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Bei Gold- und Silberaktien tut sich was

08.04.2018  |  Manfred Gburek
Wer die Preise von Gold und Silber einschließlich der Minenaktienkurse laufend verfolgt, kommt um eine Erkenntnis nicht herum: Von der breiten Öffentlichkeit kaum beachtet, tut sich einiges, was den lange Zeit nicht gerade verwöhnten Freunden der Edelmetalle Freude bereiten sollte. Zum Beispiel die - scheinbar langweilige, in Wahrheit jedoch vielsagende Entwicklung des Goldpreises. Er bewegt sich seit Anfang 2017 mit immer kleiner werdenden Amplituden im Trend leicht aufwärts. Und immer, wenn der Preis nach oben auszubrechen verspricht, wird er, wie von Zauberhand bewegt, wieder gedeckelt.

Dieses Phänomen ist stets aufs Neue zu beobachten. Es entspricht einem mit Luft prall gefüllten Ball, der sich nicht so einfach unter Wasser drücken lässt, ohne wieder nach oben zu springen. Wer schon mal im stark salzhaltigen Toten Meer mit einem solchen Ball experimentiert hat, weiß, dass dort jegliches Ballversenken sogar ganz zwecklos ist. Das Phänomen erinnert sehr an die - am Ende gescheiterten - Versuche des sogenannten Goldpools in den 60er Jahren, den Goldpreis nach unten zu manipulieren.

Das politisch motivierte Ziel, damals wie heute: Ein starker Preisanstieg soll verhindert werden, damit die Menschen sich weiterhin der Geldillusion hingeben. Diese Art der Illusion ist, zitiert nach dem großen Geldtheoretiker Günter Schmölders, "die gläubige und vertrauensvolle Einstellung der Bürger einer Währungsgemeinschaft zum geltenden Geld und seinem gleichbleibenden Wert". Da mag der Wert des Geldes mit jedem Anstieg der globalen Schulden noch so stark sinken, Hauptsache, die Illusion bleibt erhalten - so jedenfalls ticken die meisten Politiker und mit ihnen die Zentralbanker.

Der Goldpreis lässt sich natürlich nicht beliebig nach unten manipulieren. Die eingangs erwähnten Preis-Amplituden sprechen ja Bände. Bis auf Weiteres bleibt allerdings offen, wann und wie hoch der Preis steigen wird - außer dass derzeit fast alles für einen größeren Anstieg noch in diesem Jahr spricht. Das ergibt sich nicht zuletzt aus einfachen Überlegungen zum Verhältnis von Angebot und Nachfrage.

Was das Angebot betrifft: Es sinkt unter anderem deshalb, weil die Minen im Großen und Ganzen immer weniger goldhaltiges Gestein hervorbringen. Und die Nachfrage: Sie steigt, weil Großanleger den sogenannten Papierwährungen unter Führung des Dollars zunehmend misstrauen und weil große Zentralbanken, wie die chinesische und die russische, ihre Goldreserven weiter aufstocken.

Auch bei den Minenkonzernen tut sich Beachtliches. Zunächst haben im Lauf der vergangenen fünf Jahre immer mehr von ihnen umfangreich rationalisiert, also die Förderung aus unrentablen Lagerstätten gestoppt, das eingesetzte Gerät reduziert, die Personal- und Sachkosten gesenkt, Kredite günstig umgeschuldet usw.

Im Rückblick zeigt sich, dass diese Maßnahmen sich mal mehr, mal weniger auf die Kurse der Minenaktien ausgewirkt haben, besonders deutlich sichtbar beim Vergleich von Barrick - die Aktie dieses führenden Goldkonzerns hat sich nur unterdurchschnittlich entwickelt - und Newmont - die Aktie der Nummer zwei der Branche zeigt schon seit längerer Zeit relative Stärke, was zum Teil auch damit zu tun haben dürfte, dass Newmont als einzige Goldaktie im S&P 500-Index vertreten ist.

