepartners alle diese Voraussetzungen erfüllen. Ergo ist die Verschwörung weitaus häufiger die Norm, als es diejenigen behaupten, die bei dem Begriff Verschwörungstheoretiker in verächtlicher Manier ein Schlagwort bemühen, um eine sachliche Debatte über harte Indizien im Keim zu ersticken. So etwas ist übrigens nicht mehr als gelebte Arroganz." (11)

Besondere Beachtung sollte auch der Definition des Begriffs "Verschwörung" gezollt werden, die Mark Twain zugeschrieben wird: "Eine Verschwörung ist nichts anderes als eine geheime Übereinkunft einer Reihe von Männern zur Verfolgung von Vorhaben, die sie sich in der Öffentlichkeit nicht zuzugeben trauen."

Wenn Zentralbanken, wie der BIZ-Ökonom White im Jahre 2005 nahelegte, zusammenarbeiten, und dies heimlich geschieht, vermag gesagt zu werden, dass sie sich im obigen Sinne "verschwören", um die Gold- und Devisenmärkten verdeckt zu beeinflussen, namentlich in eine Richtung, die ihnen beliebt. Den Begriff "Verschwörung" rationalisierend, ließe sich formulieren, dass sich der "Verschwörungs"-Prozess durch Konsensbildung und der anschließenden Ausführung des erzielten Konsens im jeweils vertraulichen Rahmen auszeichnet. In diesem Lichte betrachtet war es wohl eine "Verschwörung", als sich Mitglieder der Europäischen Zentralbank vertraulich trafen, um ihre Abmachungen zum Zentralbankengold abzuschließen und mehrfach zu erneuern. Ziel: durch koordinierte Goldtransaktionen zur Verhinderung von Marktturbulenzen beitragen. (12)

Das sogenannte Washington Agreement on Gold vermag durchaus als Absprache und Einrichtung zur Preiskontrolle betrachtet werden. (13) Und als sich das G-10-Gold- und Währungskommitee im April 1997 im Geheimen bei der BIZ in der Schweiz traf, um seine vertrauliche, mit der Öffentlichkeit nicht weiter kommunizierte Goldpolitik zu koordinieren, handelte es sich wohl auch um eine Art von "Verschwörung". (14)

Interventionen im Goldmarkt stehen nach wie vor auf der Agenda. Alexandre Gautier, der damals die Marktoperationen der Banque de France leitete, teilte auf einem Treffen der London Bullion Market Association (LBMA) im September 2013 mit, dass die französische Zentralbank "nahezu täglich" mit Gold Handel treibe und "aktiv im Goldmarkt für andere Zentralbanken und öffentliche Institutionen“ sei. (15) Im Januar 2015 wurde Gaultier gefragt, welchen Zweck der Goldhandel der Banque de France erfülle. Gaultier entgegnete, dass die französische Zentralbank ihre Operationen im Goldmarkt nie erkläre. (16)


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