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Volatilität als Vorbote eines verheerenden Börsencrashs

18.04.2018  |  Mark J. Lundeen
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Nach dem Höchststand vom 9. Oktober 2007 dauerte es damals noch ganze 71 Handelstage, bis der Dow Jones einen Rückgang von mehr als 15% verzeichnete (am 22. Januar 2008). Anschließend erholte er sich vorübergehend und machte die Hälfte seiner Verluste wieder gut. Erst im Juli 2008 wurde die -20-%-Marke im BEV-Chart nach unten durchbrochen, neun Monate bzw. 184 Handelstage nach dem Top. Die eigentliche Panik setzte jedoch erst im Oktober ein. Ein ganzes Jahr nach seinem letzten Allzeithoch fiel der Dow Jones schließlich unter die -40-%-Linie.

Aktuell sind 53 Handelstage seit dem letzten Allzeithoch vergangen und der US-Aktienindex schloss zum Wochenende nur 8,48% unter diesem Hoch. Ich denke, dass das der Beginn eines Bärenmarktes ist, aber es könnte noch eine Weile dauern, bis auch die Bullen anfangen, sich ernsthaft Sorgen zu machen.

Interessant ist jedoch, dass die "Marktexperten" beginnen, die zunehmende Volatilität zu bemerken. Den folgenden Artikel habe ich letzte Woche entdeckt:

"In meiner gesamten Karriere habe ich noch nie einen so volatilen Markt gesehen. Das sind nur 66 Jahre, also sollte man dem nicht allzu viel beimessen. Aber Sie haben recht: Ich habe zwei Rückgänge um jeweils 50% miterlebt und ich habe einen 25-%-Crash innerhalb eines Tages gesehen, aber so etwas wie heute habe ich noch nie erlebt."

- Jack Bogle, Gründer der Vanguard Group und ehemaliger CEO

Das ist lächerlich und ich hoffe sehr, dass Jack Bogle das weiß, denn seine Aussage ist leicht zu widerlegen. Wenn wir uns die tägliche Volatilität des Dow Jones ansehen und zu diesem Zweck den 200-tägigen gleitenden Durchschnitt der prozentualen Kursbewegungen vom Handelsschluss an einem Tag bis zum Handelsschluss am nächsten Tag betrachten, stellen wir fest, dass dieser nur knapp über die 0,50-%-Linie gestiegen ist. Zum Ende der Woche lag er bei 0,56%.

Verglichen mit der Volatilität, die wir vor einem Jahrzehnt während der Hypothekenkrise erlebten, ist das noch gar nichts! Damals stieg der gleitende 200-Tages-Durchschnitt der Volatilität auf mehr als 2%. Erinnern Sie sich noch daran, wie sich das anfühlte? Vor zehn Jahren erlebten wir mehrfach Kursbewegungen von +4% oder -4% innerhalb eines Tages, Woche für Woche. Während der Großen Depression war der 200-Tages-Durchschnitt der Volatilität sogar auf mehr als 2,50% geklettert.

Ich kann nicht mit Sicherheit vorhersagen, bei welchem Niveau die Volatilität diesmal ihren höchsten Wert erreichen wird. Wird der 200-Tages-Durchschnitt überhaupt auf mehr als 1,0% steigen? Oder wird er gar ein historisches Hoch von 2,75% erreichen? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass Jack Bogle in seiner 66 Jahre währenden Karriere schon deutlich mehr Volatilität gesehen hab, als wir zu Beginn dieses Jahres bisher erlebt haben.

Nichtsdestotrotz ist der Anstieg der Volatilität seit Ende Januar, den wir im folgenden Chart erkennen, ein schlechtes Omen für die Bullen.

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Die Bestürzung über die "enorme" Volatilität, die wir aktuell erleben, ist nicht durch besonders große prozentuale Kursbewegungen bedingt, sondern vielmehr die Folge eines Marktes, an dem die Bewertungen weit über jede Vernunft hinaus gestiegen sind. Als der Dow Jones 1929 um 89% einbrach, verlor er dabei nur 340 Punkte (das Top war bei 381,17 Punkten verzeichnet worden). Heute entspräche ein Rückgang um 340 Punkte gerade einmal einem Minus von 1,4%. Für diese folgenschwere Verschiebung der Marktwerte können Sie der Federal Reserve und ihrer inflationären Geldpolitik danken.

Diese spiegelt sich auch im Kursverlauf des Dow Jones wider. Zwischen 1966 und 1981 versuchte der Aktienindex fünfmal, über 1.000 Punkte zu klettern oder oberhalb dieser Linie zu bleiben, scheiterte aber jedes Mal. Am 17. Dezember 1982 gelang ihm dann endlich der Ausbruch. Danach sollte er dank all der monetären Inflation, die die Aktienmärkte überschwemmte, nie wieder einen dreistelligen Schlusskurs verzeichnen.

Die folgende Tabelle zeigt die 20 Unternehmen, die 2018 und 1975 die höchste Marktkapitalisierung aufwiesen. Die Liste aus dem Jahr 1975 wurde in der Finanzzeitschrift Barron's veröffentlicht und enthielt die damals größten 50 Aktiengesellschaften der USA. Von diesen habe ich die letzten fünf hier mit aufgeführt, um deutlich zu machen, dass die überwiegende Mehrheit der damals an der NYSE gehandelten Unternehmen (insgesamt waren es 1.800) nicht einmal eine Marktkapitalisierung von 1 Milliarde $ hatte.

Wie viele Milliardäre gibt es heute? Rund 1.500, habe ich zuletzt gehört. Ich bin mir nicht sicher, ob es 1975 überhaupt schon einen einzigen Milliardär gab, wenn man politische Akteure wie das Haus Saud und den iranischen Schah ausklammert.


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