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Deutsche haben 2017 viel Gold gekauft

04.01.2018  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Ölpreise stiegen gestern um 2% und setzen ihren Höhenflug heute fort. Brent erreicht mit 68,3 USD je Barrel das höchste Niveau seit Mai 2015, ebenso WTI mit 62,2 USD je Barrel. Bei WTI fehlen bis zum 2015-er Hoch noch 40 US-Cents, bei Brent gut 1 USD.

Für den Preisanstieg lassen sich eine Reihe von Argumenten anführen. Zu nennen sind positive Konjunkturdaten aus Deutschland und den USA und das extrem kalte Wetter an der US-Ostküste. Dies führt zu einer steigenden Nachfrage nach Mitteldestillaten. Dadurch haben sich die Transportwege auf dem Atlantik zuletzt umgekehrt. Anstatt von den USA nach Europa wird Diesel und Heizöl derzeit von Europa in die USA geliefert.

Das API berichtete zudem einen Abbau der US-Rohölbestände in der letzten Woche um 5 Mio. Barrel. Dazu dürfte allerdings auch ein Steuereffekt beigetragen haben. Der gleichzeitige Anstieg der Lagerbestände von Ölprodukten spielte dagegen keine Rolle. Diese selektive Wahrnehmung lässt sich auch bei der Interpretation der Nachrichten aus dem Iran beobachten.

Meldungen, wonach die Unruhen keinen Einfluss auf die Ölproduktion hätten, wurden ignoriert. Meldungen über die Stationierung von Truppen der Revolutionsgarden in Unruhegebieten führten dagegen später zu einem Preisanstieg. Auch die weiterhin hohe Disziplin der OPEC dürfte den Preisanstieg begünstigt haben. Laut Bloomberg blieb die OPEC-Rohölproduktion im Dezember konstant bei 32,47 Mio. Barrel pro Tag. Die 12 an dem Kürzungsabkommen beteiligten Länder setzten die Kürzungen im Dezember unverändert zu 121% um.

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Edelmetalle

Gold ist gestern Abend nach Veröffentlichung des Protokolls der letzten Sitzung der US-Notenbank Fed unter Druck gekommen und hat etwa 10 USD nachgegeben. Heute Morgen handelt es bei 1.310 USD je Feinunze. Die Mitglieder im Offenmarktausschuss der Fed sprachen sich im Dezember mehrheitlich für eine Fortsetzung der graduellen Zinserhöhungen in den USA aus. Sie glauben weiterhin daran, dass sich der zunehmend einengende Arbeitsmarkt in einem steigenden Lohndruck und damit auf mittlere Sicht in einer höheren Inflation niederschlagen wird.

Wie die Vergangenheit gezeigt hat, müssen Zinserhöhungen nicht negativ für den Goldpreis sein. Insbesondere die niedrigen Realzinsen sprechen unseres Erachtens für höhere Goldpreise. Unterdessen hat die Deutsche Börse gestern mitgeteilt, dass die Deutschen im letzten Jahr viel Gold gekauft haben. Die Goldbestände der Deutschen Börse sind innerhalb eines Jahres um fast 50% auf 175 Tonnen gestiegen. Die Deutsche Börse hinterlegt die Anteile des Xetra-Gold-ETCs mit physischem Gold (für jeden Anteilsschein 1 Gramm).

Vor allem institutionelle Investoren haben laut Aussagen der Deutschen Börse viele Anteile gekauft. Daneben steigt demnach aber auch das Interesse seitens Privatanleger und Vermögensverwalter. Stark erholt hat sich die Goldnachfrage im letzten Jahr in Indien. Die Goldimporte sind gemäß Daten von Thomson Reuters GFMS 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 67% auf 855 Tonnen gestiegen. Die Schmuckhändler hatten vor allem in der ersten Jahreshälfte ihre Lagerbestände wieder aufgefüllt und eine gute Monsunsaison trug zu einer hohen Goldnachfrage der ländlichen Bevölkerung bei.


Industriemetalle

Die Metallpreise profitierten gestern zunächst nicht vom anhaltend hohen Risikoappetit der Marktteilnehmer, der sich einmal mehr in steigenden Aktienmärkten widerspiegelte. Auch der starke ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe gab erstmal keinen Auftrieb, da damit einhergehend der US-Dollar aufwertete. Der ISM-Index hat sich im Dezember vom Rückgang zuvor deutlich erholt und ist auf 59,7 gestiegen. Die Stärke der US-Industrie wird unseres Erachtens aber überzeichnet, da in den guten Dezember-Wert die Erwartungen der Steuersenkungen eingeflossen sein dürften. Heute Morgen legen die Metallpreise mehrheitlich moderat zu.

Kupfer steigt um 1% auf über 7.200 USD je Tonne. Es wird unterstützt durch einen Bericht, wonach China aus Umweltschutzgründen angeblich die Importquoten für Kupferschrott für 2018 drastisch gesenkt hat. In den ersten elf Monaten 2017 hatte China Daten der Zollbehörde zufolge 3,29 Mio. Tonnen Kupferschrott importiert, 9,3% mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Zuvor waren die Einfuhren allerdings vier Jahre in Folge gefallen.

Wie schon die CFTC-Statistik gezeigt hat (siehe TagesInfo Rohstoffe vom 2. Januar), war der Anstieg der Metallpreise in der zweiten Dezemberhälfte stark spekulativ getrieben. Die LME meldete für die Woche zum 29. Dezember bei fast allen Metallen starke Anstiege der Netto-Long-Positionen der spekulativen Finanzinvestoren. Im Falle von Kupfer liegen sie nun wieder auf dem höchsten Stand seit fast vier Monaten, im Falle von Aluminium auf dem höchsten Wert seit knapp drei Monaten.


Agrarrohstoffe

Die extreme Kältewelle in den USA hat auch die Agrarmärkte im Griff. Der Preis für Weizen an der CBOT stieg gestern auf ein Monatshoch von 437 US-Cents je Scheffel. Auch wenn es vor dem Hintergrund der Bilder von eingeschneiten Orten kaum vorstellbar ist, soll es im Mittleren Westen der USA auch Gegenden geben, wo nur wenig Schnee liegt.

Betroffen hiervon sind insbesondere der wichtigste Winterweizenanbaustaat Kansas, dazu auch Teile von Oklahoma und Colorado. In diesen Gegenden könnten die niedrigen Temperaturen zu Frostschäden bei den in der Winterruhe befindlichen Pflanzen und entsprechenden Ertragseinbußen führen. Der Agrarwetterdienst MDA sieht rund ein Viertel der Anbaufläche in den Central Plains von Frostschäden betroffen.

Laut US-Landwirtschaftsministerium befinden sich 37% der Winterweizenpflanzen in Kansas in gutem bzw. sehr gutem Zustand. Ende November waren es noch 51%. Für eine abschließende Betrachtung ist es freilich noch zu früh. Erinnert sei an die Dürre in den US-Sommerweizengebieten im Frühsommer letzten Jahres. Auch damals wurde von erheblichen Ertragseinbußen ausgegangen, die sich später allerdings nicht materialisierten. Entsprechend erwies sich der Preisanstieg als kurzlebig. Verglichen mit dem Preissprung vor sieben Monaten ist der aktuelle Preisanstieg auch nur verhalten. Damals verteuerte sich Weizen an der CBOT binnen drei Wochen um knapp 30%.



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