Wir verwenden Cookies, um Ihnen eine optimale Funktion der Webseite zu ermöglichen. Wenn Sie weitersurfen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Mehr erfahren
In Ihrem Webbrowser ist JavaScript deaktiviert. Um alle Funktionen dieser Website nutzen zu können, muss JavaScript aktiviert sein.
Suche
 

Der Gipfel der Realitätsverweigerung: Wie wir blauäugig auf den Crash zusteuern

30.01.2018  |  Chris Martenson
- Seite 4 -
Open in new window

Im obenstehenden Chart zeigt die gestrichelte grüne Linie das Bruttoweltprodukt an, während die gestrichelte blaue Linie deutlich macht, wie sich die Gesamtverschuldung entwickelt. (Nicht berücksichtigt sind in diesem Chart unzureichend finanzierte Zahlungsverpflichtungen wie z. B. künftige Renten und Sozialleistungen. Hätten wir diese Posten mit einkalkuliert, wäre der Schuldenstand etwa viermal höher.)

Wir können auf den ersten Blick erkennen, dass die Kreditmenge schneller gestiegen ist als die globale Wirtschaftsleistung - eine unmögliche, nicht dauerhaft tragbare Situation, die schon aus Gründen der Mathematik in Tränen enden muss. Dennoch tun alle so, als könnten wir ewig so weitermachen, ohne dass es Konsequenzen haben wird. Jedes Grundschulkind kann erkennen, dass hier ein mathematischer Widerspruch besteht. Es ist schlicht nicht möglich, dass unsere Schulden auf ewig schneller steigen als unsere Einnahmen. Um an die aktuellen Bewertungen der Aktien und an die Fortsetzung des Aufwärtstrends der Finanzmärkte zu glauben, müssen Sie also auch an eine unendlich große Welt glauben.


5. Die Geschichte spielt keine Rolle

Jedes Mal in der Geschichte der Menschheit, wenn die Vermögensforderungen das echte Vermögen bei Weitem überstiegen, haben die Forderungen eines Tages ihren Wert verloren. Das war für den Großteil der Menschen meist eine sehr schmerzliche Erfahrung. Ganze Weltkriege wurden dadurch ausgelöst, ebenso wie dunkle Zeiten wirtschaftlicher Misere.

Das Modell der Zentralbanken basiert in seinem Kern auf endlosem Wachstum - auf einem endlichen Planeten. Es praktisch unmöglich, die zahllosen ökologischen Warnsignale zu ignorieren, die grellrot aufleuchten und zeigen, dass weiteres exponentielles Wachstum genau das ist, was wir an diesem Punkt unserer Geschichte nicht brauchen. Das Verschwinden der Insekten, die Korallenbleiche, die Erosion der Mutterböden, die sinkende Zahl von praktisch allem, von den menschlichen Spermien bis hin zum Phytoplankton im Ozean, und die rapide abnehmenden Zugvogelbestände deuten alle auf das Gleiche hin: Das alte Wirtschaftsmodell des grenzenlosen Wachstum zerstört sich mittlerweile selbst.

Wir jedoch sollen glauben, dass die Lehren aus der Geschichte und die wissenschaftlichen Daten auf unsere heutige, einzigartige Situation nicht zutreffen. Unsere Zeit ist etwas ganz Besonderes, sie ist magisch. Dieses Mal ist alles ganz anders... Nein. Das ist es nie.


6. Sie wissen, was sie tun

Ein zentrales Thema des dominanten Narrativs unserer Zeit ist das Vertrauen in die Obrigkeit. Unsere Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik haben alles unter Kontrolle.

Nun, nachdem wir den Zentralbanken jahrzehntelang dabei zugesehen haben, wie sie einen Fehler nach dem anderen machten, kann ich heute keineswegs glauben, dass sie plötzlich alles richtig machen. Die Notenbanker behaupten bekanntermaßen, dass sie Finanzblasen bereits im Vorhinein erkennen können und sie sind davon überzeugt, dass derzeit keine Blasen existieren. Natürlich haben 2007, kurz bevor die Immobilienblase platzte, genau das Gleiche gesagt.

