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Inflation, wie sie in keinem Buch steht

13.05.2018  |  Manfred Gburek
Die Inflation, so scheint es zumindest, ist derzeit kein Thema, das die Menschen besonders aufregen könnte. In Europa - außerhalb Deutschlands - und in den USA schon mal gar nicht. Und wenn man die Inflationsprognosen der EZB-Denkfabrik mit dem klangvollen Namen "Survey of Professional Forecasters" Revue passieren lässt, ist Inflation offenbar von gestern. Denn deren aktuelle Prognose für den Euroraum, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), geht von lediglich 1,5 Prozent für 2018 aus und steigt bis 2022 nur auf 1,9 Prozent. Dass sie dort landet, oh Wunder, entspricht dem durch die EZB vorgegebenen Inflationsziel von etwas unter 2 Prozent.

Bleibt noch hinzuzufügen, dass es neben dem hier mit Energie und Nahrungsmitteln prognostizierten HVPI auch einen ohne gibt. Aber der steht weniger im Rampenlicht, was nur allzu verständlich ist, wird doch ständig Strom verbraucht und Benzin getankt, gegessen und getrunken. Besonders aus deutscher Sicht erwähnenswert ist noch der vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Index der deutschen Verbraucherpreise.

Er birgt mit aktuell 1,6 Prozent keinerlei Überraschung. Und das bei stark gestiegenen Preisen von allem, was mit Erdöl zu tun hat, und bei im Index mit etwa 30 Prozent gewichteten Mieten (einschließlich Nebenkosten), die während der vergangenen Jahre geradezu explodiert sind. Manchmal entsteht sogar der Eindruck, als habe sich hier ähnlich wie in der Autoindustrie eine Schummel-Software eingeschlichen. Die bereits glatt über die Bühne gegangenen wie auch die zu erwartenden Tarifabschlüsse untermauern diesen Eindruck zusätzlich.

Wird die eingangs zitierte EZB-Denkfabrik mit ihren Inflationsprognosen recht behalten? Diese Frage lässt sich unmöglich beantworten. Das heißt, 1,5 HVPI-Prozent für 2018 oder 1,9 Prozent für 2022 werden sich irgendwann während der nächsten Jahre in Luft auflösen und anderen Zahlen Platz machen. Dies allein schon deshalb, weil Inflation als dynamischer Prozess von mehreren Faktoren abhängt, die sich zum Teil gegenseitig beeinflussen.

Ein paar Beispiele: Entwicklung der Konjunktur und speziell der Kosten der Unternehmen, Konsumverhalten der Verbraucher, Fiskalpolitik, Geldpolitik, Entwicklung der Währungen, speziell des Verhältnisses Euro/Dollar, Inflationserwartungen, direkte und indirekte Steuern, Zölle, Krieg und Frieden.

Derzeit stehen die zuletzt genannten Faktoren im Vordergrund, also der von den USA so gewollte Handelsstreit, der zeitweise zum Handelskrieg auszuarten droht, und das Atom-Abkommen mit dem Iran, von dem die USA sich verabschieden, Ende offen. Nun mag man über die wirtschaftlichen Folgen trefflich spekulieren - mehr als die Erkenntnis, dass der ganze Nahe Osten ein einziges Pulverfass ist und dass dies über kurz oder lang mit Konsequenzen für uns alle ausgehen kann, kommt dabei kaum heraus.

Nähern wir uns dem Thema Inflation deshalb von einer anderen Seite. Bekanntlich leben die meisten Staaten, immer mehr Unternehmen und zunehmend auch Verbraucher auf Pump. Zu ihren Gläubigern gehören in erster Linie Banken mit unterschiedlich ausgestattetem Kapital. Die positive Entwicklung der Konjunktur während der vergangenen Jahre ließ die Banken bei der Kreditvergabe immer leichtsinniger werden, sodass es zu einer riesigen Schuldenblase kam.

Früher hatten die Notenbanken ähnliche Entwicklungen mit einer restriktiven Geldpolitik bekämpft, also den Leitzins erhöht. So etwas ist heute in den USA nur noch bedingt möglich, weil die Fallhöhe des Leitzinses dort mit nur 1,5 bis 1,75 Prozent überschaubar ist. Im Euroraum gibt es aktuell mit null Prozent sogar überhaupt keine Leitzins-Fallhöhe; das heißt, die EZB hat sich mit ihrer bisher extrem expansiven Geldpolitik selbst ausgetrickst.

