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Gold bullisch bei Fed-Zinssatzerhöhungen (II)

22.12.2017  |  Adam Hamilton
Der Goldkurs hatte in den letzten Monaten Prügel bezogen, weil Gold-Futures-Spekulanten aus Angst vor dem “Schwarzen Man“ - sprich Fed-Zinssatzerhöhungen - vom Spielfeld flohen. Wie allgemein erwartet wurde, kam es diese Woche zur fünften Fed-Zinssatzerhöhung. Als Gold nicht, wie irrationalerweise befürchtet wurde, einbrach, kamen die am Rande kauernden Futures-Trader wieder schnell zurück aufs Spielfeld. Schon vergangene Fed-Zinserhöhungen hatten sich in der Tat als sehr bullisch für Gold erwiesen, und auch diese jüngste wird hier keine Ausnahme machen.

Damals Anfang September stand Gold ganz nah an der 1.348 $-Marke. Im Rahmen einer großen Herbst-Rally war es kraftvoll aus seinem normalen Sommerflautentief gestartet und in nur 2,0 Monaten um 11,2% nach oben geschossen. Doch auch schon damals begannen sich Ängste vor einer Fed-Zinssatzerhöhung nach dem FOMC-Treffen am 13.Dezember einzuschleichen. Als Gold am 7.September sein Hoch erreichte, implizierte der Federal-Funds-Future, dass die Wahrscheinlichkeit von Zinssatzerhöhungen im Dezember bei nur 32% lag.

Während der folgenden 8 Handelstage, die in das FOMC-Treffen von 20. September mündeten, auf dem die Fed ihr beispielloses Programm quantitativer Verknappungen (QT) zur Welt brachte, stiegen die Wahrscheinlichkeiten für Zinserhöhungen teils bis auf 62%. Die an jenem Tag erfolgende FOMC-Erklärung als auch Janet Yellens Pressekonferenz ließen die Wahrscheinlichkeit von Dezember-Zinserhöhungen dann noch höher schießen - auf 73%. Also sackte Gold zurück auf 1.300 $, da die Futures-Spekulanten vor Angst zitternd verkauften.

Anfang Oktober markierte die Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen schließlich 93%, Gold fiel bis auf 1.268 $. Über den Zeitraum eines Monats, in dem die Wahrscheinlichkeit von Fed-Zinssatzerhöhungen von 32% auf 93% gestiegen war, fiel Gold im Umfeld kräftiger Gold-Kontraktverkäufe um 5,9%. Damit wurden fast 6/10 der Gold-Herbst-Rally ausgelöscht, was sehr an der Marktstimmung kratzte. Trotzdem konnte sich Gold Ende Oktober/ November an der 1.280 $-Marke stabilisieren.

Anfang letzten Monats waren die Federal-Funds-Trader dann so vollkommen überzeugt von kommenden Leitzinserhöhungen, welche diese Woche auch kamen, dass deren implizierte Wahrscheinlichkeitsrechnung die 100%-Marke erklomm. Diese absolute Sicherheit erhielten sie dann 27 Handelstage am Stück aufrecht. Um Thanksgiving herum konnte Gold zu einer kleinen Rally auf 1.294 $ starten, doch Anfang Dezember begannen die Spekulanten erneut Gold-Futures abzustoßen. Also fiel Gold im Vorfeld der dieswöchigen FOMC-Entscheidung bis auf 1.242 $.

Gold-Futures-Spekulanten hatten immer schon große Angst von Fed-Leitzinserhöhungen. Ihre Begründung dafür klingt einfach und logisch. Da Gold keine Zinsen oder Dividenden abwirft, wird es nach Zinserhöhungen in einem renditestärkeren Umfeld Probleme haben, mit Anleihen und Aktien zu konkurrieren. Somit werden die Goldinvestitionen zurückgehen, was wiederum zu sinkenden Goldpreisen führt. Spekulanten versuchen immer, ihren von vorneherein feststehenden Schlussfolgerungen am Markt zuvorzukommen, indem sie Gold-Futures verkaufen.

Dieses Szenario hat sich nun drei Dezember am Stück so zugetragen. Mitte Dezember 2015 begann die Fed ihren Zyklus der Zinserhöhungen mit ihrer ersten Leitzinserhöhung seit 9,5 Jahren. Vor einem Jahr, Mitte Dezember 2016, erhöhte der FOMC die Zinsen zum zweiten Mal. Nach zwei weiteren Erhöhungen dieses Jahr kommt die Fed mit ihrer neuesten Erhöhung Mitte Dezember auf Nummer 5 in diesen Zyklus. Alle Erhöhungen waren von offensiven Verkäufen der Spekulanten begleitet.

Der Einbruch beim Gold bis in die laufende Woche hinein ist, im Umfeld vermehrter Ängste vor Fed-Zinserhöhungen, wirklich nichts Neues. Der Vorspann zum diesjährigen FOMC-Treffen im Dezember fühlt sich fast schon an wie Bill Murrays Klassiker "Und täglich grüßt das Murmeltier". Die wichtige Frage für Goldinvestoren lautet also heute: Wie hatten sich exzessiv-bärische Gold-Futures-Wetten der Spekulanten bei vorhergehenden Dezember-Zinssatzerhöhungen ausgewirkt? Zerfiel der Goldkurs angesichts höherer Zinsen wie befürchtet?

Im ersten Chart wurde der Goldkursverlauf im aktuellen Zinserhöhungszyklus der Fed über die gemeinsamen Long- und Short-Positionen der Spekulanten bei den Gold-Futures gelegt. Gold ist in blau dargestellt, die Gesamtzahl der Spekulantenkontrakte auf steigende und fallende Kurs in grün bzw. rot. Die Gold-Futures-Daten stammen aus dem wöchentlichen Commitments of Trader-Berichten, die jeden Freitagnachmittag veröffentlicht werden und sich aktuell auf den vorhergehenden Dienstag beziehen.

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Die Gold-Futures-Spekulanten sind seit Langem felsenfest davon überzeugt, Fed-Leitzinserhöhungen und der daraus resultierende Zinsniveauanstieg seien der Todfeind des Goldes. Sie glauben inbrünstig, ein steriles Asset wie Gold sei im Umfeld steigender Zinsen nicht konkurrenzfähig. Man muss diesen Elite-Tradern allerdings zugutehalten, dass sie sich nicht davor scheuen, ihren Worten auch Taten folgen zu lassen. Die Handelsaktivitäten im Umfeld der Dezember-Zinserhöhungen letztes Jahr erhellen auch das heutige Goldkursgeschehen.

Damals im Dezember 2008 geriet die Federal Reserve in Panik und reagierte mit einer drastischen Leitzinssenkungen auf null Prozent - zum ersten Mal in ihrer Geschichte. Vier Jahre danach redeten hohe Fed-Vertreter dann über eine Zinsnormalisierung ohne aber jemals den Mut dazu aufzubringen. Ende Oktober 2015 fing der FOMC schließlich an, Ernst zu machen mit dem Ende jener lächerlichen Nullzinspolitik-Anomalie. Die Fed warnte damals: Es sei möglicherweise "angebracht, den Leitzins während des nächsten Treffens anzuheben.".


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