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Also doch keine Manipulation?

24.02.2018  |  Theodore Butler
Auf der nie enden wollenden Suche, eigene Ergebnisse zu verifizieren oder zu widerlegen, möchte ich heute, dass Sie etwas ganz anderes in Betracht ziehen. Ich werde Sie bitten, meine hochspezifischen Anschuldigungen wegen Rechtsbruch an den Silber- und Goldmärkten, in deren Zentrum meist JP Morgan steht, beiseite zu lassen und sich stattdessen auf die Frage zu konzentrieren, ob meine Anschuldigungen tatsächlich falsch sind oder sogar unwichtig sein könnten.

Obwohl meine Anschuldigungen auf veröffentlichten Daten der CFTC und der CME Group basieren, würde ich Sie bitten, diese beiseite zu lassen und in Erwägung zu ziehen, dass ich mit Blick auf die Silber-(und Gold-)-Kursmanipulation einen Elefanten aus einer Mücke gemacht habe.

Um herauszufinden, ob irgendetwas falsch läuft am Silbermarkt, macht man am besten ein kontrolliertes Experiment. Das heißt, man entfernt das betreffende Wort aus der Gleichung (wobei auch die Erwähnung von JP Morgan unterbleibt) und ersetzt es stattdessen durch irgendeinen anderen Rohstoff (bzw. durch irgendeine Entität).

Mit anderen Worten: Wäre all das, was beim Silber passiert, nun empörend und offenkundig illegal oder eben gar kein großes Ding, wenn es nur bei irgendeinem anderen Rohstoff passierte? Ich werde Ihnen die Fakten präsentieren und Sie werden entscheiden.

Nehmen Sie jetzt irgendeinen Rohstoff mit einem aktiven Terminderivatemarkt, irgendeinen, der Ihnen gerade einfällt und setzen Sie dort all jene Fakten ein, die es bekanntermaßen in den vergangenen 10 Jahren am Silbermarkt gegeben hat. Ganz gleich welcher Rohstoff - Mais, Kupfer, Rohöl, ohne Ausnahme. Jetzt setzen wir ein, was uns wissentlich als Faktenlage beim Silber bekannt ist.

Aus den Daten der COT-Berichte wissen wir erstens, dass eine einzige große Entität eine dauerhaft große und konzentrierte Short-Position beim COMEX-Silber etabliert hat - größer, in Relation zur tatsächlichen globalen Produktion, als bei jedem anderen Rohstoff.

Wir wissen darüber hinaus, dass diese große Entität zehn Jahre lang immer der größte Leerverkäufer an der COMEX-Silberterminbörse gewesen ist und noch nie unterm Strich long war.

Als nächstes wissen wir Folgendes aus den COT-Daten: Obwohl dieser einmalig große und konzentrierte Leerverkäufer immer netto-short geblieben ist, so hat sich seine Short-Position über die Jahre regelmäßig ausgeweitet oder verkleinert, aber nie - und das ist wichtig - hat dieser Verkäufer Geld verloren, als er COMEX-Short-Terminkontrakte aufstockte oder glattstellte. Niemals einen Verlust, immer nur Gewinne - ein verblüffend perfektes Trading-Zeugnis. Feststellen ließ sich dies, anhand der beobachteten Veränderungen bei der konzentrierten Short-Position dieser größten leerverkaufenden Entität.

Schließlich wissen wir auch noch - und zwar aus denselben Stammdaten, die im COT-Report genutzt aber separat im Bank Participation Report veröffentlicht werden -, dass der dominante Leerverkäufer am COMEX-Silbermarkt eine große US-Bank ist. Obgleich diese Tatsache an sich nicht unbedingt relevant wäre für die Frage, ob Manipulation existiert oder nicht, so hilft sie doch, andere Fakten einzubinden.

Jetzt sollten Sie sich irgendeinen anderen global relevanten Rohstoff vorstellen, bei dem es einen einzigen entschlossenen und dominanten Terminmarkt-Leerverkäufer gegeben hat, der konstant über ein Jahrzehnt hinweg short war und gleichzeitig auf perfekte Trading-Ergebnisse verweisen kann - also nie Verlust machte und bislang nur auf Gewinne aus Leerverkaufsgeschäften verweisen kann.

