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Kann Silber wieder Geld werden?

24.11.2006  |  Reinhard Deutsch
Der nachfolgende Artikel wurde von Reinhard Deutsch als Vortrag auf der am 03. und 04. November 2006 stattfindenden "Internationalen Edelmetall- & Rohstoffmesse" in München gehalten.

Bevor ich auf die interessanten einzelnen Aspekte eingehe, will ich aber zunächst einmal ein paar Fragen an Sie selbst richten: Wer hier im Publikum glaubt, dass Silber wieder zu Geld wird, der möge doch bitte einmal die Hand heben. Und nun einmal die Gegenprobe - wer glaubt, dass es nicht möglich ist, dass Silber wieder Geld werden kann?

Und jetzt noch eine weitere, entscheidende Frage: - wer wünscht sich denn, dass Silber wieder Geld wird? Diese Frage ist deshalb entscheidend, weil wir nicht damit rechnen können, dass von der Obrigkeit Gold und Silber wieder als Geld eingeführt werden. Wir selbst müssen Gold und Silber wieder zu Geld machen, und es als Geld nutzen. Ob das Möglich ist, damit beschäftigt sich mein Vortrag.

Die meisten Menschen glauben, Silber sei heute nur noch ein Rohstoff - Silber könne nicht wieder zu Geld werden. Diese Überzeugung ist insofern überraschend, als Silber ja über 2000 Jahre hervorragend als Geld gedient hat. Warum sollte Silber diese Funktion nicht auch heute wieder übernehmen können? So wie die Windkraft über Jahrtausende als Energiequelle genutzt wurde und heute zunehmend wieder zusätzlich zu anderen Energiequellen genutzt wird, könnten wir auch Silber sofort zusätzlich zu anderen Geldformen wieder als Geld nutzen.

Neben seinen sonstigen nützlichen Eigenschaften, wie Leitfähigkeit, Reflexion, Lichtempfindlichkeit, Keimtötung etc. wird Silber auch die Eigenschaft, dass es als Geld hervorragend geeignet ist, nie verlieren. Silber wird, neben Gold, immer als Tauschmittel geeignet sein. Das hat es nun über Jahrtausende wahrlich bewiesen.

Wie kommt es dann zu dieser festen Überzeugung, dass Silber kein Geld mehr sein kann? Dieser Frage will ich im ersten Teil meines Vortrages nachgehen. Im zweiten Teil will ich dann zeigen, wie praktisch und konkret Silber heute vor unseren Augen doch wieder Geld werden kann. Im dritten Teil will ich dann versuchen, ein paar Überlegungen zu der Frage anzustellen, welche Wirkung es auf den Silberpreis haben könnte, wenn Silber wieder zu Geld wird.


Wenden wir uns der ersten Frage zu - wie kommt es, dass Silber als Geld so völlig aus dem Bewusstsein geraten ist?

Historisch hängt es natürlich damit zusammen, dass Silber gezielt und planvoll als Geld abgeschafft und so aus dem Bewusstsein verdrängt wurde, wie ich in meinem Buch Das Silberkomplott ausführlich beschreibe. Der langfristige Plan war, zuerst Silber als Geld abzuschaffen und anschließend auch Gold, um beide Metalle durch ein Geld zu ersetzen, das man in beliebiger Menge aus dem Nichts erzeugen kann, nämlich ungedecktes Papiergeld, sog. fiat money.

Mit einem solchen Geldsystem ist natürlich sehr viel Macht verbunden, weshalb auch sehr viel Intelligenz darauf verwendet wurde, ein solches System einzuführen. Nun - der Plan ist gelungen und wir haben weltweit nur noch fiat-money-Systeme. Silber und Gold sind offiziell als Geld abgeschafft .

Aber das erklärt natürlich nicht, warum die Menschen heute aus sich selbst heraus überzeugt sind, Silber tauge nicht als Geld. Selbst der Silberguru Ted Butler sagt - Silber kann nicht wieder Geld werden. Der eigentliche Grund für dieses merkwürdige Phänomen ist eine Täuschung, eine Verwechslung, ein sprachlicher Zaubertrick, etwa nach dem Muster: "Nehmen wir an, Sie haben 5 Pferde und wir nennen das Pferd Kuh, wie viel Kühe hätten Sie dann? Antwort: 5 Kühe natürlich. Falsch - wenn ich ein Pferd Kuh nenne, wird es nicht zur Kuh."

Es gibt heute eigentlich überhaupt kein Geld mehr - Geld ist völlig verschwunden und an seine Stelle ist Etwas getreten, das gar kein Geld ist - aber Geld genannt wird. Was wir heute als Geld bezeichnen, wie Dollar, Euro, Franken etc. ist gar kein Geld, sondern Kredit. Jeder gedruckte Dollar- oder Euroschein ist eine Krediturkunde mit der eine Schuld, ein Versprechen weitergereicht wird. Bezahlen mit Geld bedeutet das Liefern einer Ware oder einer Leistung als Gegenleistung für eine Ware.

