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Greg Weldon: "An den Aktienmärkten ist die Uhr fast abgelaufen"

27.10.2017  |  Mike Gleason
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Die Arbeitsmarktdaten für September waren großartig, die besten Zahlen seit 2007. Wird dieser Trend anhalten und sich in den nächsten Monaten fortsetzen? Es gibt zumindest vereinzelte Hinweise darauf. Wenn wir uns den Verbraucherpreisindex, den Erzeugerpreisindex (einen Frühindikator), die Standardmodelle, den möglichen Ausbruch der Kurse im Energiesektor und die Trends im Rohstoffsektor im Vergleich zum Vorjahr ansehen, dann entsteht durchaus der Eindruck, dass die Inflation tatsächlich steigen wird.

Infolgedessen muss die Fed wahrscheinlich weitere Zinsschritte beschließen. Für die Aktienmärkte könnte das wirklich problematisch werden. Die Notenbank versucht einen Drahtseilakt ohne Sicherheitsnetz. Das ist ein äußerst schwieriger Job.


Mike Gleason: Kommen wir noch einmal auf die Edelmetalle zurück. Wir würden unsere Leser und Zuhörer gern auf den neusten Stand bringen, was den Skandal um die Manipulation der Gold- und Silberpreise anbelangt. Vor eineinhalb Jahren musste die Deutsche Bank ihre Einflussnahme auf die Preise zugeben und den Behörden umfangreiches Beweismaterial aushändigen. Dieses Material könnte sich auch für eine Reihe anderer Banken als verhängnisvoll erweisen. Sowohl die Aufsichtsbehörden als auch die Gerichte sind allerdings dafür bekannt, dass ihre Mühlen langsam mahlen - wenn sie überhaupt etwas unternehmen.

Greg, Sie und Ihr Team sind viel stärker in die Terminmärkte involviert als wir. Sind Ihnen in dieser Angelegenheit irgendwelche neuen Entwicklungen bekannt? Mit welchen Folgen rechnen Sie angesichts der Sammelklagen gegen die Bullionbanken? Glauben Sie, dass die Enthüllungen über die Deutsche Bank letztlich zu ehrlicheren, faireren Märkten führen werden, oder rechnen Sie damit, dass es einfach so weitergeht wie bisher und sich am Einfluss der Banken auf die Edelmetallmärkte nichts ändern wird?


Greg Weldon: Ich denke, es wird eher "Business as usual" sein. Meiner Meinung nach herrscht in dieser Hinsicht eine gewisse Laissez-faire-Attitüde, weil das Problem so groß ist, dass es einen gewaltigen Einfluss auf die Märkte hätte, wenn es in seinem ganzen Ausmaß ans Tageslicht käme. Durch die Kursreaktionen würden wir auch sehr schnell davon erfahren. Die Manipulationsfrage ist ein Pulverfass, das eines Tages explodieren wird. Wie lange beschäftigt uns dieses Thema nun schon?

Wir diskutieren schon seit vielen, vielen Jahren darüber, aber in letzter Zeit ist es immer schlimmer geworden. Wird es eines Tages zu Enthüllungen kommen, die große Verwerfungen an den Märkten auslösen? Ich schätze, darüber ließe sich ein großartiger Film drehen, eine Art Agentenfilm oder etwas in dieser Richtung.

Im Hintergrund spielen sich jedenfalls alle möglichen Dinge ab, aber beim täglichen Handel an den Edelmetallmärkten ist davon nichts zu spüren. Ich konnte zumindest bisher keine erkennbaren Auswirkungen der Gerichtsverfahren und Untersuchungen auf die Märkte feststellen.


Mike Gleason: Greg, bevor wir zum Ende des Interviews kommen, möchte ich Sie noch fragen, worauf Sie sich im Moment konzentrieren und wie Sie die Märkte für Ihre Klienten bewerten. Denken Sie, dass es an der Zeit ist, sich defensiv zu positionieren, Barmittel zu halten und als Absicherung gegen Inflationsrisiken Rohstoffe und Edelmetalle zu kaufen, oder kann die Welle des Überschwangs die Aktienkurse noch höher tragen?

