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Das ganze Ausmaß der globalen Rentenkrise

17.10.2017  |  John Mauldin
Regierungsversprechungen haben derzeit Hochkonjunktur. Im heutigen Artikel wollen wir uns weiter mit der Frage beschäftigen, was an all diesen Zusicherungen eigentlich dran ist. Behalten Sie dabei ein altes Trader-Sprichwort im Hinterkopf: "Was nicht ewig so weitergehen kann, wird es auch nicht." Oder anders gesagt: Trends, die auf lange Sicht nicht tragbar sind, werden eines Tages enden.

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In letzter Zeit habe ich mich stark auf die staatlichen Rentenfonds in den USA konzentriert, von denen viele kläglich unterfinanziert sind und niemals in der Lage sein werden, den Arbeitern ihre versprochenen Leistungen auszubezahlen - zumindest nicht, ohne den Steuerzahlern eine riesige und unerwünschte Rechnung dafür zu präsentieren. Und da die Steuerzahler im Allgemeinen gleichzeitig die Wähler sind, ist es nicht gesagt, dass sie diese Rechnung auch bezahlen werden.

Leser außerhalb der Vereinigten Staaten haben meine Berichte vielleicht mit einem gewissen selbstzufriedenen Gefühl der Sicherheit gelesen. "Diese Amis wieder, immer wollen sie weit über ihren Verhältnissen leben." Sie haben recht, im Großen und Ganzen sind wir wirklich nicht das sparsamste Volk der Erde. Wenn Sie außerhalb der USA leben, gleicht Ihr Land dem unserem aber wahrscheinlich mehr, als Sie denken. Wir werden uns einige Daten ansehen, die deutlich machen, was ich meine. In dieser Woche liegt der Fokus ganz auf Europa.


Der globale Fehlbetrag

Im Juni habe ich einen Artikel mit dem Titel "Können Sie es sich leisten, 100 zu werden?" geschrieben. Vielleicht ist Ihre Antwort darauf 'ja', aber in dieser glücklichen Lagen sind nur wenige. Die Studie des Weltwirtschaftsforums, die ich in diesem Bericht zitierte, untersuchte sechs Industriestaaten (die USA, Großbritannien, die Niederlande, Japan, Australien und Kanada) und zwei Schwellenländer (China und Indien) und stellte fest, dass allein in diesen Staaten 2050 insgesamt 400 Billionen $ fehlen werden.

Diese Summe wäre zusätzlich nötig, um sicherzustellen, dass künftige Rentner 70% ihres Gehalts bekommen. Und der Großteil Europas ist in dieser erschreckenden Zahl noch nicht einmal berücksichtigt.

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Hauptursache des Problems ist der vorausgesagte enorme Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung. Einhundert Jahre alt zu werden ist schon heute nicht mehr so bemerkenswert wie früher. Dieser Trend wird sich fortsetzen und es kommt noch besser: Wir werden auch im hohen Alter gesünder sein, als die Menschen es heute sind. Wird 80 das neue 50 sein? Das sollten wir besser hoffen, denn wenn wir davon ausgehen, dass die Menschen im Alter von 65-70 Jahren aufhören zu arbeiten und dann noch ein viertel Jahrhundert leben, sind das mathematisch gesehen recht düstere Aussichten.

In diesem Trend wird es meiner Einschätzung nach starke länderspezifische Unterschiede und Variationen geben. Die genannten 400 Billionen $ sind Geld, das in den Kassen der Regierungen, Arbeitgeber und Privatpersonen fehlt. Die jeweiligen Anteile schwanken stark. Manche Länder haben solide staatliche Rentenpläne, andere verlassen sich mehr auf die Beträge der Arbeitgeber und die private Vorsorge. Alles in allem ist das Geld jedoch einfach nicht da und es wird auch nicht auf magische Weise auftauchen, wenn es gebraucht wird.

Das Weltwirtschaftsforum kam zur selben Schlussfolgerung wie ich schon vor langer Zeit: Die Vorstellung, dass wir Jahrzehnte der Freizeit genießen können, bevor unser Lebensende naht, ist schlicht und ergreifend unrealistisch. Mit unserem Versuch, einen langen und entspannten Ruhestand zu genießen, stoßen wir derzeit an die Grenzen. Die meisten von uns werden deutlich länger arbeiten müssen als bis zu ihrem 65. Geburtstag, ob wir wollen oder nicht. Viele von uns werden außerdem im Ruhestand nicht in die versprochenen Leistungen erhalten.

Was ist mit den Millionen Menschen, die bereits im Ruhestand sind oder kurz davor stehen? Das ist ein riesiges Problem, insbesondere für die US-Amerikaner, die im öffentlichen Sektor arbeiten, und deren Lage ich in meinen letzten beiden Artikeln geschildert habe. Wir dürfen allerdings nicht vergessen, dass wir alle in gewisser Weise im öffentlichen Sektor arbeiten, denn wir bezahlen unsere Sozialbeträge und können nur hoffen, dass Washington uns eines Tages etwas zurückgibt. Doch sehen wir uns nun einige andere Länder an, in denen die Situation auch nicht gerade besser ist.



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