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Bargeldlose Gesellschaft, Negativzinsen und Hyperinflation

11.07.2018
Stellen Sie sich ein Land vor, in dem Banken so gut wie kein Bargeld besitzen. Ein Land, in dem man in eine Bankfiliale geht und man mithilfe des Bankangestellten kein Geld auf das Konto einzahlen kann. Ein Land, in dem es sehr wahrscheinlich ist, dass man in einem Elektrofachmarkt oder Nachtclub weder Computer noch Drink mit Bargeld bezahlen kann.

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Willkommen in Schweden, dem Land der scheinbaren Bargeldlosigkeit! Auch, wenn die schwedische Riksbank vor Kurzem eine Vielzahl neuer und sehr farbenfroher Noten ausgab, auf denen Berühmtheiten wie die renommierte Kinderbuchautorin Astrid Lindgren und Filmregisseur Ingmar Bergman abgebildet sind, stürzte der Bargeldgebrauch vollkommen ab und sank von 100 Milliarden Schwedische Kronen (SEK) im Jahr 2010 auf 70 Milliarden SEK 2015. Mehrere Faktoren haben zu dieser Entwicklung beigetragen:

  • Seit vielen Jahren verwenden die meisten Schweden über 16 eine VISA-, Master-, oder Maestro-Bankkarte, um Zahlungen zu tätigen; selbst bei kleinen Beträgen unter 10 Dollar.

  • Schweden ist schon seit Langem Vorläufer bei der Entwicklung und Übernahme neuer IT-Technologien und ist eines der Länder mit der weltweit höchsten Dichte an Mobiltelefonen. Bereits 1999 besaßen mehr als 60% der schwedischen Bevölkerung ein Mobiltelefon.

  • Die Bereitschaft der Schweden, neue Technologien zu übernehmen, ist auch an der Verbreitung eines Zahlungssystems namens "SWISH" zu erkennen. Die SWISH-App ermöglicht es zwei Parteien, die ein schwedisches Bankkonto und eine schwedische Telefonnummer besitzen, gegenseitige Geldtransfers unmittelbar und vollkommen gebührenfrei durchzuführen. Sogar Händler verwenden SWISH, um Zahlungen anzunehmen.

    Es gibt obdachlose Menschen, die in Schweden Zeitungen verkaufen und dafür Zahlungen via SWISH akzeptieren. In Stockholm haben diese obdachlosen Verkäufer schon 2013 Kreditkartenzahlungen unter Verwendung von einer Smartphone-Erweiterung namens "iZettle" akzeptiert die ebenfalls in Stockholm entwickelt wurde.

  • In den letzten Jahren sind mehr als 70% aller Bankfilialen Schwedens bargeldlos geworden. Das bedeutet, dass eine Chance von 70% (oder höher) besteht, dass eine Bankfiliale, die Sie in Schweden betreten, nichts mit dem Bargeld anzufangen weiß, dass Sie einzahlen möchten.

  • In Schweden gibt es praktisch keine Zahlungen, die noch durch Schecks getätigt werden können, da die Banken schon seit Jahren keine Scheckbücher mehr herausgeben.

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Die technophilen Schweden

Einige dieser Fakten mögen unglaublich und sogar absurd für jemanden klingen, der nicht in Schweden lebt: Kein Bargeld auf der Bank? Obdachlose Menschen, die Kreditkartenzahlungen akzeptieren?

Aber ja, Schweden scheint extrem gewillt, neue bargeldlose Technologien zu akzeptieren - wie Kredit/Bankkarten sowie Zahlungen via Apps - und alte Methoden abzuschaffen - wie Bargeld und Schecks. All das mit wenig oder keinerlei Misstrauen gegenüber diesen neuen elektronischen Zahlungsmethoden.

Andere Länder haben dasselbe versucht. Singapur hat es versucht oder plante zumindest, ein neues elektronisches Geldsystem namens SELT oder "Singapore Electronic Legal Tender" auszuprobieren. In einem Bericht der OECD von 2002 stellte das Board of Commissioners of Currency (BCCS) - die vor der Fusion mit der Monetary Authority of Singapore (MAS) 2002 die einzige dortige Behörde war, die Währung ausgab - die angedachte Struktur des SELT-Systems vor. Dessen Ziel war die Verringerung des Bargeldgebrauchs und der damit einhergehenden Bearbeitungsgebühren.

Wie aus dem Bericht der OECD von 2002 hervorgeht, befand sich das SELT-System in einer sehr frühen Konzeptionsphase und wurde nur in äußerst wagen Zügen vorgestellt. Interessant ist jedoch, dass die BCCS 1998 ein strategisches Planungsseminar hielt, in dem ihre "Unternehmensvision" festgelegt wurde, SELT innerhalb von 10 Jahren einzuführen.


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