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Die Blockchain-Disruption: Geld, Bitcoin und digitalisiertes Goldgeld

02.01.2018  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
"Geld ist ein Tauschmittel. (…) Das ist die einzige Funktion des Geldes; es ist Tauschvermittler, allgemein gebräuchliches Tauschmittel, sonst nichts." - Ludwig von Mises (1940)


1. Einleitung

Das Wort Kryptowährungen ist in aller Munde. Aber noch sind die virtuellen, die Cyber-Einheiten keine Währungen im üblichen Sinne. Aktuell wäre es daher passender, von Kryptoeinheiten zu sprechen.

Nichtsdestotrotz führt uns das, was der Begriff Kryptowährungen zum Ausdruck bringt, auf die richtige Fährte: Das staatlich monopolisierte Geld, das Fiat-Geld, hat Konkurrenz bekommen, denn die Kryptoeinheiten wollen zum Geld aufsteigen.

Das klingt nicht nur revolutionär, das ist es auch: Das Aufkommen der Kryptoeinheiten fordert das staatliche Geldproduktionszwangsmonopol heraus, und es stellt letztlich auch den Staat (wie wir ihn heute kennen) in Frage. (2)

Ich will mich in diesem Referat darauf beschränken, uns grundlegende geldtheoretische Erkenntnisse vor Augen zu führen, die helfen können, die Entwicklungspotentiale der Kryptoeinheiten besser einschätzen zu können.


2. Grundsätzliches zum Geld

Lassen Sie uns mit der grundlegenden Frage beginnen: Was ist Geld? Sie lässt sich kurz und knapp beantworten: Geld ist das allgemein akzeptierte Tauschmittel. Geld ist das marktfähigste Gut, es lässt sich besonders einfach gegen andere Güter tauschen.

Was eignet sich als Geld? Damit "etwas" als Geld Verwendung finden kann, muss es bestimmte Eigenschaften haben. Es muss zum Beispiel knapp sein, homogen (von gleicher Art und Güte), haltbar, teilbar, prägbar, transportabel, allgemein wertgeschätzt sein, und es muss einen relativ hohen (Tausch-)Wert pro Einheit aufweisen.

Aus den verfügbaren Gütern haben die Menschen - wenn es ihnen freistand - in der Regel Edelmetalle (vor allem Gold und Silber) gewählt. Edelmetalle erfüllen in besonderem Maße die Anforderungen, die Menschen an gutes Geld stellen.

Welche Funktionen hat Geld? Geld hat eine, und nur eine Funktion: die Tauschmittelfunktion. Die Recheneinheits- und Wertaufbewahrungsfunktion sind lediglich Unterfunktionen der Tauschmittelfunktion des Geldes. (3)

Das führt uns zu einer wichtigen Einsicht. Wenn Geld nur eine Funktion hat - die Tauschmittelfunktion -, dann folgt daraus: Jede gerade verfügbare Geldmenge in einer Volkswirtschaft ist ausreichend, erfüllt die Gelddienste so gut wie jede andere Geldmenge.

Wird eine Gütermenge mit einer großen Geldmenge umgesetzt (zum Beispiel 10.000 Mrd. Euro), fallen die Güterpreise und die Umsätze hoch aus im Vergleich zu einer Situation, in der die verfügbare Geldmenge klein ist (zum Beispiel 5.000 Mrd. Euro).

Sie werden fragen: Braucht eine Volkswirtschaft nicht eine wachsende Geldmenge, damit sie prosperieren kann? Die Antwort lautet: Nein.4 Gesamtwirtschaftlich gesehen gibt es keinen Nutzen, wenn die Geldmenge steigt.

Eine Volkswirtschaft wird nicht reicher, wenn die Geldmenge zunimmt. Veränderungen der Geldmenge sind allerdings volkswirtschaftlich höchst bedeutsam - auf diesen Aspekt werde ich nachfolgend noch zurückkommen.

Gibt es so etwas wie (wert-)stabiles Geld? Also Geld, dessen Kaufkraft im Zeitablauf unverändert bleibt? Antwort: Nein, das ist (denk-)unmöglich. Menschen ändern ihre Ziele und Präferenzen fortwährend, bewerten Güter zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedlich. Das gilt auch für das Gut Geld. (5)

Wie jedes andere Gut auch kann Geld keinen unveränderlichen Wert beziehungsweise Tauschwert haben. Eine Geldpolitik, die den Geldwert (gemessen anhand eines Güterwarenkorbs) stabil halten will, wird notwendigerweise Störungen im Wirtschaftsablauf verursachen. (6)

Gibt es eine optimale Anzahl von Geld in einer Volkswirtschaft? Ja: Sie beträgt eins. Ist nur ein Geld im Umlauf, entfaltet das Geld seine größtmögliche Produktivität. (7)

Wenn alle mit demselben Geld rechnen und handeln, kann die Wirtschaftsrechnung bestmöglich funktionieren. Die Verwendung von mehr als einem Geld ist daher eine suboptimale Lösung (und die Idee einer Parallelwährung kann nicht überzeugen).

Nehmen wir einmal an, es gibt Geld A und Geld B. Sind beide gleich gutes Geld aus Sicht der Geldnachfrager, ist eines von beiden verzichtbar.

Ist hingegen Geld A besser als Geld B, so wird Geld A verwendet, und Geld B wird nicht nachgefragt und aus dem Markt gedrängt.

Könnte es sein, dass Geld A und B Seite an Seite verwendet werden, wenn man Handeln unter Unsicherheit unterstellt? (8) Wenn also die Marktakteure, weil sie sich nicht ganz sicher sind, ob Geld A oder B besser ist, sowohl Geld A als auch Geld B nachfragen?

Die Antwort ist nein. Auch unter Unsicherheit ist die Verwendung von einem Geld aus Sicht der Wirtschaftsrechnung optimal.

Es mag zwar durchaus Unsicherheit darüber bestehen, ob ein Geld seine Kaufkraft im Zeitablauf behalten wird; oder ob man es, wenn man es bei Banken hält, wiederbekommt (gemeint ist hier das Zahlungsausfall- und Kontrahentenrisiko).

Doch auf freien Märkten werden derartige Unsicherheiten in Verträgen abgegolten. Zum Beispiel enthalten Kreditkontrakte Zinssätze, die entsprechende Inflations- und Kreditprämien beinhalten. Oder die Geldnachfrager schließen bei Bedarf Inflations- und Zahlungsausfallversicherungen ab.


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