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Gold bullisch bei Fed-Zinssatzerhöhungen (II)

22.12.2017  |  Adam Hamilton
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Obwohl irrationale Zinserhöhungsängste ein Hauptmotiv für den Verkauf von Gold-Futures blieben, so wurden diese Entscheidungen sicherlich auch durch den Aktienmarkt befördert. Nach Trumps Überraschungswahl Anfang November letzten Jahres schossen die Aktienmärkte in “Trumphorie“ nach oben in der Hoffnung bald kommender, umfangreicher Steuersenkungen. In der Tat flaut die Goldinvestionsnachfrage ab, wenn rekordhohe Aktienmarktnotierungen für viel Euphorie sorgen und damit die Nachfrage nach Alternativen, allen voran Gold, ausschalten.

Wie schon im Vorjahr sackte Gold gleich am Tag nach der zweiten Fed-Leitzinserhöhung des aktuellen Zyklus im Dezember letzten Jahre auf ein großes Tief bei 1.128 $. Innerhalb von 5,3 Monaten war Gold um 17,3% gefallen, zum Teil wegen des massiven Abverkaufs von 164.500 Long-Kontrakten sowie der Aufstockung von 25.800 Short-Kontrakten. Aber auch hier wieder dasselbe Spiel: Als die kollektiven Wetten ihr Gold-Pessimismus-Hoch mit Blick auf Zinserhöhungen markierten, war Gold für eine Kurswende mit deutlichen Zuwächsen bereit.

Der Grund dafür ist, dass exzessive Gold-Futures-Verkäufe der Spekulanten eine selbstbegrenzende Wirkung haben. Trotz der Marktmacht, die die extreme Hebelwirkung ihnen garantiert, bleibt ihr Kapital dennoch nur endlich. Sie haben nur so und so viele Long-Kontrakte, die sie verkaufen möchten und können, und auch nur so und so viel verfügbares Kapital, um Goldkontrakte short zu verkaufen. Sobald sie also in die Nähe dieser Limits kommen, ist eine Marktwende unabwendbar. Bald müssen sie wieder Long-Positionen kaufen und Short-Positionen glattstellen.

Also: Zwei Jahre in Folge schoss Gold nach dem Erreichen großer Tiefs gleich nach der Dezember-Erhöhung des Fed-Leitzinses wieder in die Höhe. Innerhalb der folgenden 8,7 Monate, bis Anfang September, schob sich der Goldkurs um 19,5% in die Höhe, während die Spekulanten 111.000 Gold-Long-Kontrakte nachlegten. Sie begannen aber, ihre Lektion über das Shorten in jungen Bullmärkten zu lernen, da ihre Gesamt-Short-Position über diese Zeitspanne nur um 1.000 Kontrakte sank. Dieser 2017-Aufwärtstrend beim Gold war beeindruckend.

Unterm Strich stieg Gold nicht nur während der 3. und 4. Leitzinserhöhung dieses Zyklus Mitte März und Mitte Juni, es machte zudem Kursgewinne trotz der extremen Aktienmarkt-Euphorie dieses Jahres, die durch endlos neue Rekordhochs befeuert wurde. Zeitweise verkauften die Spekulanten Gold-Futures in rekordverdächtigem Umfang leer, was zur gewöhnlichen Gold-Sommerflaute führte, dennoch ebnete dieses künstliche Tief den Weg für eine kräftige Herbst-Rally. Gold war stark geblieben.

Trotz steil steigender Wahrscheinlichkeiten von Fed-Leitzinserhöhungen, die diese Woche dann schließlich in einer von allen erwarteten 5. Anhebung im aktuellen Zyklus mündeten, war Gold sogar noch in der Lage, sich von Anfang Oktober bis Anfang Dezember zu stabilisieren. Doch als diese dritte Leitzinsanhebung wie in schon vielen Dezembern drohend näher rückte, begannen die Gold-Spekulanten in den letzten Wochen die Nerven zu verlieren. Das zeigt sich schon jetzt am jüngsten COT-Bericht, der vor diesem Artikel veröffentlicht wurde und den Stand zum 5. Dezember widerspiegelt.

Als eine weitere Dezember-Zinserhöhung sicher schien, warfen die Goldspekulanten 39.200 Long-Gold-Kontrakte über Bord und verkauften weitere 17.400 Kontrakte short - innerhalb nur einer COT-Woche! Die Gesamtverkäufe in Höhe von 56.700 Kontrakten sind das Äquivalent zu 176,2 Tonnen Gold. Damit rangiert jene COT-Woche, hinsichtlich der Gold-Futures-Verkäufe durch Spekulanten, auf Platz 3 von insgesamt 988 - seit 1999. Wieder einmal waren diese albernen Trader wegen einer Leitzinserhöhung ausgeflippt.

Die Fed erhöhte dann in der Tat zum 5. Mal in diesem 12. modernen Zyklus die Zinssätze, so wie es weithin prognostiziert wurde. Die Federal Funds Rate wurde auf eine Spanne zwischen 1,25 und 1,50% angehoben. Ich vermute, dass die Gold-Futures-Spekulanten erwartet hatten, dass die Fed-Führung zudem die Anzahl der für 2018 anstehenden Zinserhöhungen nach oben korrigieren würde. In ihrem ein Quartal zuvor veröffentlichten Plan hatte sie 3 Erhöhungen vorgesehen. Doch es gab keinerlei Änderung für 2018; in einer zumeist neutralen Vorausschau, die diese Woche veröffentlicht wurde, hält die Fed an ihrem alten Durchschnitt von drei Erhöhungen fest.

Also fingen die Spekulanten erneut an, Gold-Futures zu kaufen - sofort nachdem der FOMC seine Entscheidung und seine Leitzins-Vorschau letzten Mittwoch um 2 Uhr Nachmittag veröffentlicht hatte. Gold stieg an diesem Tag gleich um 1,0% - eine Parallele zum Goldkursgewinn von 1,1%, der damals vor zwei Jahren am Tag der Erhöhung zu verzeichnen war. Damals wurde ein neuer Bullmarkt in die Startlöcher gebracht. Im laufenden Erhöhungszyklus der Fed steht Gold weiterhin mit 18,3% im Plus; das sind solide Zuwächse, wenn man die irrigen Überzeugungen der Futures-Spekulanten in Betracht zieht.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die exzessiv pessimistischen Wetten, von denen Gold die letzten Monate über deutlich geschwächt wurde, sich auch in diesem Dezember wieder als genauso falsch herausstellen werden wie in den Dezembern der letzten Jahre! Gold wird wahrscheinlich zu einer kräftigen Rally ins Jahr 2018 starten, während die hyper-gehebelten Trader erneut Long-Positionen aufbauen. Viele Short-Positionen müssen sie dabei nicht glattstellen, womit sich der Trend des letzten Jahres fortsetzt. Gehebelter Leerverkauf in gesunden Bullmärkten ist nämlich Selbstmord.

Wie schon bei den vorhergegangenen Dezember-Zinserhöhungen werden wahrscheinlich auch jetzt wieder die Goldinvestionskäufe einsetzen. Die nachteiligen Goldkursauswirkungen der kollektiven Tradingaktivität der Spekulanten im Vorfeld von Zinssatzerhöhungen sorgen eben auch dafür, dass sich Goldinvestoren Sorgen machen wegen steigender Zinsumgebungen. Doch sobald eine weitere Fed-Zinssatzerhöhung durch ist und Gold doch nicht, wie erwartet, auf Ansage einbricht, dann fangen auch die Investoren wieder an zu kaufen. Ihr Eintritt ist das Wichtigste von allen.

Obwohl Goldinvestitionen in der Regel direkt und ohne Hebel getätigt werden, so kann die begrenzte “Feuerkraft“ der Gold-Futures-Spekulanten nicht gegen die riesigen Kapitalquellen der Investoren ankommen. Goldinvestitionen stechen daher Spekulationen mit Gold-Futures aus. Der letzte Chart zeigt den besten verfügbaren Proxy für Gold-Investments auf Tagesbasis - die Bestände des führenden Gold-ETF GLD SPDR Gold Shares. Wenn dessen Bestände steigen, kehrt das amerikanische Aktienmarktkapital zum Gold zurück.

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