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Fallende Weltreiche und ihre Währungen

21.12.2006  |  Rolf Nef
Fallende Weltreiche und ihre Währungen: Rom, Frankreich, England und die USA, einer nach dem andern, schön der Reihe nach.

Wenn Weltreiche fallen, fallen zuerst ihre Währungen. Noch deutlicher ist dies sichtbar an ihren Schulden, weil die Reiche meist auf Kredit erkämpft wurden. Aber jeder Fall ist einer für sich, trotzdem ist das Gemeinsame, dass ihre Währungen massiv an Wert zerfallen. Lassen Sie mich Fall für Fall durchgehen, angefangen mit den Römern:

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Rom

Die Grafik zeigt den Silbergehalt römischer Münzen von 50 n.Chr. bis 268 n.Chr.. Das römische Reich existierte aber von 400 v.Chr. bis 400 n.Chr.. Seine Geschichte ist die Geschichte von physischer Expansion, wie die fast aller Reiche. Die Expansion fand militärisch statt, mit einem Heer bestehend aus Bürger-Soldaten, bezahlt in Silbermünzen und Ländereien der eroberten Gebiete. Wenn das Geld fehlt in der Staatskasse für einen neuen Feldzug, streckte man das vorhandene Silber mit billigeren, vorhandenen Metallen und prägte neue Münzen für die Bezahlung des Heeres. Es gibt sicher Leser, die viel mehr darüber wissen, was aber nichts an der Grafik ändert, dass römische Münzen immer weniger Silber enthielten und deshalb immer weniger Wert hatten.


Frankreich

Der zweite Fall betrifft Frankreich zur Zeit der Bourbonen.

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Grafik 2 zeigt den Wert der französischen Währung von 1600 bis 1800, ihrem völligen Zerfall bis zur völligen Wertlosigkeit. Die Könige führten Kriege um Ländereien in Übersee (Amerika, Afrika) natürlich mit Kredit finanziert, wie sonst. Teuer zu stehen kam vor allem der sieben jährige Krieg 1653, bei dem sie den ganzen Mittleren Westen der heutigen USA an die Engländer verloren. Das Land und seine Erträge waren weg, die Schulden blieben und die Zinsen darauf ebenso. 1781 betrugen die Zinskosten 24% des Steueraufkommens, 1790 95%. Wohlgemerkt: Nur der dritte Stand bezahlte Steuern, nicht aber der Adel und der Klerus, die hielten die Zinspapiere. Wen wundert’s: Die Revolution brach aus. Der Adel wurde an die Pariser Laternen gehängt, die Kirche enteignet, der König enthauptet.


England

Die Engländer waren nur die vermeintlichen Gewinner. Die napoleonischen Kriege und der Verlust der amerikanischen Kolonien (die ungezogenen Kerle wollten dem König in England keine Steuern abliefern für seine Kriege) trieben die Staatschulden auf ungeahnte Höhen.

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Die bessere Finanzierungstechnik (ewig laufende Obligationen, die sog. Consols) der Bank of England, die 1694 einzig zum Zweck der Kriegsfinanzierung von Heinrich dem III und seinen Amsterdamer Geschäftskollegen auf privater Basis gegründet wurde, rette vorläufig das Reich. Das große Glück Englands war die industrielle Revolution, die das wirtschaftliche Wachstum brachte und die Staatsschuld im Verhältnis dazu massiv sinken ließ. Frankreich war nach Waterloo militärisch ungefährlich und andere Feinde nicht in Sicht.

Das 19. Jahrhundert verbrachte die englische Oberschicht mit dem Ausgeben ihrer Beuten und Plünderungen. Hier in der Schweiz galten sie als Gentleman, denn zu viel Geld kam man hierzulande damals nur über viel Arbeit. Frankreich blieb der potentielle Feind und als Bismarck 1871 zum Krieg gegen den westlichen Nachbarn blies, wurde das in London gerne gesehen. Die Geburt Deutschlands war aber nicht nur die Geburt eines neuen Landes, sondern eines wirtschaftlichen Kolosses, während England um diese Zeit in einem Kondratieff-Winter in eine wirtschaftliche Depression fiel. Deutschland war in einem Kondratieff-Frühling mit neuen Erfindungen wie dem Diesel-, Benzin- und Elektromotor (Diesel, Otto und Siemens) und bald produzierte Deutschland auch mehr Stahl als England. Dass der neue Energieträger Öl auch für Schiffsmotoren eingesetzt werden konnte und diese schneller machte als die mit Kohle beheizten, machte die englische Adminiralität stutzig.

Als dann auf Initiative von Siemens und der Deutschen Bank eine Bahnlinie durch Österreich-Ungarn, Serbien und das ottomanische Reich nach Bagdad gebaut wurde, um unter Umgehung der englisch beherrschten Seewege an die dortigen Ölquellen zu kommen, gab’s Alarm in Whitehall. Und als schließlich Bismarck, der umsichtig eine Gleichgewichtspolitik der europäischen Mächte betrieb, vom Kaiser 1890 abgesetzt wurde und Deutschland Kolonien zu erwerben begann, fiel wohl der endgültige Beschluss der englischen Elite, den Deutschen den Öl-Stecker zu ziehen und die eigene Leitung anzuschließen.




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