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Sollten wir den Goldstandard wiederherstellen?

13.03.2018  |  John Paul Koning
Wäre es sinnvoll, wieder einen internationalen Goldstandard zu etablieren, wie es ihn Ende des 19. Jahrhunderts gab? Larry White meint, dass diese Idee etwas für sich hat, David Glasner glaubt dagegen, dass das Risiko nicht lohnt. Seit Jahren verfolge ich das Hin und Her in der Argumentation der beiden bloggenden Ökonomen, die ihren jeweiligen Standpunkt für und gegen den Goldstandard jeweils sehr gut verteidigt haben. Sehen wir uns ein oder zwei der wichtigsten Punkte an, die in der Debatte zwischen White und Glasner zur Sprache kommen.

So wie ein Lineal Entfernungen misst, dient der Währungsstandard eines Staates als Maßstab für den Wert von Gütern und Dienstleistungen. Er muss die Menschen befähigen Preisschilder zu schreiben, Gewinne und Verluste zu berechnen, Arbeitsverträge auszuhandeln und langfristige Kreditbedingungen festzulegen. Wenn der Maßstab fehlerhaft ist, werden all diese wichtigen Aufgaben unnötig erschwert.


Gold als Recheneinheit

Seit 1971 ist eine ungedeckte Papierwährung bzw. ein Fiatwährungsstandard unser Maßstab für monetäre Angelegenheiten. Die Zentralbanken versuchen sicherzustellen, dass das allgemeine Verbraucherpreisniveau innerhalb der Grenzen ihres Zuständigkeitsbereichs stabil bleibt, oder dass der Anstieg zumindest konstant und auf 2-3% begrenzt bleibt. Zwar war das erste Jahrzehnt des Fiatstandards ein einziges Desaster und von hohen, steigenden Inflationsraten geprägt. Doch in den letzten rund 30 Jahren ist es den Zentralbankern der Industrienationen im Allgemeinen gelungen, die Inflation auf Kurs zu halten.

Um einen Goldstandard wiederherzustellen, müssten die Währungen aller Länder - der US-Dollar, der Yen, das britische Pfund usw. - als fixe Anzahl von Goldunzen neu definiert werden. Banknoten und Zentralbankeinlagen, die derzeit nicht gegen einen zugrundeliegenden Vermögenswert eingetauscht werden können, wären wieder gegen eine angemessene Goldmenge einlösbar. Es ist dabei entscheidend, dass alle Staaten zum Goldstandard zurückkehren, nicht nur einer. Einer der großen Vorteile des Goldstandards besteht darin, dass Berechnungen, die die Währung eines anderen Landes umfassen, viel einfacher sind, wenn alle Währungen an Gold gekoppelt sind. Das würde den internationalen Handel und grenzüberschreitende Investitionen deutlich erleichtern.

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Sollte es möglich sein, Banknoten und elektronisches Fiatgeld gegen Gold einzutauschen?


Für den Goldstandard: Larry White

Wie gut haben uns die beiden verschiedenen Währungsstandards bislang als Maßstäbe gedient? Der folgende Chart zeigt, dass die jährlichen Änderungen des Verbraucherpreisniveaus in den Vereinigten Staaten zur Zeit des klassischen Goldstandards sehr unterschiedlich ausfielen. In manchen Jahren stiegen die Preise, in anderen sanken sie. Der Chart stammt aus einem Paper, das White gemeinsam mit George Selgin und William Lestrapes verfasst hat.

Die klassische Periode des Goldstandards, deren Daten die Autoren in der Studie auswerten, dauerte von 1880 - als die bedeutendsten Staaten den Wert ihrer jeweiligen Währungen noch überwiegend mit Hilfe von Gold definierten - bis 1914, als der Goldstandard am Vorabend des Ersten Weltkriegs aufgegeben wurde. Die Daten zeigen, dass der seit 1971 herrschende Fiatstandard zu besser vorhersehbaren Schwankungen des Preisniveaus führt. In den Industrienationen können die Bürger heutzutage mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass die Preise auch im nächsten Jahr wieder um 2-3% steigen werden.

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Vierteljährliche US-Inflationsrate, 1875 bis 2010


Langfristig ist Gold jedoch der bessere Maßstab. Im nächsten Chart zeigen die Autoren, dass sich das vierteljährliche Preisniveau im Rahmen des Goldstandards meist viel weniger von seinem 6-Jahres-Durchschnitt unterschied als während der Fiat-Ära. Da das allgemeine Preisniveau bei einem Goldstandard auch auf lange Sicht besser vorhersehbar war, hatten diejenigen, die langfristige Kreditvereinbarungen abschließen mussten, eine bessere Vorstellung davon, wo die Preise in zehn oder zwanzig Jahren liegen würden. Diese Sicherheit fehlt beim Fiatstandard.

White merkt an, dass das der Grund dafür sein könnte, warum Anleihen mit einer Laufzeit von 100 Jahren im 19. Jahrhundert gang und gäbe waren, während das heute nicht mehr der Fall ist.

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6-jährige gleitende Standardabweichung des vierteljährlichen Preisniveaus in den USA



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