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Klartext zu Aktien und Gold

24.12.2017  |  Manfred Gburek
Das Weihnachtsfest bietet den meisten Menschen eine gute Gelegenheit, nicht nur zu entspannen, sondern sich auch über den Tag hinaus Gedanken zu machen. Beispielsweise zu den Folgen technischer Umbrüche, wie wir sie gerade Branchen übergreifend mit der Digitalisierung erleben. Oder zur politischen und finanziellen Großwetterlage. Oder einfach nur zu den möglichen Gewinnern und Verlierern, wenn es um die Geldanlage geht.

Gedanken gehören zu einem vom Spekulanten André Kostolany ersonnenen G-Quartett, das sich aus ihnen, aus Geld, Geduld und Glück zusammensetzt. Also eine in nur vier Worte gefasste Grundlage der erfolgreichen Spekulation. Die eingangs beispielhaft genannten Anstöße dazu sind leider nicht ohne: Technische Umbrüche wie die Digitalisierung lassen sich nur unzureichend vorherbestimmen. Veränderungen in Großwetterlagen, bedingt durch politische und ökonomische Strömungen, noch weniger - siehe Trump-Wahlsieg, Brexit u.a. Und wie steht es um die Geldanlage? Nehmen wir sie näher unter die Lupe:

Sie sollte immer von der individuellen Situation und Planung ausgehen, nie von den Angeboten, die Banken und Sparkassen gerade bewerben, ohne dass sie zur Finanzplanung ihrer Kunden passen. Voraussetzung ist natürlich, dass man Geld hat oder es sich leiht - und viel Zeit investiert. Geduld ist gefragt, wenn man vorübergehend in die Verlustzone gerät, obwohl die - möglichst intensiven - vorherigen Recherchen eher Gewinne versprachen. Und Glück gehört halt wie immer im Leben dazu. Wobei man sich stets darüber im Klaren sein sollte, dass auch noch so große Anlageerfolge oft mehr dem Glück als den eigenen Gedanken zu zuzuschreiben sind.

Zur Geldanlage gehören grundsätzlich: eine auf die individuellen Belange abgestimmte Vermögensstruktur und -mischung sowie ein möglichst geschicktes Timing. Zusammengenommen läuft das auf geistige Schwerstarbeit hinaus. Aber ohne sie geht es nun mal nicht. Wobei ein Faktor besonders viel Kopfzerbrechen bereitet: die Abstimmung von Anlagezielen mit der Aufteilung des Vermögens und mit dem Timing. Jede Art von Geldanlage sollte nicht statisch sein, sondern als dynamischer Prozess verstanden werden.

Deutsche Anleger neigen vielfach zu Klumpenrisiken, etwa zu einem hohen Anteil an Immobilien oder Lebensversicherungen, seltener an Aktien oder Edelmetallen. Das kann ins Auge gehen, sobald sich die Lebensumstände ändern, zum Beispiel durch Ortswechsel, Verlust des Arbeitsplatzes oder zu geringe Vorsorge fürs Alter. Immobilien haben ihre beste Zeit erst mal hinter sich. Die mit ihnen zu erzielenden Renditen sind für Vermieter uninteressant geworden. Bestenfalls selbst genutzte, möglichst nur mit Eigenkapital finanzierte Objekte kommen noch infrage, sofern Lage und Infrastruktur stimmen.

Aktien sind in den vergangenen Jahren ähnlich wie Immobilien teuer geworden. Folglich erscheint es sinnvoll, mindestens einen Teil ihrer Kursgewinne mitzunehmen und als Liquiditätspolster vorzuhalten, um bei später rückläufigen Kursen auf Schnäppchenjagd zu gehen. Für Aktien gilt noch mehr als für andere Anlagen, dass sie einem dynamischen Prozess unterliegen, dass bei ihnen folglich das Timing eine besonders wichtige Rolle spielt. Es gibt indes auch Grundsätzliches zu beachten. Deshalb folgen dazu hier einige Gedanken über den Tag hinaus:

Streuung ist wichtig. Dafür reichen fünf bis zehn Aktien, zu denen man vor dem Kauf alle verfügbaren Informationen eingeholt haben sollte. Ein angenehmer Nebeneffekt der Streuung besteht darin, dass sie im Gegensatz zu einem Aktien-Klumpenrisiko Stress abzubauen hilft. Möglichst viele Kurse interessant erscheinender Aktien permanent zu verfolgen, zahlt sich allemal aus, weil man dadurch ein Gefühl für richtiges Timing entwickelt.

Schlechtes Timing senkt nicht nur die Gesamterträge aus Aktien, sondern bindet auch über längere Zeit Kapital. Aus diesem Grund sind Spontankäufe wie auch -verkäufe zu vermeiden. Aktienerträge bestehen in der Regel aus Kursgewinnen und Dividenden. Und zwar in dieser Reihenfolge, denn Kursgewinne können täglich realisiert werden, während Dividenden üblicherweise nur ein Mal jährlich anfallen.

Zum Abschluss dieses Kapitels seien noch zwei Börsenweisheiten erwähnt. Die erste lautet: Fange nie ein fallendes Messer. Das bedeutet: Eine Aktie, die sich im Sturzflug befindet, kann noch weiter fallen und im Extremfall den Totalverlust mit sich bringen. Klopfen Sie darauf aktuelle Kursentwicklungen ab, und Sie werden staunen, wie viele Aktien jetzt zum Sturzflug ansetzen.

Eine weitere Börsenweisheit stammt vom bereits zitierten André Kostolany: Aktien sind wie Schmerzensgeld, denn erst kommen die Schmerzen, dann das Geld. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass es gar nicht so einfach ist, einen hohen Kursgewinn laufen zu lassen, ohne nervös zu werden. Das heißt, die Zeit zwischen dem Kauf und dem Verkauf einer tollen Aktie kann während des Verlaufs ihres nicht immer geraden Kursanstiegs besonders bei nervösen Anlegern zwischenzeitlich erhebliche Zweifel wecken, also gewissermaßen gedankliche Schmerzen auslösen. Wer solche Phasen überwindet, gehört zu den Börsengewinnern.

Was ich hier über Aktien geschrieben habe, gilt im Prinzip auch für Gold und Silber - nur dass die Preise der beiden Edelmetalle selten über längere Zeit mit den Aktienkursen korrelieren. Das heißt, dass sie eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen. Konzentrieren wir uns hier aufs Gold, zumal der Preis des Silbers dem der Goldes im Trend folgt, wenn auch unter stärkeren Schwankungen. Gold ist gewissermaßen der Fels in der Schuldenbrandung.

Nun werden Sie sich wahrscheinlich fragen, was das für ein Fels sein soll, der mittlerweile seit mehr als sechs Jahren seiner Funktion, für Sicherheit zu sorgen, nur noch zeitweise gerecht geworden ist, etwa im ersten Halbjahr 2016. Denn Gold hat seit Herbst 2011 in den meisten großen Währungen unterm Strich an Wert verloren. Die plausibelste Antwort lautet: Die lange Wartezeit entspricht dem erwähnten Schmerzensgeld. Die ganze Finanzwelt weiß, dass unser Währungssystem längst marode geworden ist. Trotzdem wird der Wert des Goldes in längst von Schulden infizierten Währungen gemessen, vornehmlich in Dollar.

Von vielen Seiten werden Blasen heraufbeschworen: Immobilien-, Anleihen- und zuletzt Bitcoin-Blasen. Aber kaum jemand kommt auf die Idee, die Schuldenblase mal aus der umgekehrten Perspektive zu betrachten: als kolossale Wertminderung der Währungen. Insofern sollten alle Anleger, die viel Geld in Gold - und Silber - investiert haben, geduldig ausharren und das vorübergehende Schmerzensgeld in Kauf nehmen. Denn die Zeit arbeitet für diese Anleger. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen ein sorgenfreies und schönes Weihnachtsfest!


© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

Neu bei gburek.eu: Worüber nachzudenken sich lohnt



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