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Eine Idee, deren Zeit gekommen ist

17.07.2018  |  Dr. Keith Weiner
"On résiste à l'invasion des armées; on ne résiste pas à l'invasion des idées."

Das ist das Originalzitat von Victor Hugo aus dem Buch "Histoire d'un Crime" (Geschichte eines Verbrechens). Übersetzt bedeutet dies: Man kann Widerstand gegen die Invasion von Armeen leisten; jedoch nicht gegen die Invasion von Ideen. Jedoch gibt es mehrere Alternativübersetzungen, bei denen versucht wird, die Idee hinter diesem Zitat einzufangen, anstatt die exakte Bedeutung wiederzugeben. Eine der berühmtesten Übersetzungen ist wohl:

"Nichts kann eine Idee stoppen, deren Zeit gekommen ist."

Das ist bereits an sich eine mächtige Idee (wir haben bemerkt, dass sie zum Teil fälschlicherweise sowohl Gandhi als auch Martin Luther King zugeordnet wurde). Und sie ist von großer Tragweite, zumindest für Ideen zur Gesellschaftsorganisation und zur Staatsführung.

Erstens: Eine Idee wird nicht übernommen, solange ihre Zeit nicht gekommen ist. Zweitens: Es sind Ideen, die unsere Geschichte vorantreiben. Ist die Menschheit für eine neue Idee bereit, verändern sich unsere Institutionen. Hugos obiges Zitat stammt aus der Zeit der französischen Revolution. Die französische Bevölkerung konnte das sogenannte Gottesgnadentum einfach nicht länger unterstützen.

Es mag wie gesunder Menschenverstand scheinen, dass es diesen ewigen Konflikt zwischen der Elite und dem gemeinen Volk gibt. Jedoch sprechen sich die Menschen üblicherweise zu Gunsten des Status Quo aus. Veränderungen können angsteinflößend sein. Es mag zwar Probleme geben, doch der Mensch zieht es häufig, mit einem Übel zu leben, welches er kennt, als etwas Unbekanntes zu wagen. Selbst diejenigen, die das System kritisieren, mögen mit ihrer bequemen Oppositionsrolle zufrieden sein (mit reichlich Gehalt und Besitz oder einer bequemen Think-Tank-Position).

Drittens: Wenn die Menschen den Status Quo nicht länger akzeptieren wollen, dann ist es Zeit für eine neue Idee. Und wehe der Regierung oder Armee, die versucht diese zu unterdrücken.

Viertens: Die Zeit einer neuen Idee bricht nur an, wenn eine alte Anschauung unvertretbar geworden ist. Wir sind weder Historiker noch Experten des späten 18. Jahrhunderts in Frankreich. Aber wir stellen uns den letzten Louis der französischen Geschichte - Nummer XVI - als einen Mann vor, der zwischen seiner Willkür und dem verzweifelten Bedürfnis geliebt zu werden, stand. Er erhielt seine Macht an einem Zeitpunkt der Geschichte, an dem die Monarchie das Land in tiefe Schulden getrieben hatte. Er scheiterte an einer Problemlösung und obwohl er geliebt werden wollte, hasste ihn sowohl die Bauernschaft als auch der Adel. Interessanterweise heißt es auf Wikipedia:

"… auch wenn der König dieselbe absolute Macht wie seine Vorgänger besaß, so fehlte es ihm an persönlicher Autorität, die für die ordnungsgemäße Funktion des Absolutismus von höchster Bedeutung war."

Das veranschaulicht unsere fünfte Annahme, dass Ideen nur an Bedeutung gewinnen, wenn ihre Zeit gekommen ist. Die alte Anschauung wird jedoch nicht einfach aufgegeben, weil sie schlecht ist. Es ist selbstverständlich, dass sie schlecht ist. Doch das war sie schon seit hunderten von Jahren, ohne dass sich je etwas änderte. Laut Wikipedia - das sollten Sie demnach mit Vorsicht genießen - setzte eine absolute Monarchie einen König mit einer Herrschernatur voraus.

Wenn es eine Krise gab und ein neuer König gekrönt wurde, der diese Natur nicht besaß, "funktionierte" der Absolutismus nicht länger "ordnungsgemäß". Sehen Sie? Selbst Wikipedia, geschrieben von relativ freien Menschen, die in ihrem Leben noch nie unterdrückt wurden, bestätigen, dass die alte Idee funktionierte.

Und wenn sie nicht länger funktioniert, dann ist es Zeit für eine neue Idee.

Wir glauben sicherlich daran, dass der kreative Denker, der sich eine neue Idee einfallen lässt, die vollständige Anerkennung dafür verdient. Jedoch gibt es einen Unterschied zwischen denjenigen, die in Frustration sterben (vielleicht wurde ihre Idee nach ihrem Tod übernommen) und denjenigen, die erfolgreich sind, zu großen Anführern berufen und als Visionäre angesehen werden. Der Zeitpunkt. Um eine Pflanze anzubauen, benötigen Sie sowohl Samen (die Idee) als auch nährstoffreichen Boden (den richtigen Zeitpunkt).


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