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Brentölpreis weiter durch Angebotsausfälle unterstützt

18.12.2017  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Ölpreise beendeten die letzte Woche unverändert und starten mit leichten Gewinnen in die Vorweihnachtswoche. Brent handelt bei 63,8 USD je Barrel, WTI bei 57,8 USD je Barrel. Die Unterbrechung der wichtigsten Öl- und Gaspipeline in der Nordsee gibt weiterhin Unterstützung. Der Pipelinebetreiber Ineos hat Ende letzter Woche wegen Verzögerungen bzw. Ausfällen bei den Lieferungen "force majeure" erklärt.

Noch immer gibt es kein verlässliches Datum, wie lange die Reparaturarbeiten andauern und wann die Pipeline wieder in Betrieb gehen wird. Damit fehlen derzeit gut 400 Tsd. Barrel pro Tag an Forties-Öl, das die wichtigste Ölsorte im Brentkorb ist. Dies dürfte einem Preisrückgang bei Brent bis auf weiteres entgegenstehen.

Ebenfalls preisunterstützend sind Nachrichten aus Nigeria, wo es ab heute in der Ölindustrie zu einem landesweiten Streik kommen wird. Der WTI-Ölpreis wird durch den überraschenden Rückgang der US-Bohraktivität in der letzten Berichtswoche unterstützt. Laut Baker Hughes sank die Zahl der aktiven Ölbohrungen um vier, was dem ersten Rückgang seit sechs Wochen entspricht.

Das hohe Preisniveau kann als Erklärung kaum herhalten, da sich der WTI-Ölpreis weiterhin in Schlagdistanz zu einem 2½-Jahreshoch befindet. Auch Wettereinflüsse scheinen keine Rolle gespielt zu haben, da der Rückgang nicht im winterlichen Bakken-Vorkommen in Nord-Dakota stattfand, sondern im Permian Basin in Südtexas. Für die Spekulanten gibt es somit bislang noch keinen Anlass, ihre nahezu rekordhohen Netto-Long-Positionen abzubauen. Bei WTI wurden sie zuletzt leicht reduziert, bei Brent nochmals leicht aufgestockt.


Edelmetalle

Gold handelt zum Wochenauftakt unverändert bei 1.255 USD je Feinunze. Der schwächere US-Dollar gibt dem Preis heute Morgen offenbar keine Unterstützung. Einer Erholung von Gold steht wohl die wahrscheinliche Einigung bei der Steuerreform in den USA entgegen, die noch diese Woche beschlossen werden dürfte. Dies dürfte auch die spekulativen Finanzinvestoren davon abhalten, wieder stärker auf steigende Goldpreise zu setzen.

Gemäß CFTC-Statistik haben sich die Spekulanten auch in der Woche zum 12. Dezember stark bei Gold zurückgezogen und ihre Netto-Long-Positionen um weitere 43% auf 76,2 Tsd. Kontrakte reduziert. Dies ist der niedrigste Wert seit Ende Juli. In den letzten beiden Berichtswochen wurden die Netto-Long-Positionen um 62% bzw. 122 Tsd. Kontrakte abgebaut. Damit wurden in dieser Zeit über den Futures-Markt rund 380 Tonnen Gold verkauft, was der weltweiten Goldminenproduktion von 5-6 Wochen entspricht. Der Preisrückgang von Gold war damit im Wesentlichen auf die Spekulanten zurückzuführen.

Für Silber gilt das Gleiche: Hier gibt es erstmals seit Mitte Juli wieder Netto-Short-Positionen. In den letzten beiden CFTC-Berichtswochen wurden 9.670 Tonnen Silber über den Futures-Markt verkauft, in den letzten vier Wochen sogar 11.480 Tonnen. Letzteres entspricht der weltweiten Silberminenproduktion von fünf Monaten. Und bei Platin wurde am Futures-Markt innerhalb von zwei Wochen die weltweite Minenproduktion von fast zwei Monaten verkauft. Einzig bei Palladium blieb die Marktpositionierung fast unverändert auf weiterhin sehr hohem Niveau.

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Industriemetalle

Die Metallpreise sind am Freitag deutlich gestiegen und verteidigen zum Wochenauftakt ihre Gewinne. Kupfer kostet 6.900 USD je Tonne, Zink verteuert sich auf 3.200 USD je Tonne und Nickel handelt bei 11.600 USD je Tonne. In Shanghai vollziehen die Metalle heute den Anstieg der Preise in London vom Freitag nach. Angetrieben wurden sie durch die ebenfalls merklich gestiegenen Aktienmärkte in den USA - sowohl der S&P 500 als auch der Dow Jones Industrial Average kletterten auf neue Rekordhochs.

Auslöser für den höheren Risikoappetit der Marktteilnehmer waren wohl Anzeichen auf eine Einigung zwischen dem Senat und dem Repräsentantenhaus beim neuen Steuergesetz in den USA. Die Abstimmungen über das Gesetz finden noch diese Woche statt, die erste möglicherweise schon morgen. Ähnlich wie Zink und Blei (siehe TagesInfo Rohstoffe vom 14. Dezember) wies auch der globale Nickelmarkt in den ersten zehn Monaten des Jahres ein hohes Angebotsdefizit auf.

Daten der International Nickel Study Group (INSG) zufolge blieb das Angebot um 65,7 Tsd. Tonnen hinter der Nachfrage zurück. Das Defizit hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr um gut 18 Tsd. Tonnen ausgeweitet, was auf eine um 6,4% gestiegene Nachfrage zurückzuführen ist. Das Angebot wurde zwar um 5,4% ausgeweitet, konnte die Nachfrage aber nicht komplett befriedigen. Die INSG ging auf ihrer Herbsttagung im Oktober für das Gesamtjahr von einem Angebotsdefizit von fast 100 Tsd. Tonnen aus.


Agrarrohstoffe

Die Stimmung unter den kurzfristig orientierten Marktteilnehmern ist bei einer ganzen Reihe von Agrarrohstoffen sehr gedämpft. In der letzten Berichtswoche bauten sie ihre Netto-Short-Positionen bei Weizen weiter aus. Sie liegen damit wieder nahe dem Allzeithoch von Ende April. Auch bei Mais wurden nach einem vierwöchigen Abbau vom Rekordniveau aus die Netto-Short-Positionen zuletzt wieder ausgeweitet. Und bei Rohzucker wurde der kurzzeitige Ausflug in den positiven Bereich, d.h. zu Netto-Long-Positionen, wieder korrigiert.

Auch bei Kaffee und Kakao wurden die Netto-Short-Positionen aufgestockt. Eine Ausnahme ist Baumwolle, wo die kurzfristig orientierten Marktteilnehmer nicht nur seit April 2016 mehrheitlich auf steigende Preise setzen, sondern die Netto-Long-Positionen in den letzten Wochen auf das höchste Niveau seit Mai aufstockten. Dies begleitet eine beeindruckende Preiserholung. Seit Anfang November legte der Preis um 11% zu und schloss Ende letzter Woche erstmals seit Mai wieder über 75 US-Cents je Pfund.

Das US-Landwirtschaftsministerium hatte letzte Woche seine Schätzung für die weltweite Baumwollproduktion 2017/18 wegen niedrigerer Angaben für Indien und Pakistan etwas reduziert. Gleichzeitig hob es die Nachfrage leicht an. Dies lässt den bisher prognostizierten Überschuss fast auf Null schrumpfen. Außerhalb Chinas - für das die Prognosen unverändert blieben - steigen die Bestände zwar dennoch, allerdings statt der bisher prognostizierten 3,6 Mio. Tonnen nur noch um 3,1 Mio. Tonnen.



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