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Kampf der Giganten: Das Reich der Mitte gegen das Reich der Finanzen (Teil 2/2)

12.05.2018  |  Prof. Dr. Hans J. Bocker
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Zunächst einmal lautet hier die entscheidende Frage, wer verträgt Einschränkungen und Mangel besser?

Auf der einen Seite die verweichlichten, wohlstandsgemästeten, voll klimatisierten Amerikaner, die wöchentlich zwanghaft zwei Mal zum Psychiater rennen müssen, mit ihren vier Autos und fünf Computern wie auch sechs Handys pro Familie, mit einer glatt funktionierenden Telefonverbindung zum Broker sowie mit fünf tiefgekühlten Kisten Coca-Cola in der Garage, und ihren bitteren Klagen über ihre widerliche, lebensbedrohliche Parkplatznot?

Oder aber auf der anderen Seite die an Entbehrungen gewöhnten Chinesen, bei denen sich das Leben im Notfall um ein Säcklein Reis, etwas Wasser und um den nächsten Job dreht?

Wie könnten die Chinesen auf einen solchen finanziellen Atomschlag reagieren? Die durch Pekings Strafzölle entstandene Lücke in der Lieferung amerikanischer landwirtschaftlicher Produkte (wie Soja) hat Brasilien bereits dankbar gefüllt. Und Russland, sowie der Iran, sorgen für den ungehinderten Ölzufluss und kaufen dafür Gold in Shanghai. China hat viele Freunde - und die USA schaffen sich immer mehr Feinde.

Die Welt beginnt Widerstand gegen die Dollar-Herrschaft zu leisten. Der führende Analyst Folker Hellmeyer spricht von einer "Debasierung des Dollarsystems" - viele Länder planen den Absprung von der Weltleitwährung, also des Dollars, "wegen seines Missbrauchs als politische Waffe". Die realpolitischen Gegebenheiten ändern sich rapide. China führte im März 2017 noch 9,2 Millionen Tonnen Öl pro Tag ein. Im April 2018 aber bereits 41 Millionen Tonnen Öl am Tag.

Bezahlt wird in Yuan und nicht mehr mit Dollars. Das Gewinsel der amerikanischen Ölkonzerne und Großbanken ist bis in die Dünenlandschaften der Zentral-Gobi zu hören und treibt die dort hausenden Skorpione aus ihren Ritzen heraus. Aber jeder erhält am Ende immer das, was er verdient.

Peking würfe zunächst als erste Gegenmaßnahme im Notfalle einer offenen Handelsschlacht seine Billionen an US-Schatzbriefen auf den Weltmarkt, was eine globale Panik aller anderen Schatzbriefhalter auslösen würde - und wenn bei einem Theaterbrand alle gleichzeitig durch den Ausgang drängen, entsteht nicht nur Geschrei, sondern auch Verstopfung und bedauerlicherweise auch einige Zerquetschte. Zu letzteren möchte aber niemand gerne gehören, nicht einmal "auf Krankenschein".

Die Summen sind viel zu gewaltig, als dass sie einige befreundete westliche Zentralbanken kollektiv absorbieren könnten - auch nicht der IWF mit seiner neuen Kunstwährung, den "SDRs". Was den Dollar und auch den Petrodollar betrifft, jubelt die Pharmaindustrie - und zwar mit hohem Praxisbezug: Grund ist der erhöhte Beruhigungsmittelbezug der Wall-Street-Etagen und der sprunghaft ansteigende Schlafmittelverbrauch der Mitarbeiter, die tagsüber pfundweise Beruhigungspillen auf allen Stockwerken ihrer glänzenden Derivate-Wolkenkratzer hektisch schlingen. Aber Goethe tröstet in Bezug auf den Dollar:

Denn alles was einmal entsteht,
ist wert, dass es zugrunde geht.

Der Chef von Goldman Sachs dürfte sein Türschild ergänzen von "Hier wohnt Gott" mit dem Nachsatz "Aber der Papst gibt jetzt in Peking Audienzen".

Amerika will seine Dollar- und Weltherrschaft behalten, und Trump muss vor seinen Wählern als super-erfolgreiche Ikone glänzen. Peking geht es weniger um einen Handels- oder Währungskrieg, als um völlig andere vitale Interessen. Die kommunistische Partei gerät mit ihrer Herrschaft in Existenznot und in akute Lebensgefahr, liefert sie nicht die Notwendigkeiten des täglichen Bedarfs - und vor allem Jobs und noch mal Jobs. Bloß keine internen Streitigkeiten im Machtgefüge der Eliten, und vor allem keine sozialen Unruhen, vor denen die roten Partei-Eliten insgeheim zittern.

Da werden ungute Erinnerungen an die Proteste auf den Platz des Himmlischen Friedens wach, die zwar schon rund 30 Jahre zurücliegen, aber für die Führung von traumatischer Natur sind. Auch im Westen wurden die schmerzhaften Einzelheiten des Massakers vielfach publiziert, doch was erst jetzt bekannt wurde: Armee-Offiziere weigerten sich damals, und zwar im ganzen Land und nicht nur in Peking, auf die protestierenden Massen zu schießen, oder schießen zu lassen.

Sieben pensionierte Generäle und sogar ein ehemaliger Verteidigungsminister, flankiert von hunderten hoher Offiziere, verfassten ein Schreiben an Peking mit dem sinngemäßen Inhalt: "Wir haben eine Volksarmee, die dem Volk gehört, aber wie kann eine Armee des Volkes auf das Volk schießen oder protestierende Bürger platt walzen?" Studenten und einfache Arbeiter boten damals den Soldaten Reis und Wasser an, und erklärten den Uniformierten ihre Probleme.

Es gab hunderte von Degradierungen, eine Reihe von Einweisungen in Umerziehungslager und sogar einige Todesurteile. Doch der Schock in der Führung saß tief. Was? Kein blinder Gehorsam in den eigenen Reihen? Es gab allerdings kein Blutbad, wie es ein solches unter Führern wie Stalin oder Mao sicherlich gegeben hätte. Ein General erklärte: "Ich möchte lieber enthauptet werden, als dass ich in die Geschichte als ein Metzger meiner Mitbürger eingehe." Das war mehr als deutlich. Und genau diese Haltung fürchtete die Führung in Peking damals - und fürchtet ihre Wiederkehr auch heute.


Fazit

China steigt zum Hightech-Land auf - und seine Währung zur Weltleitwährung; und ist als die erste Großmacht weder militärisch noch wirtschaftlich vom Westen in die Knie zu zwingen. Es ist hoch gerüstet und hat das mächtige Russland sowie die übrigen BRICS-Länder als Bundesgenossen auf seiner Seite. Das Land strebt den Petro-Yuan und eine Teil-Golddeckung seiner Währung an. Seine Goldvorräte belaufen sich, laut Schätzungen, privat und staatlich addiert, auf das drei- oder vierfache der offiziell angegebenen amerikanischen Goldreserven.


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