Ich bezahle eine Ware, indem ich eine andere Ware dafür hergebe. Alles arbeitsteilige Wirtschaften bedeutet nichts anderes als den Austausch von Leistung und Gegenleistung. Weil das nicht immer passt wird üblicherweise eine Ware dazwischen geschaltet, die von den meisten Menschen begehrt wird. Diese Zwischentauschware bezeichnete man früher als Geld. Nachdem man mit zahlreichen Zwischentauschwaren experimentiert hat, haben sich Silber und Gold im Markt als beste Zwischentauschware, als bestes Geld herausgestellt.

Neben Geld hat es immer auch Kredit gegeben, wenn die Gegenleistung nicht sofort erbracht sondern für später versprochen wurde. Es wird dann gleichsam nicht mit einer Ware sondern mit einem Versprechen auf Ware bezahlt. Üblicherweise wird dieses Versprechen mit einem Zettel, einem Schuldschein dokumentiert, damit es nicht in Vergessenheit gerät. Wenn mit Geld bezahlt wird, ist das Geschäft abgeschlossen - Leistung und Gegenleistung sind ausgetauscht. Wenn nur mit einem Versprechen gezahlt wird bleibt das Geschäft offen - die Gegenleistung steht noch aus.

Nachdem man nun Silber und Gold als Geld ganz abgeschafft hat, haben wir heute lauter offene Versprechen, lauter Zettel, die nur anzeigen, wie viel Versprechen noch offen sind. Aber statt diese Zettel nun Kredit oder offenes Versprechen zu nennen, bezeichnet man die Zettel als Geld und tut so, als ob eine Leistung bezahlt wäre, wenn man so ein Versprechen übergibt. Je mehr solche Zettel umlaufen, umso mehr offene Versprechen gibt es, umso mehr Rechnungen stehen offen, weil die Gegenleistung noch nicht erbracht wurde.

Halten wir also fest, mit Lieferung einer Ware ist das Geschäft abgeschlossen, mit Lieferung eines Versprechens (Dollar, Euro) bleibt das Geschäft offen. Im ersten Fall wird mit Geld bezahlt, im zweiten Fall mit Kredit. Geld und Kredit sind zwei ganz verschiedene Dinge und sollten klar auseinander gehalten werden.

Nun hat man aber einfach Geld ganz abgeschafft und Kredit als Geld bezeichnet und mit diesem Trick ist genau die Verwirrung entstanden, die wir heute konstatieren und die wohl auch Zweck der Übung war.

Aber man muss den Trick nur durchschauen und schon können Silber und Gold wieder zu Geld werden. Wenn man nämlich im Umkehrschluss erkennt, dass Dollar und Euro gar kein Geld sind, sondern Kredit, dann erkennt man sofort wieder, dass man daneben auch Silber und Gold als Geld benutzen kann. Es geht also gar nicht darum, dass man nur entweder Euro und Dollar oder nur Silber und Gold als Geld benutzen kann. Vielmehr kann man beides gleichzeitig und nebeneinander benutzen. Beides schließt sich nicht aus, in der Weise, dass nur das Eine oder das Andere Geld sein kann.

Aber genau das ist das Missverständnis. Viele glauben, Silber und Gold könnten nicht wieder Geld werden, weil sie dann Euro und Dollar ersetzen müssten und soviel Gold und Silber gebe es gar nicht. Dabei ist genau das Gegenteil richtig. Durch alle Jahrhunderte hat es Geld und Kredit nebeneinander gegeben, wobei Geld, also Gold und Silber, eine fest vorhandene Menge war, die als Geld umlief und nur schwer veränderbar war, während Kredit eine variable Größe war, die sich der Wirtschaftsdynamik anpasste. Kredit entsteht aus dem Nichts und verschwindet wieder ins Nichts und passt sich so der Nachfrage an.

Die Tatsache, dass es vorübergehend gelungen ist, Geld ganz abzuschaffen und den Menschen einzureden, nur Kredit sei Geld, heißt nicht, dass die Menschen das immer glauben. Mit ein wenig eigenem Nachdenken erkennt eigentlich Jeder, dass Silber und Gold nach wie vor weltweit begehrt sind und deshalb ihre Tauscheigenschaft nicht verloren haben. Diese Einsicht kann uns als Edelmetallinvestoren auch großes Vertrauen geben. Silber und Gold gehen nicht pleite, sie verschwinden nicht und sie verlieren auch nicht über Nacht ihre Tauscheigenschaft.



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