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Russlands Nothilfeprogramm

24.03.2018  |  Prof. Dr. Hans J. Bocker
Die grossartigen Pläne der CIA und seiner Hintermänner sind, in Russland die Bevölkerung gegen Putin aufzuwiegeln, indem man allerlei Demonstrationen Unzufriedener organisiert, und soweit wie möglich finanziert.

Ähnlich wie in der Ukraine, ganz rasch und locker, über Nacht einen kleinen Umsturz zu organisieren - mit Bussen, voll mit ausgereichten Dollarbündeln in den Händen haltender «Demonstranten» aus dem dörflichen Umfeld nach Moskau und Petersburg heranzukarren.

Also die legendäre Affäre des Maidan in Kiew ein wenig weiter östlich schlicht zu wiederholen, wird noch lange ein Phantasie-Gespinst der amerikanischen Hochfinanz bleiben. Genau wie die wirre Vorstellung, Russland durch Hunger bettelnd am Boden liegen zu sehen. Im Gegensatz zur zeitweilig hungernden Sowjetunion, die oft grosse Mengen an Nahrungsmitteln und Getreide einführen musste, werden jetzt Nahrungsmittel aller Art, insbesondere Weizen, exportiert.

Wladimir Putin wurde vor 17 Jahren zum Präsidenten Russlands gewählt.

Seither änderte sich einiges, der allgemeine Lebensstandard der Bevölkerung hat sich verdreifacht und den höchsten Stand seit 1864, als die Leibeigenschaft abgeschafft wurde, markant erhöht. Vor Putins Einzug in den Kreml hatte Russland ein Pro-Kopf-BIP (inländische Wirtschaftsleistung) von 9900 $, gemessen an der sog. «Kaufkraftparität» (KKP).

«KKP» beantwortet im Wesentlichen die Frage: «Was kann ich mir in Land A) oder Land B) real kaufen oder leisten, was bekomme ich real für meine verfügbaren Mittel?

Ein Züricher mag in Zahlen, nach Devisenumrechnung, das Zehnfache verdienen wie ein Moskauer, wofür ihn der Moskauer so beneidet, aber nach der 12-fachen Miete bleibt dem Schweizer vergleichsweise nur noch wenig an Extra-Komfort übrig.

Das vergleichbaren BIP hat sich bis 2017, also unter Putin, fast verdreifacht und liegt nun bei 27920 $. Russland hat mittlerweile das höchste Pro-Kopfgefolgt von China mit 16630 $. Die KKP berücksichtigt also die relativen Lebenshaltungskosten und die Inflationsraten des jeweiligen Landes (Warenkörbe), um den Lebensstandard in den verschiedenen Ländern realistisch-praktisch, also real, vergleichen zu können.

Die Inflationsrate fiel unter Putin von 36,4% auf 2,1%. Darauf kann man in Moskau stolz sein, genau so stolz wie auf die Zinsen bei der Bank, wo man bei kurzen Laufzeiten, oder auch bis zu 10 Jahren Laufzeit, 2,62% erhält. Dies gilt übrigens auch für Ausländer. In den westlichen Ländern erhält man normalerweise Nullzins und vielerorts sogar Negativzinsen (eine Frechheit). Die fleissigen Sparer werden in Putins Reich, im Gegensatz zum Westen, wie Sparer und nicht wie Straftäter behandelt.

Besser noch für Putin und seine Landsleute: Der durchschnittliche Monatslohn ist unter Berücksichtigung des KKP von 1510 Rubel (damals etwa 60 $) auf 36 752 Rubel (652 $) gewachsen.

Die Rate der Arbeitslosigkeit fiel von 13% auf 4,1%, davon können die USA und die EU mit jeweils einer «echten» Arbeitslosenquote von 23% (siehe «Shadowstats») nur träumen.

Doch auch die «durch Alterung Ausrangierten» wurden nicht vergessen: Die Renten haben sich von 1999 bis heute von 823 Rubel, also von 20 auf 220 $ nach oben angepasst. Trotz aller Sanktionen wachsen die ausländischen Investitionen rasch und der Rubel drängt mit aller Macht, genau wie der Yuan, auf die Weltmärkte.

Nicht nur für Inländer ist der breitgefächerte Wirtschaftsaufschwung spürbar, auch im Ausland wird er sichtbar und die Geschäftschancen nehmen entsprechend zu. Kein Wunder, dass sich deutsche Unternehmen zunehmend weigern, den strengen Sanktionsregeln Washingtons und Brüssels zu folgen.

Ein Paradox ist zu beobachten: Je mehr Sanktionen, umso besser geht es der russischen Wirtschaft und umso fester sitzt Putin im Sattel. Ein friedliches Zusammenarbeiten des Westens mit Russland würde beiden Seiten wirtschaftliche Fortschritte bringen und die angespannte geopolitische Lage endlich entspannen. Das Motto «Besser Handeln als Schiessen» gilt mehr denn je.

Russland ist gemäß seiner KKP die sechstgrößte Volkswirtschaft der Erde mit einer Brutto-Wirtschaftsleistung, die sich - dem IWF zufolge - der Marke von 4 Billionen $ rasch nähert. Das weltweit bekannte Wirtschaftsprüfer-Unternehmen Pricewaterhouse Coopers prognostiziert, dass das Land bis 2045 zur größten Volkswirtschaft Europas aufsteigt sowie England und sogar Deutschland überholen sollte.

Russlands Kaufkraftparität ist in den letzten 17 Jahren um ungefähr 600% gestiegen. Und der Gesamtwert der Aktiva des russischen Bankensystems ist um das 24-fache auf 1,45 Billionen $ gewachsen. Niemand erwartet, im vom Schuldendenken völlig durchseuchten Westen, von den dortigen weitgehend bankrotten Banken eine auch nur annähernd ähnliche Leistung. Dort wäre man schon heilfroh, wenn wenigstens mit einem Schuldenabbau auch nur vorsichtig begonnen würde.

Die Kapitalisierung des russischen Aktienmarktes ist seit 1999 mit um das 17-fache gestiegen. Ja, eine Aktienbörse gibt es dort tatsächlich. Ende der 70er Jahre war ich der erste Wirtschaftsjournalist der Welt, der diese neue Börse nach ihrer Eröffnung besuchen sollte, und zwar im Auftrag der berühmten Schweizer Finanzpublikation FINANZ UND WIRTSCHAFT (der internationale Finanzgott segne sie!).

Als ich die offizielle Adresse endlich gefunden hatte, fand ich einen nüchternen Bau aus der Stalin Zeit ohne Empfang oder Auskunft und kein Haustelefon weit und breit. Der Bau, der vielleicht einst der Gefängnisnisverwaltung gedient haben mochte, hatte innen endlose Gänge mit hunderten von Zimmerchen rechts und links, die in ihrer Innenausstattung an Ausnüchterungszellen erinnerten. Kein Empfang, keine Sekretärin, kein Haustelefon.

Endlich fand ich eine dickliche Putzfrau, die mit Spüleimer und Wischlappen matt über die völlig durchgetretenen Linoleumläufer schluffte. Mit meinem mageren Schulrussisch gelang es, das Büro des «Chairman» endlich zu entdecken. In einem ehemaligen Putzraum mit weissgekalkten Wänden sass ein ältliches, stark eingeschrumpftes Männlein, das aus einem grauen Metallkrug mit Henkel trübe etwas Weissliches löffelte, was aussah wie verklumpter Griessbrei. Den Knoblauchdunst im Raum rieche ich heute noch. Ja, er sei der neue Börsenchef, von der Partei dort eingesetzt, ein richtiges Diensttelefon würde nächste Woche installiert.


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