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Gold, der zweite Weltkrieg und Operation Fish

16.06.2018  |  Frank Holmes
Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, den exzellenten Film Darkest Hour aus dem Jahr 2017 sehen zu können. Er handelt vom britischen Premierminister Winston Churchill und seinen Bemühungen, das Vereinigte Königreich weiterhin den Kampf gegen die Nazis zu führen, sogar als ihn Mitglieder seiner eigenen Regierung zur Kapitulation drängten. Gary Oldmans Darstellung des knallharten Landesoberhauptes ist abwechselnd mal sanft, mal stürmisch - und den Oskar als bester Schauspieler wahrlich wert.

Ich empfehle jedem, sich diesen Film anzusehen, egal ob Interessierter am zweiten Weltkrieg oder nicht.

Das brachte mich jedoch dazu, über die wichtige Rolle nachzudenken, die Gold in der Finanzierung des Krieges spielte. Oder über das wagemutige Unterfangen des Vereinigten Königreiches, zu verhindern, dass seine Goldbestände in die Hände Adolf Hitlers fallen könnten, sollten die Nazis den Inselkontinent erfolgreich überfallen und seine Zentralbank plündern. Schließlich tat Deutschland etwas Ähnliches in einer Vielzahl zentraleuropäischer Länder, bevor es das Vereinigte Königreich bedrohte.

Auch wenn dies nicht direkt in Darkest Hour angesprochen wird, schiffte das Vereinigte Königreich dennoch Goldbullion und andere Vermögenswerte im Wert von mehreren Milliarden Dollar über den Atlantik und zu einem sicheren Ort in Kanada. Die Mission mit dem Codenamen "Operation Fish" ist noch immer die größte Bewegung physischen Reichtums in der Geschichte der Menschheit.


Deutschlands wirtschaftliche Engpässe

Warum also war Hitler so an Gold interessiert?

Um dies zu beantworten, müssen wir zurück in die 1920er Jahre. Zu dieser Zeit hatte Deutschland mit ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Es musste sich mit noch nie dagewesener Hyperinflation auseinandersetzen, die als eine der schlimmsten derartigen Ereignisse der Weltgeschichte bekannt wurde.

Das war offensichtlich ein Problem für Hitler, der nach seiner Amtseinsetzung als Reichskanzler 1933 die Remilitarisierung Deutschlands in Bewegung brachte und damit direkt gegen den Versailler Vertrag verstieß. Da das westeuropäische Land nicht sonderlich ressourcenreich ist - mit der Ausnahme von Kohle - hätte alles, von Aluminium bis Zink, importiert werden müssen, um die Waffen, Panzer, Schiffe und Kampfflugzeuge zu produzieren, die für einen längerfristigen Krieg in der Ära der fortschrittlichen Maschinen benötigt wurden.

Aber es war die Große Depression, die die deutsche Wirtschaft genauso erstickt hatte, wie die der Vereinigten Staaten. Die Arbeitslosigkeit stieg auf bis zu 30%. In seiner Antrittsrede im Radio versprach Hitler, durch "einen gemeinsamen und allumfassenden Kampf gegen die Arbeitslosigkeit" die "große Aufgabe der Reorganisation unserer Volkswirtschaft zu bewältigen".

Ähnlich wie Roosevelts New Deal in den USA kümmerte sich Hitlers Regierung um die Arbeitslosigkeit, indem auf Defizitfinanzierung zurückgegriffen wurde. Dadurch wurden große öffentliche Projekte wie die Autobahnen, Eisenbahnen, Immobilien und mehr finanziert.

Der Plan funktionierte. Innerhalb von vier Jahren - wie versprochen - wurde die Arbeitslosigkeit praktisch besiegt. Es wird gesagt, dass man sich heute an Hitler als das beliebteste Oberhaupt des 20. Jahrhunderts erinnern würde, wenn er 1936 oder 1937 hier aufgehört hätte.

Jedoch nahm Hitler eine viel aggressivere Haltung gegenüber der nationalen Wiederaufrüstung an, um die verlorene Würde Deutschlands wiederherzustellen - dem Versailler Vertrag zum Trotz. Was ihm im Weg stand, waren nicht nur die fehlenden Ressourcen seines Landes, sondern auch die Tatsache, dass viele Lieferländer Deutschlands wertlose Währung nicht akzeptierten. Stattdessen wollten sie in ihrer eigenen Währung bezahlt werden oder einer anderen internationalen, umwandelbaren Währung wie Schweizer Franken oder US-Dollar; oder eben Hartwährung.

Wie würde Deutschland dann für schwedische Eisenerze zahlen? Für rumänisches Öl? Für türkisches Chrom? Für portugiesisches Wolfram und spanisches Mangan?

Mit Gold.


Auf Gold vertrauen wir

Bevor wir fortfahren, möchte ich klarstellen, dass Hitler nicht mehr Respekt für das gelbe Edelmetall übrig hatte, als für menschliches Leben. Gold als Währung basiert auf Vertrauen, etwas das Hitler nicht besaß. Er hasste das Metall und all das, wofür es stand - aber er brauchte es, um seine Wiederaufrüstungsstrategie zu verfolgen.

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Während des zweiten Weltkrieges bevorzugten Deutschlands Lieferländer Gold anstatt der Reichsmark.


Walther Funk, Reichs-Wirtschaftsminister und Präsident der Reichsbank, bekräftigte die Verärgerung über die Abhängigkeit vom Gold:

"Was Währung angeht, ist Gold uninteressant für uns", so Funk 1940. "Wir brauchen es nicht, um eine Währung zu decken - die von Preis-, Volumen- und Lohnkontrolle gesteuert wird - sondern nur, um Abrechnungssalden auszugleichen. "

In anderen Worten: Wir haben absolut keinen Nutzen für Gold - bis wir es brauchen.


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