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“Bankrott ‘95“ erneut auf dem Prüfstand

23.03.2018  |  James Turk
1992 eroberte das Buch “Bankruptcy 1995: The Coming Collapse of America and How to Stop It” die US-Nation im Sturm (Deutsche Übersetzung “Bankrott ‘95“, Anm. d. Red.). Die Autoren, Harry Figgie (ein bekannter Geschäftsmann, der ein Fortune 500-Unternehmen aufgebaut hatte) und Gerald Swanson (ein Wirtschaftsprofessor spezialisiert auf öffentliche Finanzen) prognostizierten der US-Bundesregierung für das Jahr 1995 einen Bankrott und die Zahlungsunfähigkeit.

Zur Zahlungsunfähigkeit sollte es im Rahmen eines Währungszusammenbruchs kommen (i). Zwar würde jeder Gläubiger des Staates exakt die zuvor verliehene Dollar-Summe zurückerhalten, allerdings hätten diese Dollars auch deutlich weniger Kaufkraft. (ii) Wenn sie denn überhaupt noch Kaufkraft hätten - also wertlos wären. Da in US $ denominiert, würden die Schuldeninstrumente des US-Finanzministeriums über kaum bis keinen Wert mehr verfügen; die Hyperinflation hätte dann schon die Kaufkraft des Dollars dezimiert.

Dazu ist es ganz offensichtlich nicht gekommen. Obgleich der Dollar im weiteren Verlauf teils heftigste Schwächeanfälle erlebte und seine Kaufkraft nach wie vor erodiert, konnte er überleben. Man sollte allerdings nicht außer Acht lassen, zu welchem Fazit das Buch kommt.


Zwei Grundannahmen hinter “Bankrott '95“

Die Logik der Autorenanalyse war einwandfrei, allerdings basierte sie auf zwei Grundannahmen, von denen sich eine als falsch herausstellte. Die erste Annahme schloss korrekt auf einen andauernden Anstieg der US-Staatsverschuldung, was zu der Zeit, als das Buch verfasst wurde, schon seit 1969 die Regel gewesen war.

Die inkorrekte Annahme war, dass die Zinssätze hoch bleiben und sogar noch steigen würden. Der Grund für die erwartete Zinsentwicklung war die wachsende Schuldenlast der US-Bundesregierung. Die Autoren gingen logischerweise davon aus, dass die Kreditgeber höhere Zinsen fordern würden, um sich für das Ausfallrisiko entschädigen zu lassen, welches als direkte Folge steigender Schuldenlasten ebenfalls wuchs.

Was die Autoren jedoch nicht voraussahen, was die Tatsache, dass die Federal Reserve die Zinssätze auf unnatürlich niedrige Stände treiben würde. Sie erwarteten nicht - wie auch niemand sonst -, dass eine Zeit der, wie wir es heute nennen, "Finanzrepression" anstehen würde. Das Drücken der Zinssätze war dabei nur ein Teil der Repression.

Zudem musste die Bundesregierung auch alle Staatsschuldenkäufer überzeugen, dass jeder einen fairen Deal bekam. Mit anderen Worten: Die Bundesregierung musste nicht nur die Zinssätze senken, sie musste auch dafür sorgen, dass die Inflationsraten viel niedriger aussahen. (iii) Auf diese Weise würden die realen Zinssätze - Nominalzins minus angebliche Inflationsraten - dem Gläubiger einen positiven Gewinn auf dem Papier ausweisen. Wenn Kreditgeber ihre Dollars verleihen, erwarten sie natürlich im Gegenzug einen Zuwachs ihrer eigenen Kaufkraft. Dieser soll sie für das Risiko ihres Dollareinsatzes entschädigen, während sie bis auf weiteres auf diese Kaufkraft verzichten.

Natürlich wäre es eine Herkulesaufgabe gewesen, die Gläubiger (oder vielmehr den “Markt“) davon zu überzeugen, dass die Inflation gar nicht so schlimm sei, wie es die Menschen bei ihren Einkäufen täglich erlebten. Sie musste aber in Angriff genommen werden, um den veranschlagten Bankrott von ’95 und den Währungskollaps aufzuschieben.

Also bildete die Bundesregierung ein beratendes Gremium zur Untersuchung des Verbraucherpreisindex, die “Advisory Commission to Study the Consumer Price Index“. Selbstverständlich kam diese Commission zu dem Schluss, dass die Inflation gar nicht so schlimm sei, wie jeder glaubte. Zwar hatte der Bund schon Anfang der 1980er Jahre die Berechnung des US-Verbraucherpreisindex so angepasst, dass die tatsächlich wirkenden Inflationsraten, die die Dollar-Kaufkraft schmälerten, niedriger ausgewiesen wurden. Doch sie taten es erneut. (iv)

Dieser üble Taschenspielertrick des Staates sorgt für eine deutliche Verzerrung der Variablen für akkurate Wirtschaftlichkeitsrechnung. Das hatte zur Folge, dass nun schon seit Jahrzehnten wertvolles Kapital, das durch harte Arbeit akkumuliert wurde, fehlgeleitet und für zahllose Unsinnigkeiten verschwendet wird. Damit nicht genug. Den Sparern wurde Kaufkraft durch Währungsentwertung entzogen, zudem wurde der Wert der Löhne verringert. Selbst im Fall von Lohnerhöhungen bräuchte es Anpassungen, die über den Verbraucherpreisindex hinausgingen, um "mit der Inflation Schritt halten zu können". (v)

Der Eingriff des Bundes in die Berechnung der Dollar-Inflationsrate ist zweifellos der größte Schwindel der Geschichte. Er verursacht steigende Spannungen überall in den USA, quer durch alle Gesellschaftsschichten. Wie Lenin richtig festgestellt hatte, muss man, um eine Gesellschaft zu zerstören, deren Währung vernichten. (vi)

Ich habe Ihnen diese Hintergrundinformationen nicht ohne Zweck gegeben. Ich möchte Ihnen jetzt die folgende Frage stellen. Was, wenn “Bankrott ’95“ fünfundzwanzig Jahre zu früh geschrieben wurde?


“Bankrott '95“ im Spiegel der aktuellen Lage

Mithilfe der Finanzrepression konnte die US-Bundesregierung einen Dollar-Zusammenbruch abwenden, auch wenn Jahr für Jahr neue Schulden angehäuft werden mussten. Dem Staat gelang es, auch weiterhin Käufer für die eigenen Schuldeninstrumente zu finden - ungeachtet der getarnten, aber unablässig wirkenden Erosion der Kaufkraft der Gläubiger.

Obgleich ihr Einfluss enorm sein mag, so kann auch eine Bundesregierung die grundlegenden Finanzgesetzlichkeiten nicht ändern. Schulden müssen zu einem fairen Zins bedient werden.

Ist das nicht der Fall, werden die Kreditgeber letztlich ihr Vermögen aus dem Dollar abziehen (im Währungskontext würde man richtigerweise von “Kaufkraft“ sprechen). Sie würde in physische Anlagen wie Gold, Silber und Rohstoffe umgeschichtet werden - oder vielleicht sogar in Bereiche wie Bitcoin oder andere Währungen, die ein gefühlt akzeptables Niveau von Sicherheit zu bieten haben.

Begreift man die Kaufkraft einer Währung als das Ergebnis von Angebot- und Nachfrageprozessen, so könnte ein Nachfrageeinbruch im Endergebnis zu einem Dollar-Zusammenbruch und dem Bankrott der US-Bundesregierung führen. Werfen wir einen Blick auf die Zahlen und ziehen wir einige Schlüsse.


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