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Kampf der Giganten: Das Reich der Mitte gegen das Reich der Finanzen (Teil 1/2)

10.05.2018  |  Prof. Dr. Hans J. Bocker
Teil 1: Vernunftehen halten meist länger als Liebesehen

Die Kaufkurse der deutschen Aktien sind derzeit 10 bis 11% niedriger als im Januar des laufenden Jahres, was damals niemand erwartet hätte, genauso wenig wie die Tatsache, dass russische Aktien inzwischen recht attraktiv wurden, von den relativ hoch rentierenden russischen Zinspapieren ganz zu schweigen. Derzeit treffen immer noch sehr günstige Finanzierungskosten und niedrige Aktienkurse aufeinander. Solange Zinsen und Aktienkurse nicht nachhaltig steigen, stehen die Sterne für erfolgreiche Übernahmen sehr gut, die für Gold und vor allem Silber stehen noch günstiger.

Eine Übernahmewelle mit guten Gewinnchancen könnte dem sich abflachenden Börsenboom neues Leben einhauchen. Viele Unternehmen verfügen über volle Kassen aus billigen Geldquellen.

Doch wohin sollen die hier gebundenen Mittel?

Im ersten Quartal fiel eines auf. Selten gab es in der deutschen Industrie Phasen mit so viel Firmenübernahmen und Übernahmeofferten. Und wenn man die Finanzpresse aufmerksam liest, fällt weiterhin auf, dass sich hier ungewöhnlich viele Chinesen im Übernahme-Schlachtgewühl tummeln.

In früheren Jahren haben die Vertreter des Reiches der Mitte große Teile Afrikas und Rohstofffirmen der Entwicklungsländer aufgekauft. Doch der sich dahinter verbergende Rohstoffhunger klang inzwischen etwas ab. Heute versuchen die weit im Voraus denkenden Chinesen vor allem mitten im Westen domizilierte Unternehmen aus dem Bereich der Hochtechnologie mit möglichst vielen Patentrechten und hohem technischen Know-How zu erwerben. In den USA wurden zahlreiche solcher Versuche wegen der "nationalen Sicherheit" schlicht verboten. Im EU-Raum ebenfalls, allerdings mit anderen Begründungen.

Dennoch ist der Vormarsch der fleißigen und findigen Unternehmen aus Fernost nicht aufzuhalten. Allein in Deutschland erwarben sie im Jahre 2017 deutsche Unternehmen im Gesamtwert von rund 14 Milliarden Euro. Und sie kauften nicht den Möbeltischler gleich um die Ecke von einem abgehalfterten, matten Hartz-4-Empfänger, oder den Tante-Emma-Laden in der Nachbarstraße, von einer wegen Gicht aus dem Berufsleben widerwillig ausscheidenden Oma.

Jeder einzelne Kauf wurde lange vorher sorgfältig recherchiert. Jeder Kauf füllte für China einen zwar kleinen, aber sehr nützlichen Baustein in Chinas rasch wachsenden Hightech-Gebäude. Zwei kleine Beispiele zur Illustration: Der Luftfahrtzulieferer Broetje Automation und die Roboterfirma Kuka. Der Versuch, Aixtron zu übernehmen, schlug allerdings fehl.

Die gottgleich über der EU schwebende EZB sieht steigenden Aktienmärkten mit großer Freude zu. Dies gilt als das glänzende Markenzeichen ihres "Erfolges". Stürzte die Börse ein, stellte sich sofort die Frage nach Sinn und Nützlichkeit der EZB und ihres Halbgottes Draghi auf dem Eurothron mit seiner inzwischen etwas eng sitzenden Nullzins-Krone.

Wem nützen seine Machenschaften?

Dem ganz großen Geld, den Reichen und Superreichen, denn die Hartz-4-Gemeinde ist in Börsenkreisen äußerst schwach vertreten. Draghi pumpt weiter Geld ins Finanzsystem und daher lohnen sich Übernahmen auf Pump; zumal, wenn man die zur Finanzierung notwendigen Mittel zu einem Zinssatz von 1 bis 2% erhält.

