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Die Entzauberung des Euro schreitet voran

27.05.2018  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Die Euro-Einheitswährung wird zu einem immer größer werdenden Problem, zu einer erdrückenden Zwangsjacke für die Teilnehmerländer.

Die US-Zentralbank (Fed) hebt die Zinsen in kleinen Schritten an. Davon ist die Europäische Zentralbank (EZB) noch weit entfernt. Ihr Leitzins liegt nach wie vor auf der Nulllinie. Bis Ende September 2018 will sie weiter Schuldpapiere in Höhe von 30 Mrd. Euro pro Monat kaufen - möglicherweise auch darüber hinaus, wenn der EZB-Rat das für nötig befindet. Die Öffentlichkeit scheint sich mit der anhaltenden Nullzinspolitik abgefunden zu haben.

Dazu tragen vermutlich die vielen beschönigenden Kommentierungen von Politikern und systemhörigen Ökonomen bei, die einseitig angeblich positive Effekte der EZB-Geldpolitik - wie Konjunkturanschub und Senkung der Zinskosten für die öffentlichen Haushalte - herausstellen und loben.

Doch die Negativeffekte der Nullzinspolitik sind gewaltig und unübersehbar. Der Sparer erhält keinen Zins mehr und sein Realzins ist sogar negativ. Seine Ersparnisse werden im Zeitablauf nicht mehr, sondern weniger wert. Das reißt tiefe Löcher in die Altersvorsorge; immer mehr Menschen werden zu staatlichen Almosenempfängern und leichte Beute für Demagogen.

Der künstlich niedrige Zins senkt die Kapitalkosten künstlich ab, verleitet zu Fehlinvestitionen und hält unrentable Firmen und Banken am Leben. Das schläfert die Wettbewerbskräfte ein, lässt die Wachstumsdynamik schwinden. Der Nullzins treibt die Aktien-, Häuser- und Grundstückspreise in die Höhe. Wohnraum wird für viele unerschwinglich. Und nicht zuletzt verlockt der niedrige Zins Konsumenten, Unternehmen und Häuslebauer sich zu verschulden.

Die Dauerschuldnerei wird befördert: Fällige Schulden werden nicht zurückgezahlt, sondern mit neuen Krediten, die einen noch niedrigeren Zins tragen, refinanziert. Das entlastet die Budgets der Schuldner - vor allem auch bei den Staatsschuldnern. Die Wohl und Wehe aller wird zusehends abhängig davon, dass der Zins niedrig bleibt beziehungsweise auf ein noch geringeres Niveau heruntergeschleust wird.

Politische Interessen bilden sich heraus, die eine einmal begonnene Nullzinspolitik nicht mehr rückgängig machen wollen - weil sie die damit verbundenen Anpassungen in Wirtschaft und Gesellschaft ablehnen. Historisch gesehen ist das keine Überraschung: Der Kriegssozialismus in Österreich-Ungarn während des Ersten Weltkrieges hatte nie die Absicht, einmal getroffene Verstaatlichungsmaßnahmen später wieder fallen zu lassen.

Seine Befürworter wollten auf diese Weise zur Vollendung des Sozialismus fortschreiten. Um den Widerstand gegen die Sozialisierung zu zerstreuen, beschwichtigten die Politiker mit dem Verweis auf "Ausnahmeverfügungen". Wie sich die Bilder gleichen: Die sozialistischen Notmaßnahmen, die die Staaten im Euroraum auf den Weg bringen - ob Europäischer Währungsfonds oder Einlagensicherung als Kernelement der Bankenunion -, sollen natürlich dauerhaften Bestand haben. Die Schuldenvergemeinschaftung ist längst unumkehrbare ökonomische Realität.

Unter der Führung der EZB ist eine Umverteilungsmaschinerie entstanden, bei der wohl kaum jemand noch den Überblick hat, wer eigentlich was gewinnt, und wer wieviel verliert. Das Vermögen der Bürger und Unternehmer wird innerhalb der Staaten umverteilt (Kreditnehmer werden auf Kosten der Sparer subventioniert) und auch über nationale Grenzen hinweg (von einem Land zum anderen).

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Quelle: Universität Osnabrück, Deutsche Bundesbank



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