Greg Weldon: Nun, ich denke, dass das zu einem großen Teil davon abhängt, ob die US-Regierung irgendeines ihrer Projekte umsetzen kann, und ob die Republikaner erkennen, dass für sie alles auf dem Spiel steht. Es wäre wirklich an der Zeit, sich zusammenzuraufen und wenigstens eine Steuerreform zu verabschieden. Wir werden sehen, ob ihnen das gelingt. Das könnte dem Aktienmarkt noch einmal Auftrieb geben, nach dem Motto "Buy the rumor, sell the fact". Ich glaube allerdings, dass die positiven Erwartungen zum größten Teil bereits eingepreist wurden, und dass uns hinsichtlich des Steuerpakets ohnehin eine Enttäuschung bevorsteht.

Ich behalte insbesondere das Verhalten der Verbraucher im Blick. Die Umsatzzahlen des Einzelhandels waren in diesem Jahr wirklich schlecht. Bei den Verbrauchsgütern wurde seit Januar nur ein verschwindend geringes Plus verzeichnet. Wir können dabei zusehen, wie die Lage langsam kippt, wie die Zahlungsausfälle sich häufen. Die Zahlungsverpflichten der privaten Haushalte und des Staates sind erschreckend hoch, obwohl die Zinssätze so niedrig sind. Können sie sich vorstellen, was geschieht, falls die Fed den Leitzins innerhalb der nächsten 14 oder 15 Monate tatsächlich um 100 Basispunkte erhöht?

Ich denke, dass das auch für die Verbraucher und die Regierung Konsequenzen hätte, denn die Defizite sind bereits sehr hoch und nehmen weiter zu. Aber niemand will darüber reden. Allein die Staatsschulden belaufen sich auf 20 Billionen $. Zudem wird die Rendite der 5-jährigen Staatsanleihe wohl bald auf über 2% steigen und damit werden sich auch die Finanzierungskosten dieser Schulden erhöhen. Landminen wohin man blickt.

Ich verfolge das alles sehr genau mit. Für unsere Klienten analysieren wir jeden Tag das aktuelle Geschehen, denn man musste noch nie so schnell und so gut informiert sein wie heute. Das Tempo hat sich erhöht. Sie haben mich gefragt, was vor 30 Jahren anders war. Nun, heute ist eine unglaubliche Fülle an Nachrichten aller Art verfügbar, und zwar viel schneller als früher. Doch das Prinzip, nach dem wir arbeiten, hat sich nicht geändert: Wir analysieren alles, verbinden die einzelnen Punkte und versuchen zu erklären, wie sich die Märkte verhalten, warum sie sich so verhalten und wie Sie davon profitieren können.


Mike Gleason: Ich bedanke mich für das Gespräch, Greg. Schön, dass Sie wieder bei uns waren und Ihre Erfahrungen und Ihren Ausblick auf die Finanzmärkte mit uns geteilt haben. Sagen Sie doch zum Schluss noch ein paar Worte zu Ihrem Unternehmen Weldon Financial und erklären Sie unseren Lesern und Zuhörern, wie und wo sie weitere Informationen bekommen können.

Greg Weldon: Vielen Dank, Mike. Sie finden uns im Internet unter WeldonOnline.com. Dort können Sie Weldon Live abonnieren, einen vielschichtigen Service mit einem einzigen, festen Preis. Wir stellen täglich aktuelle Marktanalysen und globale, makroökonomische Analysen zur Verfügung, wobei wir die Anleihe-, Währungs- und Aktienmärkte, Aktienindices und ETFs, die Edel- und Industriemetalle, den Energiesektor und die Agrarrohstoffe behandeln. Zudem haben wir unser sogenanntes Trade Lab, in dem wir spezifische Handelsempfehlungen geben.

Wir haben schon von Anfang an an den Terminmärkten gehandelt und wir sehen, dass es zahlreiche Familiengeschäfte, unabhängige Broker und selbst Privatanleger gibt, die das auch tun. So, wie die ETFs heutzutage genutzt werden können, gibt es keinen Grund, warum ein privater Investor nicht auch wie ein Hedgefondsmanager oder ein Futures-Trader agieren könnte. Wir versuchen immer, die aktuellen Trends zu erklären und dann mit entsprechend angepassten Strategien davon zu profitieren.


Mike Gleason: Wunderbar. Vielen Dank, dass Sich sich heute Zeit für uns genommen haben, Greg. Ich hoffe, wir hören bald wieder von Ihnen.

Greg Weldon: Danke Mike, gern geschehen. Jederzeit gerne wieder.


© Mike Gleason
Money Metals Exchange


Der Artikel wurde am 20. Oktober 2017 auf www.moneymetals.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.



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