Im Sektor der nicht ganz so großen Minenkonzerne tut sich ebenfalls einiges, zum Beispiel bei drei Südafrikanern. So erwirbt Sibanye, einst eine Abspaltung von Gold Fields und nun als Sibanye-Stillwater unterwegs, eine Beteiligung von 38 Prozent an DRD Gold. Solche Aktivitäten werden in den nächsten Monaten mehrfach zu bestaunen sein; das heißt, die Minenkonzerne dürften für Übernahmephantasie sorgen und noch für so manche positive Überraschung gut sein.

Positives, allerdings auf andere Weise, ist übrigens dem amerikanischen Gold- und Kupferkonzern Freeport-McMoran gelungen: Nach mehrjähriger Durststrecke hat er beschlossen, die Dividendenzahlung wieder aufzunehmen. Nicht von ungefähr bewegt sich der Kurs seiner Aktie bereits seit Anfang 2016 im Trend nach oben. Das ist nicht zuletzt dem Kupfer zuzuschreiben, dem Metall, dessen Preis maßgebend von der zu erwartenden Elektromobilität profitieren dürfte.

Die wenigen hier genannten Beispiele lassen ahnen, dass es sich für Anleger lohnt, Minenaktien näher ins Visier zu nehmen, bevor ihre Kurse einen größeren Anstieg beginnen. Wobei spekulativ orientierte Anleger einen zusätzlichen Blick auf Silberaktien werfen sollten, sei es auf die auch hierzulande populären First Majestic und SSR Mining, sei es auf sonstige aus dem XAU- oder HUI-Index. Diese Spekulation erscheint allein schon deshalb reizvoll, weil prozyklische Spekulanten, die üblicherweise fast immer schief liegen, sich aus dem Silber weitgehend zurückgezogen haben.

Minenaktien ins Visier zu nehmen, ist eine Sache, mit ihnen Kursgewinne zu erzielen, eine andere. Denn sie folgen eigenen Gesetzmäßigkeiten, zum Beispiel der Hebelwirkung, was viele von ihnen wie Optionen erscheinen lässt. Das heißt, die Bewegung des Gold- oder Silberpreises um 10 Prozent kann den Kurs einer Minenaktie um 20, 30 oder noch mehr Prozent nach oben oder nach unten hebeln.

Die wahren Minenschätze befinden sich mal mehr, mal weniger auf oder unter der Erde; das erschwert die Ermittlung von Kurschancen und -risiken zusätzlich. Wichtige fundamentale Daten, wie die voraussichtliche Lebensdauer einer Mine, die Reserven, Ressourcen und Gesamtkosten, lassen sich dank Internetrecherche zwar im Großen und Ganzen ermitteln.

Aber um einen Eindruck von der Qualität des Minenmanagements zu bekommen, bedarf es schon eines Abstechers nach Kanada, Australien, Südafrika oder in die USA. Die Kurse der Minenaktien schwanken sehr stark und entziehen sich oft der Chart-Interpretation. Alles in allem also nichts für schwache Nerven. Da die mit Minenaktien erzielbaren Kursgewinne jedoch sehr hoch sein können, sind sie zumindest für Anleger mit starken Nerven einen Einsatz wert.

Aktuell bedarf es vor allem einer Initialzündung, damit die Kurse anspringen. Darunter kann man sich alles Mögliche vorstellen, von steigenden Rohstoffpreisen bis zu fallenden Kursen der Mainstream-Aktien aus Dow Jones und Dax, von der Verschärfung des Handelsstreits zwischen den USA und China bis zu allgemeinen Währungsturbulenzen, von der Eskalation des Syrien-Konflikts bis zu einem neuen Kalten Krieg. Wichtig ist, Minenaktien wegen ihrer starken Kursschwankungen nicht erst zu kaufen, nachdem sie kräftig gestiegen sind, sondern bereits jetzt, da es um sie ziemlich ruhig zugeht. Und wichtig: Es empfiehlt sich, Käufe gestaffelt zu limitieren.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu



Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

Neu bei gburek.eu: Gute Zeiten, schlechte Zeiten


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