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Vollgeldinitiative der Schweizer im Geist von 1776

08.06.2018  |  Markus Blaschzok
Am 10. Juni werden die Schweizer in einer Volksinitiative basisdemokratisch darüber abstimmen, ob sie ihr Geldsystem erstmals in der Geschichte grundlegend revolutionieren wollen. Das seit Jahrhunderten unrechtmäßig herrschende Kreditgeldsystem soll durch ein rechtskonformes Vollgeldsystem abgelöst werden. Diese Initiative trägt eindeutig den revolutionär freiheitlichen Geist von 1776, der seit dem Unabhängigkeitskrieg freier Menschen gegen die englische Krone und der Unabhängigkeitserklärung der USA weltweit dazu inspiriert, die Macht von Tyrannen zu stürzen und für Freiheit und Gerechtigkeit einzutreten.

Deshalb ist es besonders enttäuschend, dass sich gerade die bekanntesten Verfechter des Libertarismus bzw. der Österreichischen Schule im deutschsprachigen Raum über diese Initiative entweder bewusst klitternd oder unbewusst irrig ablehnend und gar mokierend äußern. Ersteren sei dieser Artikel ein freiheitlicher Gegenschlag und letzteren eine fachliche Wissenserweiterung.


Was will die Vollgeldinitiative?

Den Privatbanken so das Privileg zur Geldschöpfung entzogen werden und täglich fällige Kundeneinlagen sollen zu 100 Prozent mit Zentralbankgeld (Vollgeld) gedeckt werden. Sich ständig wiederholende Wirtschaftskrisen sollen so eliminiert werden und Bankenkrisen und "Bank Runs" würden der Vergangenheit angehören. Das Geld der Menschen auf ihren Konten wäre sicher, da die Geldhäuser nicht mehr mit einer "Teilreserve" operieren dürften. In den letzten einhundert Jahren wurden zunehmend Steuerzahler durch korrupte Politiker dazu verpflichtet, die Verluste aus dem kriminellen Teilreservesystem zu tragen, was enormen volkswirtschaftlichen Schaden anrichtete.


Was sagen die Kritiker des Vollgeldes

Thorsten Polleit vergleicht die Forderung der Vollgeldinitiative in einem Artikel vom 6. Juni auf der Wirtschaftswoche impertinent mit den Forderungen von Sozialisten. "Sie [die Vollgeldidee] reicht zurück auf sozialistische Denker … Ihnen zufolge soll allein die staatliche Zentralbank das Geld produzieren, und zwar am besten mittels zinsloser Kredite oder in Form von Geld-Geschenken an den Staat."

Diese Aussage ist falsch und völlig absurd, denn das Vollgeld ist ein dem Kapitalismus innewohnendes Grundprinzip. Bei der Vollgeldinitiative geht es nicht um die Art des Geldes, die Gold, Silber oder Papier sein kann, sondern um das längst überfällige Ende der Geldschöpfung aus dem Nichts im Bankensystem. Bei dieser handelt es sich um staatlich privilegierten Betrug und Diebstahl.

Ein Blick in die Geschichte hilft beim Verständnis. Schon im Mittelalter begannen die Banken mehr Kredite in Form von Banknoten zu verleihen, als sie Reserven in Form von Gold in ihren Tresoren hielten. Durch die vielfache Verleihung von angelegten Geldern war es ihnen möglich ihre Zinseinnahmen zu vervielfachen. Dieses Vorgehen ist einerseits clever, denn solange die Forderungen nicht gleichzeitig eingelöst wurden und stets genügend Goldmünzen im Tresor vorrätig waren (Mindestreserve), solange flog der Betrug nicht auf.

Andererseits ist dieses Vorgehen kriminell, denn die verbriefte Übertragung des Eigentums an einer Sache, beispielsweise einer Unze Gold, gleichzeitig an mehrere Personen, erfüllt den Straftatbestand des Betrugs. Man kann auch nicht Kopien eines Fahrzeugbriefs als Sicherheit für mehrere Kredite hinterlegen, ohne sich strafbar zu machen. Stellen Sie sich vor, ein Edelmetallhändler ihres Vertrauens, würde ihre dort hinterlegten Münzen einfach verkaufen und das nicht nur einmal, sondern als Forderung viele Male. Und genau dieser kriminelle Vorgang geschieht seit Jahrhunderten bei dem Prozess der Geldschöpfung im Bankensystem.

Monarchen begannen im Mittelalter von dem Geldbetrug zu profitieren und wurden an der Beute beteiligt, was dazu führte, dass kreditgelderzeugende Banken von den Staaten ein einmaliges Privileg für diesen Betrug erhielten, was man heute euphemistisch als "Geldschöpfung im Bankensystem" bezeichnet. Seither existiert das Bankensystem in einer Symbiose mit Staaten parasitär auf Kosten der Bevölkerung.

Vollgeld ist folglich nichts exotisches, sondern Normalität in Staaten, in denen Eigentumsrechte konsequent geschützt und Betrug verfolgt wird. Vollgeld wäre daher der Normalzustand in jedem libertären Utopia.


Schädliche Folgen der Geldschöpfung aus dem Nichts

Thorsten Polleit behauptet in seinem Artikel auch, dass das Vollgeld "nicht … die gefürchteten Finanz- und Wirtschaftskrisen" verhindern könne, was er damit begründet, dass auch Notenbanken die Geldmenge ausweiten würden.

Diese Behauptung ignoriert die Konjunkturtheorie der Österreichischen Schule. Ludwig von Mises hatte diese bereits in ihren Grundzügen ausgearbeitet und Friedrich August von Hayek erhielt für die Komplettierung dieser Theorie 1974 sogar den Nobelpreis. Nach dieser sorgt die künstliche Ausweitung der Geldmenge im Bankensystem für einen konjunkturellen Aufschwung, der sich selbst nährt. Anstatt dass steigende Zinsen in einem kapitalistischen Vollgeldsystem eine ausartende Fehlallokation von Kapitalgütern verhindern, sorgt die betrügerische Ausweitung der Geldmenge im privilegierten Bankensystem dafür, dass die Geldmenge ohne einem Anstieg der Zinsen ausgeweitet werden kann.


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