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Greg Weldon: Gold gleicht einer Sprungfeder - neue Allzeithochs möglich

23.08.2017  |  Mike Gleason
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Die Preise für Agrarrohstoffe sind im Keller. Im Bericht vom Freitag waren Reis und Milch die einzigen bullischen Lichtblicke. Bei allen anderen Produkten, von Vieh über Mais und Sojabohnen bis hin zu Baumwolle und Zucker, wurden die Preisaussichten nach unten korrigiert. Der Rohstoffindex CRB notiert im Moment niedriger als vor drei, sechs, zwölf oder 24 Monaten. Damit erledigen sich alle Gedanken an höhere Inflationsraten von selbst, es sei denn sie wären durch ein steigendes Lohnniveau bedingt. Können wir eine solche Entwicklung beobachten?

Sporadisch, in einigen Branchen und für einige Fachkräfte vielleicht. Aber eine allgemeine Erhöhung, wie die Fed sie anstrebt, ist nicht zu erkennen. Ganz und gar nicht.

Mittelfristig erwarte ich also keine Inflation. Damit will ich nicht sagen, dass sich das nicht ändern kann. Es hängt ganz von der Geldpolitik ab. Aber so ist der aktuelle Stand.


Mike Gleason: Für die Fed ist die Inflation offensichtlich sehr wichtig. Womöglich wird sie ihren geldpolitischen Kurs für den Rest des Jahres davon abhängig machen. Ich weiß, dass Sie praktisch den gesamten Rohstoffsektor beobachten. Was halten Sie vom jüngsten Anstieg der Kupferpreise? Das Metall wird ja auch als "Dr. Copper" bezeichnet, weil es ein ziemlich guter Indikator für das Wirtschaftswachstum ist. Was können wir derzeit aus der Entwicklung der Kupferpreise ableiten, Greg?

Greg Weldon: Nun, ich kann Ihnen sagen, dass wir in Bezug auf die Industriemetalle im Allgemeinen bullisch und long sind. In diesem Sektor könnte man beispielsweise in den ETF DBB investieren. Unserer Einschätzung nach sind die Aussichten vor allem für Aluminium und Zink sehr gut. Doch selbst das schwächste Glied - Nickel - bricht nach oben aus. Es handelt sich hier also um eine breit gefächerte Rally, die sich nicht nur auf Kupfer beschränkt.

Kupfer ist allerdings die am genausten beobachtete Benchmark. In Asien ist die Kupfernachfrage noch immer sehr hoch. Wirtschaftlich gesehen gibt es rund um den Globus einige echte Boomregionen und das zählt ebenfalls zu den Gründen für den schwächeren Dollar. Die anderen Währungen haben an Stärke gewonnen. Das gilt insbesondere für asiatische Staaten wie Korea, Thailand, Taiwan und selbst China, sowie für einige andere Länder. Diese Schwellenmärkte entwickeln sich sehr gut, deshalb haben auch ihre Währungen zugelegt.

Alles in allem wird der Dollar meiner Einschätzung nach in Zukunft aber vor allem deshalb weiter nachgeben, weil es keine Inflation gibt. Alles dreht sich um den US-Leitzins - die Federal Funds Rate - und darum, wo dieser erwartungsgemäß in Zukunft liegen wird, und welche Prognosen die Notenbanker selbst abgeben. Es ist ein Hütchenspiel, das bereits seit 2014 gespielt wird. Die Erwartungen gehen schon jetzt sehr weit auseinander. Die Märkte rechnen damit, dass bis Ende nächsten Jahres eine weitere Zinserhöhung beschlossen wird, und mit 25-%-iger Wahrscheinlichkeit noch eine zweite. Der "Dot Plot" der Fed zeigt für Ende 2018 jedoch einen Leitzins von 2 - 2,25% an.

Das ist eine starke Diskrepanz und wenn die Fed ihren eigenen Worten weiterhin nicht gerecht wird - auch wenn das in die Federal Funds Futures bereits eingepreist ist - hat der Dollar meiner Ansicht nach weiteres Abwärtspotential. Das wird auch durch einen Blick nach Europa bestätigt, denn dort brummt die Wirtschaft in vielen Staaten. Für Wachstumsraten wie in Polen, Tschechien oder Deutschland würden die USA alles geben.

Die deutsche Exportindustrie verzeichnet erneut Rekorde und schreibt fantastische Zahlen. Die Arbeitslosigkeit ist auf einen historischen Tiefststand gesunken. Diese Volkswirtschaften erleben einen kräftigen Aufschwung. Es wäre daher vermessen zu glauben, dass die EZB ihre Anleihekäufe über das Jahresende hinaus fortsetzen wird. Ich denke, dass das QE-Programm künftig zurückgefahren wird.


Mike Gleason: Ich würde gern noch genauer auf einige Industriemetalle eingehen. Silber wird in seiner Doppelfunktion als Industriemetall und monetäres Metall oft von gegenläufigen Tendenzen erfasst. Dient es als sicherer Hafen, wenn die Aussichten schlecht sind, oder wirkt sich die sinkende Rohstoffnachfrage bei schwacher Konjunktur negativ auf seinen Kurs aus? Wie schätzen Sie das weiße Metall ein, Greg?

Greg Weldon: Wissen Sie, Silber konnte zuletzt nicht einmal ansatzweise mithalten und es kam zu einer Reihe relativ heftiger Preisschwünge. Man könnte schon fast von fehlender Markttiefe sprechen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe Silber. Ich bin mit dem Silbertrading groß geworden und für mich, wie für viele andere Menschen auch, beinhaltet dieses Metall immer auch einen emotionalen Aspekt.

Es ist jedoch ungünstig, dass sich die Marktlage mittlerweile derart verschlechtert hat, dass der Silberkurs nur dann eine Chance hat, wenn Gold auf über 1.295 $ steigt. Mit Blick auf das Gold/Silber-Verhältnis bezweifle ich ebenfalls, dass sich hier in absehbarer Zukunft eine große Bewegung ankündigt.

Um noch einmal auf die Industriemetalle im Allgemeinen zurückzukommen: Kupfer, Silber und Platin befinden sich alle in einer ähnlichen Situation. Nur Palladium bewegt sich derzeit in seinem eigenen Universum. Die große Kupferrally beruht auf erwartetem, zukünftigem Wirtschaftswachstum, nicht auf aktuellem Wachstum. Die Fundamentaldaten spiegeln das auch nicht wider. Die Swapsätze für Kupfer haben neue Tiefs erreicht und am Markt besteht die ausgeprägteste Contango-Situation seit Beginn der Rally.

Das widerlegt die Theorie, dass das Angebot am Kupfermarkt knapp sei. Die Preisentwicklung stützt sich vielmehr auf eine erwartete künftige Nachfrage, die sich bislang noch nicht materialisiert hat, und die ihrerseits vor allem auf politischen Erwartungen beruht, deren Umsetzung vorerst nicht gerade wahrscheinlich wirkt.

Kupfer selbst sehe ich also in gewisser Weise kritisch. Die anderen Industriemetalle schätzen wir überwiegend positiv ein. Silber wird dem Goldkurs allerdings nur dann nach oben folgen, wenn Gold auf über 1.295 $ steigt. Im Moment würde ich jedenfalls Long-Positionen in Gold bevorzugen.



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