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John Butler: Die Dynamik von Finanzkrisen und das versteckte Goldangebot

23.11.2017
So wie zahlreiche andere ökonomische Phänomene werden auch Finanzkrisen oft falsch verstanden. Der wirtschaftliche Mainstream interpretiert sie zumeist als Folge von "Marktversagen" in der ein oder anderen Form und empfiehlt typischerweise eine verstärkte Regulierung des Finanzwesens sowie den Ausbau von Aufsichts- und Kontrollmechanismen. Insbesondere in den Vereinigten Staaten ist diese Entwicklung schon seit mehr als einem Jahrhundert zu beobachten. Das Notenbanksystem (das Federal Reserve System) geht auf einen Vorschlag zurück, den eine Gruppe von Senatoren mit engen familiären Verbindungen zu den damaligen Managern der Wall Street in Reaktion auf die Finanzkrise von 1907 machte.

Die damalige Panik am Aktienmarkt und die damit einhergehenden Bank Runs deckten auf, wie stark die Banken ihre minimalen Kapitalreserven gehebelt hatten und wie instabil sie infolgedessen geworden waren. Aus diesem Grund wurde das Federal Reserve System geschaffen, das im Notfall als "Kreditgeber der letzten Instanz" für systemtragende Finanzinstitutionen dienen und deren ungeordneten Bankrott verhindern sollte, da man fürchtete, dass ein solches Ereignis auch die Insolvenz der jeweiligen Geschäftspartner der Banken sowie möglicherweise den Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems zur Folge haben könnte.

Die Federal Reserve wurde 1913 gegründet und hatte sich in den Goldenen Zwanzigern als Machtzentrum der Geldpolitik voll etabliert, während die Preise der US-Assets in die Höhe schossen. Grund dafür war zum Teil die Lockerung der Geldpolitik im Jahr 1927 auf Bitte der Bank of England hin, die damals gegen eine schwere Deflation und Depression ankämpfte. Eine Folge des Wirtschaftsabschwungs waren die enormen Goldmengen, die vom Vereinigten Königreich in die USA flossen, weil die höheren Zinsen dort das Geld - d. h. Gold - aus dem Ausland anlockten.

Obwohl der Goldstrom auch nach dem US-Börsencrash von 1929 nicht abriss, ließ es die Federal Reserve seltsamerweise nicht zu, dass sich die Geldbasis das Landes analog dazu auf natürliche Weise erhöht. Bedeutende Wirtschaftshistoriker wie Milton Friedman und Anna Schwarz sehen in dieser sonderbaren, willkürlichen und in ihren Augen äußerst unglücklichen Entscheidung eine der Hauptursachen für die schwere Depression, die in den USA zu dieser Zeit einsetzte. Innerhalb weniger Monate begannen die Kreditinstitute zusammenzubrechen.

Bis 1932 kam es zu hunderten Bankenpleiten und bis 1933, dem nach Ansicht der Historiker schlimmsten Jahr der Krise, sollten zahlreiche weitere folgen. Erst in den 1940er Jahren konnte sich die US-Wirtschaft wieder vollständig erholen.

Doch unabhängig davon, ob sie in erster Linie auf das Versagen der Geldpolitik oder auf interne Marktdynamiken zurückzuführen ist, hat die Große Depression einiges mit anderen Finanzkrisen gemein. Da sich die Liquidität der Finanzmärkte tendenziell ihrer Größe anpasst, kann sie sehr rasch und unerwartet verschwinden, wenn die Preise zu fallen beginnen. Dies führt zumindest vorübergehend zu einem Teufelskreis, in der Marktteilnehmer, die Liquidität beschaffen wollen, mit einem Dilemma konfrontiert werden: Entweder verkaufen sie zu jedem Preis, egal wie zähneknirschend, um Barmittel zu erhalten, oder sie verkaufen nicht und nehmen in Kauf, dass ihnen potentiell ruinöse Margin Calls drohen.

Nachdem er die Große Depression selbst miterlebt und in Harvard einen Abschluss in Ökonomie gemacht hatte, erdachte John Exter ein anschauliches monetäres Grundgerüst zu Erklärung von Finanzkrisen. Die unter seinem Namen bekannt gewordene Pyramide stellt Geld, Barmitteläquivalente und verschiedene Wertpapiere und andere Finanzinstrumente dar, deren Wert wiederum von anderen Kapitalformen und Kreditsicherheiten abhängt.

Je mehr unterschiedliche Formen von Geld, Barmitteläquivalenten und Finanzassets dazukommen, desto größer wird die Pyramide. Jede Ebene der Pyramide beruht auf dem Beleihungswert der darunterliegenden Ebene und ist von diesem abhängig. In nominellen Werten nimmt die Marktkapitalisierung jedoch tendenziell ab, je weiter man in den Ebenen der Pyramide nach unten steigt und sich den zuverlässigsten Formen der Kreditsicherheit nähert.

Grund dafür ist die auf Mindestreserven beruhende Funktionsweise des Banken- und Finanzsystems. Diese sich nach unten hin immer weiter verengende Struktur ist von Natur aus instabil, falls sich die Nachfragekurve nach Geld oder den unterschiedlichen Finanzassets verschieben sollte.

An ihrer Spitze ruht die umgekehrte Finanzpyramide daher auf physischen Goldreserven - dem einzigen monetären Vermögenswert, der seinen Wert im Gegensatz zu anderen Finanzassets nicht verlieren kann, der nicht ausfallen kann und der auch nicht dem Risiko einer Bankenpleite unterliegt. Physisches Bargeld kann, wie sich in der Geschichte oft genug gezeigt hat, willkürlich abgewertet oder offiziell abgeschafft werden. Gold nicht.

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