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Geld ist Gold - Und nichts anderes

09.05.2018  |  James Rickards
Im Anschluss an die Panik von 1907 wurde John Pierpont Morgan dazu aufgerufen, vor dem Kongress bezüglich der Wall-Street-Manipulationen und dem, was man als "Geldtrust" oder Bankenmonopol von J.P. Morgan & Co. bezeichnet als Zeuge auszusagen.

Im Laufe seiner Aussage machte Morgan eine der tiefgründigsten und nachhaltigsten Aussagen der Finanzgeschichte. Als Antwort auf die Fragen des Kongressanwalts Samuel Untermyer, führte man den folgenden Dialog, der so im Archiv des Kongresses festgehalten wurde:

Untermyer: Ich möchte Ihnen einige Fragen bezüglich des Themas stellen, das wir bereits heute Morgen erwähnt hatten: die Geldkontrolle. Die Kreditüberwachung beinhaltet eine Kontrolle des Geldes, nicht wahr?

Morgan: Eine Kreditüberwachung? Nein.

Untermyer: Aber die Basis des Bankings sind Kredite, oder?

Morgan: Nicht immer. Das ist ein Beweis des Bankings, aber nicht das wirkliche Geld. Geld ist Gold und nichts anderes.

Morgans Beobachtung, dass "Geld Gold ist und nichts anderes", entspricht in zwei Aspekten der Wahrheit. Der erste und gleichzeitig offensichtlichste besteht darin, dass Gold eine Form des Geldes ist. Der zweite und subtilere Punkt wird in dem Satz "und nichts anderes" enthüllt: Nämlich, dass andere Instrumente, die behaupten Geld zu sein, in Wirklichkeit Arten des Kredits waren, wenn man sie nicht in physisches Gold umwandeln konnte.

Meine Leser wissen, dass ich ein großer Goldbefürworter bin. Wir sollten auf Morgans Aussage achten und nicht aus dem Blick verlieren, wie realer Reichtum durch Manien, Paniken und Zusammenbrüche erhalten wird.

Heute werde ich Ihnen einen Überblick darüber verschaffen, warum man Gold in jedem Portfolio besitzen sollte und warum das gelbe Edelmetall die sich am besten entwickelnde Assetklasse der kommenden Jahren sein könnte.

Meine spezifische mittelfristige Prognose lautet, dass Gold im Laufe des aktuellen Bullenmarktes, der im Dezember 2015 begann, 10.000 Dollar je Unze erreichen wird. Investoren sollten 10% ihrer anlagefähigen Vermögenswerte in physisches Gold investieren (wobei im Portfolio Raum für "Papiergold" in Form von ETFs und Aktien von Bergbauunternehmen sein sollte).


Kommen wir zur Analyse:

Wir beginnen mit der Aufteilung der 10%. Der erste Schritt ist die Feststellung von "anlagefähigen Vermögenswerten". Diese entsprechen nicht dem Nettovermögen. Sie sollten Ihre Immobilienaktien, Unternehmensaktien und etwaige andere illiquide oder immaterielle Vermögenswerte ausschließen, die Ihre Lebensgrundlage bilden. Nehmen Sie kein Portfoliomarktrisiko mit Ihrer Lebensgrundlage oder dem Dach über Ihrem Kopf auf sich. Wenn Sie diese Vermögenswerte ausgeschlossen haben, bleiben Ihnen Ihre "anlagefähigen Vermögenswerte". Sie sollten 10% von ihnen in physisches Gold investieren.

Dieses Gold sollte nicht in einem Bankschließfach oder Banktresor gelagert werden. Es gibt eine enge Verbindung zwischen dem Augenblick, in dem Sie Ihr Gold am meisten brauchen und dem, in dem die Banken durch Regierungsanordnungen geschlossen sind. Lagern Sie Ihr Gold an einem sicheren Ort und keiner Bank.

Der nächste Teil der Analyse betrifft meine Prognose von 10.000 Dollar je Unze für den Dollarpreis des Goldes. Diese ist unkompliziert.

Die exzessive Gelddruckerei der Federal Reserve von 2008 bis 2015, zusammen mit dem für die absehbare Zukunft prognostizierten Haushaltsdefizit der US-amerikanischen Regierung von über 1 Billionen Dollar im Jahr, und ein Anstieg des Schulden/Defizit-Verhältnisses in den Vereinigten Staaten von 105% auf 110%, machen den US-Dollar extrem anfällig für einen Vertrauenszusammenbruch auf Seiten sowohl ausländischer Investoren als auch US-amerikanischer Bürger.

Der Vertrauenszusammenbruch wird nicht in einem Vakuum stattfinden. Er wird zeitgleich mit einem allgemeineren Vertrauensverlust in alle größeren Zentralbanken und Reservewährungen stattfinden. Dieser Vertrauensverlust wird durch die böswilligen Bemühungen Russlands, Chinas, der Türkei, des Irans und anderer Länder verschlimmert, die sich vollkommen vom Dollar loslösen und das US-Dollar-Zahlungssystem umgehen möchten.

Die Evolution der Ölpreisbildung von Dollar zu IWF-Sonderziehungsrechten, SZRs, wird der letzte Nagel im Dollar-Sarg sein. All diese Trends sind gerade im Gange, könnten jedoch schnell zu einem allgemeinen Vertrauensverlust in den US-Dollar eskalieren.

An diesem Punkt werden sich entweder die Vereinigten Staaten alleine oder eine weltweite Staatenkonferenz - ähnlich der von Bretton Woods - zum Gold wenden, um das Vertrauen wiederherzustellen. Sobald diese Route gewählt wurde, besteht der kritische Faktor darin, einen nicht-deflationären Goldpreis zu wählen, der Vertrauen wiederherstellt, aber nicht zu einer neuen Depression führt.


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