Dumm nur, dass ausgerechnet in dieser Situation die Konjunktur zu schwächeln beginnt, und zwar hüben wie drüben. Die US-Notenbank Fed hat wenigstens etwas Potenzial für eine Zinssenkung, um die Konjunktur zu stützen. Dagegen kann die EZB bis auf Weiteres nur abwarten und bestenfalls ihr Programm zum Kauf von Anleihen zurechtstutzen.

Den Leitzins zu erhöhen und dadurch einen Konjunktureinbruch zu riskieren, darf sie sich nicht leisten. Folglich belässt es ihr Präsident Mario Draghi immer wieder bei kryptischen Andeutungen, um vom eigentlichen Problem abzulenken und im besten Fall auch für gute Stimmung zu sorgen. Doch schon bald wird er Klartext reden müssen. Vorherzusagen, was dabei herauskommen könnte, ist bei der von ihm gern gepflegten Unberechenbarkeit faktisch unmöglich.

Halten wir fest: Die Inflation scheint nur vor sich hin zu dümpeln. Der HVPI spiegelt uns eine Inflationsrate vor, die offenbar nicht ganz den Fakten entspricht. Es gibt eine globale Schuldenblase mit viel Eigendynamik. Der Ausstieg der USA aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran bringt zusätzliche Unsicherheit mit sich. Die zum Teil dürftige Kapitalausstattung der Banken kann schnell zur Gefahr werden, sobald der Umfang der faulen Kredite bestimmte Grenzen übersteigt. Die Konjunktur in Europa wie auch in Amerika beginnt zu schwächeln. Die Einflussmöglichkeit der Geldpolitik ist begrenzt. Vor allem die EZB hat sich diesbezüglich in die Bredouille gebracht.

Wenn es eine vorhersehbare Folge aus alldem gibt, dann diese: Notenbanker und Politiker werden sich hüten, jetzt Maßnahmen zu ergreifen, um aus der Schuldenblase Luft entweichen zu lassen. Sie werden alles unternehmen, um das - besonders in Europa marode - Bankensystem zu retten. Wie das geht, exerziert Italien ja bereits seit Jahren vor. Und die weiteren Folgen?

Beispiel Zinsen: Ihr niedriges Niveau schadet dem Kreditgeschäft der Geschäftsbanken und bringt ganze Altersvorsorge-Systeme ins Wanken, was zuletzt bei den deutschen Pensionskassen deutlich geworden ist. Würden die Zinsen steigen, käme es jedoch zu einem scharfen Einbruch der Anleihen- und Aktienkurse sowie der Immobilienpreise, drei Anlageklassen, die bislang von der sogenannten Asset Inflation profitiert haben.

Was ist also zu erwarten? Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden sich die Zinsen auf einem im Vergleich zu den vorangegangenen Jahrzehnten niedrigen Niveau einpendeln, weil die Notenbanken mit einem stärkeren Zinsanstieg die Konjunktur über das jetzige Ausmaß hinaus gefährden und die Kurse der Anleihen und Aktien kräftig ins Rutschen bringen würden. Die Realzinsen (Nominalzinsen abzüglich Inflationsrate) dürften im Minus bleiben oder je nach Land noch dahin geraten. Im Zuge dieser Entwicklung dürften die Inflationsraten in Europa und in Amerika steigen, in Schwellenländern wie China und Indien so wie so.

Dies würde die Inflationserwartungen steigern und so ein allgemeines Inflationsklima schaffen, wie wir es zuletzt in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts erlebt haben. Damals schossen die Preise von Gold und Silber als Schutz vor Inflation in die Höhe. Eine Wiederholung ist möglich. Kronzeuge dafür: US-Präsident Donald Trump. Sein Credo: "Ich habe Gold schon immer geliebt. Wer Gold hat, macht die Regeln." Das Zitat stammt aus einer Sendung des Fernsehkanals Phoenix vom 28. April dieses Jahres, im Zweifel kann es der dortigen Mediathek entnommen werden.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu



Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

Neu bei gburek.eu: Verhaltenskodex für private Anleger


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