Wären Sie nicht zumindest ein klein wenig argwöhnisch, dass hier irgendetwas nicht stimmen könnte oder der Markt manipuliert wäre? Oder würde Sie die Existenz eines solchen großen Einzel-Traders (unterm Strich immer short und niemals long 10 Jahre lang in Folge) z.B. bei Mais, Kupfer, Rohöl oder jedem anderen Rohstoff gar nicht weiter stören?

Bevor Sie darüber nachdenken, möchte ich noch ein paar dazugehörige Fakten einfügen. Was, wenn Sie erfahren würden, dass derselbe dominante Einzel-Leerverkäufer am Terminmarkt zudem noch die letzten sieben Jahre (neben aller Trading-Perfektion als größter Short-Seller) damit verbracht hat, einen massiven physischen Vorrat desselben Rohstoffs anzuhäufen? Das müssen Sie sich vorstellen: Genau jener Papiermarkt-Beherrscher hat es ebenfalls geschafft, den historisch größten physischen Vorrat desselben Rohstoffs zu akquirieren!

Würde Ihnen dabei nicht der Gedanke durch den Kopf gehen, dass jene große Entität diesen Rohstoffmarkt unter der Hand irgendwie ausnimmt, da sie nicht nur das erste perfekte Trading-Zeugnis der Geschichte vorweisen kann, sondern zugleich auch das insgesamt niedrige Preisniveau nutzt, das durch die eigenen Leerverkäufe erzeugt wurde, um an möglichst große Mengen vom gleichen Rohstoff, bloß in anderer Form, zu kommen?

Klänge das nicht nach der perfekten Rohstoffpreismanipulation? Wobei der Manipulator die Hände auf beiden Seiten im Spiel hat - sprich, den Markt auf der Papierseite ausnehmen und dann die eigene Kursmacht nutzen, um auf der physischen Seite massenhaft zu niedriggehaltenen Preisen einzukaufen?

Doch halt, das war es noch nicht. Was, wenn ich Ihnen noch sagte, dass es eine Bundesaufsichtsbehörde als auch eine sich selbst regulierende Entität gäbe (in Form der CFTC und der CME Group), die speziell den Hauptauftrag bekommen hätten, solche eben geschilderten Vorhaben zu verhindern?

Keine dieser Aufsichtsinstitutionen hat in den letzten 10 Jahren irgendetwas dazu gesagt, obgleich die CFTC 2013 eine formale, fünfjährige Untersuchung zur Silbermanipulation abschloss, welche, vorsichtig formuliert, ergebnislos war.

Oh, und die Finanzinstitution, die als der große Silbermanipulator identifiziert wurde (JP Morgan), hat kein Sterbenswörtchen dazu gesagt, dass man sie öffentlich des kriminellen Rechtsbruchs beschuldigt. In aller Regel sind Finanzinstitutionen daran interessiert, im besten Ruf zu bleiben und sofort zu reagieren, wenn irgendein Problem diesem Interesse zuwiderläuft. Anders bei JP Morgan und dem Silbermarkt.

Also, Sie treffen die Entscheidung. Wenn die Fakten, die bekanntermaßen am Silbermarkt existieren, auch auf irgendeinen anderen Rohstoffmarkt zuträfen, würde das Ihrer Meinung nach den Tatbestand der Manipulation erfüllen? Oder wäre die Faktenlage hinreichend genug, dass sich die CFTC, die CME und JP Morgan zumindest gezwungen sehen müssten, einen Erklärungsversuch abzugeben, warum am Silbermarkt keine Manipulation existieren sollte, angesichts der verifizierbaren Fakten?

Vielleicht denken Sie ja an all das, wenn jemand das nächste Mal erklärt, dass es keine Manipulation am Silbermarkt gäbe oder, noch besser, dass alle Märkte manipuliert seien, weshalb es völlig egal ist. Fragen Sie einfach, welcher Markt über einen größten Papierleerverkäufer verfügt, der zufälligerweise auch noch der größte physische Käufer desselben Rohstoffs ist.


© Theodore Butler
www.butlerresearch.com



(Diese Abhandlung wurde vom Silberanalysten Theodore Butler, einem unabhängigen Berater, verfasst. Investment Rarities teilt seine Ansichten nicht notwendigerweise, diese können sich als richtig oder falsch herausstellen.) Exklusiv übersetzt für GoldSeiten.de. Das Original wurde am 15.02.2018 auf der Website www.silverseek.com veröffentlicht.


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