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25.05.2018  |  Dr. Keith Weiner
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Durch eine gründliche Untersuchung von Ersparnissen erkennen wir, dass diese nicht so einfach zu analysieren sind, wie das Einkommen. Einige Ersparnisse sind nur aufgeschobene Ausgaben. Ein Beispiel dafür ist ein Klempner, der in einer kalten Klimazone lebt. Bauarbeiten sind auf die warmen Monate beschränkt und das restliche Jahr ist eine magere Zeit. Der Großteil seines Einkommens wird in einer Hälfte des Jahres verdient, aber dies muss für den Rest des Jahres reichen.

Ausgaben können für längere Zeitspannen aufgeschoben werden. Hausbesitzer müssen eine Dachrenovierung einplanen. Wenn ein Dach etwa 20 Jahre halten soll und ein neues 10.000 Dollar kostet, dann muss der Hausbesitzer 500 Dollar im Jahr zur Seite legen (wenn er Zinsen verdienen könnte, wäre dieser Betrag geringer). Wie bei dem saisonalen Arbeitsmarkt für Klempner sind dies ebenfalls nur aufgeschobene Ausgaben für vorhersehbare Kosten.

Jedoch ist manches Sparen nicht zum Ausgeben gedacht. Die Leute legen einen Teil ihres Einkommens zur Seite und wandeln so Einkommen in Kapital um. Stellen Sie sich beispielsweise einen Bauern vor, der den Gewinn, der in einem Jahr durch seinen 100-Hekter-Bauernhof erwirtschaftet wurde, dazu verwendet, weitere 10 Hektar Land zu kaufen. Er entfernt Steine und planiert es, beides zu zusätzlichen Kosten. Nun ist das Land ein Feld, auf dem jedes Jahr, für immer, Feldfrüchte angebaut werden können.

Zu Zwecken dieser Diskussion machen wir keinen Unterschied zwischen dem Kauf eines Unternehmens, eines Werkzeuges oder dem Besitz von ausreichend Geldmitteln (idealerweise verliehen, um Zinsen zu verdienen, aber nicht zwingend notwendig). Ersparnisse in diesem Kontext sind ein Anlagegegenstand. Kapital wird üblicherweise nicht für Ausgaben verwendet - man könnte dazu gezwungen werden sogar den Familienbauernhof im Notfall zu liquidieren. Aber der Normalfall ist, dass man das Unternehmen behält und dieses weiterhin betreibt, um Einkommen zu erwirtschaften.

Dasselbe Konzept gilt auch in kleinem Ausmaß. Ein Klempner könnte das Gehalt einer Woche sparen, um ein hochwertiges Rohrreinigungswerkzeug zu erwerben. Wenn er dann den Auftrag erhält, einen verstopften Abwasserkanal zu reinigen, könnte ihm ein derartiges Werkzeug vielleicht ermöglichen, 50 Dollar für eine Stunde zu verdienen, anstatt der vorherigen 25 Dollar.

Niemand würde erwarten, dass der Preis des (benutzten) Rohrreinigungswerkzeugs von dem Klempnergehalt einer Woche auf zwei steigt, und sich dann auf vier verdoppelt, etc. Jedoch erwarten die meisten Leute, dass der Preis eines Bauernhoffelds steigt, vom zehnjährigen Gewinn auf den von 20 Jahren und dann 40, etc. Das ist das perverse Ergebnis perverser Anreize, die von Zentralbanken gegeben werden, die unsere Geldpolitik steuern.

Das heutige Thema sind nicht die perversen Anreize, sondern die zweifache Rolle des Geldes. Also werden wir uns auf Geld als Anlagegegenstand konzentrieren, anstatt auf Bauernhoffelder und Klempnerwerkzeuge.


Die Kaufkraft des Geldes

Wir müssen ein Schlüsselprinzip ansprechen, bevor wir fortfahren. Der Wert des Geldes kann nicht in Bezug auf Verbrauchergüter gemessen werden. Verbrauchergüter besitzen keinen stabilen Wert und den Mittelwert eines Warenkorbes zu ermitteln, löst das Problem nicht. Viele nicht-monetäre Kräfte können die Preise der Güter steigen lassen: Regulierung, Arbeitsrecht, Gerichtsverfahren, Regelkonformität, Begrenzung, Steuern, Umweltrecht, etc. Und einige nicht-monetäre Kräfte können sie nach unten drücken: Effektivitätssteigerungen, größere Kapitalinvestitionen, Massenproduktion, etc.

Es gibt (mindestens) drei Arten, auf die die Verbraucherpreise fallen und somit die Kaufkraft des Geldes steigen kann. Erstens: Wie wir zuvor beschrieben haben, können nicht-monetäre Kräfte die Verbraucherpreise nach unten drücken. Zweitens: Wie wir anderorts exzessiv ausgeführt haben, verführen fallende Zinsen die Produzenten dazu, mehr Schulden aufzunehmen, während die Zinsen die Bruttomargen gleichzeitig nach unten drücken. Das bringt die Produzenten in die schwierige Position, mehr und mehr Güter produzieren zu müssen, die sie zu immer niedrigeren Nachfragepreisen verkaufen, um Geld zur Zahlung der Zinsausgaben zu erwirtschaften.

Diese beiden Fälle werden wir heute nicht ansprechen, da sie keine Beispiele des Problems sind, das wir präsentieren. Drittens: Kaufkraft kann steigen, wenn die Nachfrage nach Geld steigt. Wenn wir jetzt von Gold und nicht von Dollar sprechen, könnte dies eintreten, wenn die allgemeine Gesellschaft eine Umschichtung in der monetären Ordnung erwarten würde, d.h. eine Umschichtung in Richtung Edelmetalle. In diesem Fall werden die Leute Gold kaufen und dessen Preis in die Höhe treiben. Wenn die Lebensmittelpreise nicht steigen, wird dies die Kaufkraft des Goldes erhöhen.

Lassen Sie uns dies mit dem obigen ersten Teil unserer Diskussion verknüpfen. Wir haben einen Bauern und einen Klempner beschrieben, die ihre jeweiligen Ersparnisse in Ackerland und ein Rohrreinigungswerkzeug investiert haben. Wir haben die Problematik angesprochen, dass Anlagegegenstände nicht dazu gedacht sind, gegen Verbrauchergüter eingetauscht zu werden. Dies würde einer Liquidierung und dem Konsum des eigenen Kapitals gleichkommen.


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