Ein solches Umfeld kommt natürlich den übernahmewütigen Chinesen sehr zustatten. Man pflanzt, wenn das Währungs-Bewässerungssystem rieselt. Und nicht in der Trockenzeit.

Ein weiterer Faktor kommt den Chinesen zu Hilfe: Die "Squeeze-Out"- (also Ausquetschungs-) Regeln. Oft zeigen sich einige Kleinaktionäre widerborstig und weigern sich, ihre Aktien abzugeben. Fehlen dem neuen Großaktionär 2, 3 oder sogar 4% des Grundkapitals, dann kann er "die Kleinen" zu einem Zwangsverkauf drängen, um sie "hinaus zu quetschen". Hierzu muss ein Gutachten erstellt werden, welches den Wert des Unternehmens ermittelt. Dies kann Jahre dauern und kann angefochten werden.

Die schlauen Chinesen vermeiden lästige Verzögerungen dieser Art, wie auch Gerichtskosten und Rechtsstreit. Sie bezahlen in der Regel sofort und freiwillig einen Aufpreis und besitzen dann 100% aller Aktien. Können oder werden nun die Chinesen alle Aktienunternehmen und Patente der westlichen Unternehmen künftig einfach so übernehmen, so wie die Kunden in einem zivilen Notfall oder einer ausbrechenden Hyperinflation alle Regale eines Supermarktes einfach leer kaufen?

Wollen vielleicht, aber können nur scheibchenweise, denn der finanzielle Aufwand, den Westen technologisch schlicht käuflich zu erwerben, übersteigt selbst die Möglichkeiten Chinas. Außerdem würden die Preise überproportional steigen, genau wie auf dem Kartoffelmarkt (zieht die Nachfrage stark an und die Bauern beginnen zu horten, steigen die Kartoffelpreise). Und dann müssten auch die Verbote aller Art noch überwunden werden. Die Pressemeldungen, denen zufolge Brüssel oder die Europäische Kommission sich im Falle dieser oder jener geplanten Übernahme durch die Chinesen querlegt, häufen sich.

Und dann kommt noch der nicht zu unterschätzende Selbsthilfereflex der Chinesen entspannend hinzu. Die Anzahl der Neugründungen mit bahnbrechenden neuen Ideen, viel Mut und Risikobereitschaft, aber wenig Startkapital (die sog. "Start-ups)" häufen sich in Fernost. Auch Microsoft, Apple, Amazon und eigentlich alle der heutigen global agierenden Multimilliarden-Dollar-Unternehmen waren einst Start-ups. Auf jeden Fall schaffen es von denen allerdings nur wenige bis zum Weltruhm.

Aber je mehr Start-ups, über die eine Volkswirtschaft verfügt, umso größer wird der "Komposteffekt":

Überzieht man ein Feld oder einen Garten mit einer 5 cm dicken Kompostschicht, bringt dies dem Bauern oder Gärtner, pauschal gesprochen, Erfolg; ohne auf das Einzelschicksal dieser oder jener Pflanze, sprich, in unserem Falle Einzelfirma, eingehen zu müssen.

Und hier wirkt der Westen müde und abgekämpft. China dagegen breitet eine dicke Kompostschicht aus. Und setzt noch etwas Kunstdünger drauf. Kann man den Internetmeldungen glauben, kommen auf ein neues Start-up in Deutschland 267 neue Start-ups in China und viele davon im Hightech-Bereich. Geht das so weiter, hat Amerika in 20 Jahren immer noch ein Silicon Valley, China aber vielleicht 25 Silicon Valleys. Im E-Auto-Sektor ist China schon jetzt weltweit führend. Andere Sektoren werden folgen. Es geht schon lange nicht mehr um ein paar billig produzierte Drahtrollen, Profilkanten, Nieten oder Dünnbleche, sondern um Hochtechnologie-Erzeugnisse der ersten Wahl.


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