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Türkei vor geldpolitischer Irrfahrt (CB)

15.05.2018  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1915 (08:00 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1913 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber demJPY auf 109,88. In der Folge notiert EURJPY bei 130,93. EUR-CHF oszilliert bei 1,19312.

Der Aufschwung in Deutschland ist intakt, aber die heutigen Quartalszahlen verdeutlichen, dass er etwas an Dynamik verliert. Saisonbereinigt wuchs die deutsche Wirtschaft auf Quartalsbasis um 0,3%, erwartet wurden 0,4%. Die Gründe dafür sind vielfältig: so wurde bereits ein höheres Grundniveau durch das Wachstum der letzten Jahre erreicht, die Krankheitsquote in Unternehmen - bedingt durch die aggressive Grippewelle - war überdurchschnittlich und die Streiks der IG Metall hatten ebenfalls einen spürbaren Einfluss. Die Auftragsbestände der deutschen Wirtschaft sind aber hoch, die Auftragseingänge waren aufgrund der politischen Unsicherheit zuletzt etwas rückläufig. So eine Zyklik ist aber auch in einer Boomphase normal und kein Signal für ein Ende des konjunkturellen Aufschwungs. Aus fundamentaler Sicht sollte die gute konjunkturelle Entwicklung anhalten.

Die türkische Geldpolitik steht weiter im Fokus der Marktteilnehmer. In den letzten Tagen wertete die Währung beständig ab, trotz eines Zinserhöhungsschrittes durch die türkische Zentralbank. Wir hatten den Zinsschritt an dieser Stelle als zu zaghaft kritisiert und auf die politisch schwierige Situation der Zentralbank hingewiesen. In einem gestern gegebenen Bloomberg Interview äußerte sich Präsident Erdogan dahingehend, dass er mehr Verantwortung für die Geldpolitik übernehmen will, wenn er im nächsten Montag wieder zum Präsidenten gewählt werden sollte. Er erwarte von der Zentralbank, dass diese seine Anweisungen für niedrigere Zinsen beachten werde!

Erdogan führte weiter aus, dass Zinssenkungen die Inflation drücken würden, da die Kreditzinsen dann sinken würden.

Die Kapitalmarktteilnehmer scheinen eine andere Auffassung zu vertreten und verkauften darauf weiter die türkische Lira. Diese sank weiter auf ein Rekordtief gegen den Euro von 5,25 Lira / Euro. Ob die Reaktion der Marktteilnehmer auch daran liegt, dass in allen VWL-Lehrbüchern eine andere Auffassung vertreten wird? Macht hier einer etwas richtig, was alle anderen falsch machen?

Der unten stehenden Grafik können Sie den Abwertungsverlauf der türkischen Lira gegen den Euro entnehmen.

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Quelle: Bloomberg


Bisher ist die Mehrheit der Marktteilnehmer davon ausgegangen, dass es spätestens nach der Präsidentschaftswahl zu Zinserhöhungen kommen wird. Auf diese Weise könnte Erdogan vor der Wahl sein Gesicht wahren und im Anschluss reagieren. Sollten die gestern getätigten Aussagen jedoch umgesetzt werden, stehen der Türkei schwere Zeiten bevor. Die Abwertungsspirale der türkischen Lira würde sich verstärken und die bestehenden Auslandsschulden durch die Abwertung wachsen. Die ausländischen Direktinvestitionen werden wegen der Abwertung und der
steigenden politischen Unsicherheit noch weiter zurückgehen. Auch die einheimische Bevölkerung könnte das Restvertrauen in die Währung verlieren und Geld ins Ausland transferieren. Die Inflationseffekte aufgrund der Abwertung will ich dabei nicht mal mehr näher beleuchten.

Leider liefert die Türkei hier ein schönes Beispiel dafür, was passieren kann, wenn die Unabhängigkeit einer Zentralbank nicht gewahrt wird und in Unkenntnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge Entscheidungen getroffen werden.

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Erst ein Überwinden des Widerstandsniveaus bei 1.2070 - 00 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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