Aber heute, während sie auf globaler Ebene eine massive Ausweitung der Geldmenge durchführen, deren Ausmaß niemand für möglich gehalten hätte, sollen wir glauben, dass sie plötzlich alles korrekt vorhersehen und alles unter Kontrolle haben? Ja, klar... Die Zinssätze waren noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit so niedrig. Wir haben also kein historisches Beispiel, an dem wir uns orientieren können. Aber keine Sorge, die Notenbanker werden diesmal genau das Richtige tun.

Darüber hinaus können die negativen Realzinsen, die wir heute beobachten und von denen Assets in Billionenhöhe betroffen sind, mittlerweile kaum noch als rein monetäres Experiment bezeichnet werden. Es handelt sich vielmehr um Social Engineering. Der Preis des Geldes ist ein äußerst wichtiges gesellschaftliches Signal. Was bedeutet es, wenn Geld einen negativen Preis hat? Wenn man dafür bezahlen muss, dass man sein Geld verleihen darf, hat das unabsehbare Auswirkungen auf die Entscheidungen von Unternehmen, Banken und Privatpersonen. Konnte denn irgendjemand wirklich zuverlässig vorhersagen, welche Folgen das haben würde?

Die Ergebnisse des Experiments liegen mittlerweile seit mehreren Jahren vor. Statt die Ausgaben anzukurbeln, wie die Bank of Japan vermutet hatte, haben die Negativzinsen zu höheren Sparraten geführt. Statt die Unternehmensinvestitionen zu erhöhen, wie die EZB geglaubt hatte, hatten die Negativzinsen zur Folge, dass die Unternehmen mehr Kredite aufnehmen, um damit Aktienrückkäufe und andere Finanztricks zu finanzieren.

Ich will den Zentralbanken nicht vorwerfen, dass sie etwas Neues ausprobiert haben. Aber ich werfe ihnen vor, dass sie ihre Strategie nicht angepasst haben, als deren nachteilige und unbeabsichtigte Folgen offensichtlich wurden. Wie lange sollen wir den Zentralbanken noch erlauben, so weiterzumachen wie bisher? Die damit verbundenen Risiken werden immer größer. Wie gesagt - ich kann einfach nicht mehr glauben, dass die Notenbanker wirklich wissen, was sie da tun.

Natürlich ist es möglich, dass ich mit meiner Einschätzung der Situation völlig falsch liege. Wenn das so ist, dann ist es dieses Mal wirklich anders, dann ist es möglich Wohlstand zu drucken, dann spielen die Fundamentaldaten tatsächlich keine Rolle, dann ist unsere Erde wirklich unendlich, und dann wissen die Zentralbanken ganz genau, was sie tun. Wenn ich unrecht haben sollte, werde ich all meine Daten und Annahmen gründlich überprüfen, um herauszufinden, wo die Fehler liegen und mich öffentlich für sie entschuldigen. Und dann werde ich jede Menge Long-Positionen eröffnen.

Sollte ich allerdings recht behalten - und es wäre mir wirklich lieber, ich läge falsch - dann steht ein furchtbarer Marktkollaps kurz bevor, der in Kriegen, dem Zusammenbruch der Ökosysteme oder einem finanziellen Armageddon enden könnte - oder allen drei Szenarien auf einmal.


© Chris Martenson
Peak Prosperity


Der Artikel wurde am 18. Januar 2018 auf www.PeakProsperity.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.



Bewerten 
A A A
PDF Versenden Drucken

Für den Inhalt des Beitrages ist allein der Autor verantwortlich bzw. die aufgeführte Quelle. Bild- oder Filmrechte liegen beim Autor/Quelle bzw. bei der vom ihm benannten Quelle. Bei Übersetzungen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der vertretene Standpunkt eines Autors spiegelt generell nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers wieder. Mittels der Veröffentlichung will dieser lediglich ein pluralistisches Meinungsbild darstellen. Direkte oder indirekte Aussagen in einem Beitrag stellen keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren dar. Wir wehren uns gegen jede Form von Hass, Diskriminierung und Verletzung der Menschenwürde. Beachten Sie bitte auch unsere AGB/Disclaimer!





"Wir weisen Sie ausdrücklich auf unser virtuelles Hausrecht hin!"

Alle Angaben ohne Gewähr! Copyright © by GoldSeiten.de 1999-2018.
Die Reproduktion, Modifikation oder Verwendung der Inhalte ganz oder teilweise ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt!