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Gold und die Türkei: Eine einzigartige Beziehung

01.08.2018  |  John Paul Koning
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Aufgrund der Einführung des ROM im Frühjahr 2011 stiegen die Bankeinlagen bei der TCMB von 0 Tonnen auf bis zu 417 Tonnen im Spätjahr 2014 und sanken danach auf 260 Tonnen, bevor die Menge bis zum heutigen Zeitpunkt wieder auf 327 Tonnen stieg. Währenddessen blieb die Goldmenge, die sich offiziell im Besitz der türkischen Zentralbank befindet, von 2011 bis 2017 unverändert bei 119 Tonnen. Das bedeutet, dass alle Veränderungen der Goldmenge in der Bilanz der Zentralbank (bis Mitte 2017) auf die Nutzung des ROM-Programms durch verschiedene Geschäftsbanken zurückzuführen waren und nicht auf offiziellen Veränderungen der türkischen Goldbestände.

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Gold in der Bilanz der TCMB, aufgeteilt in Kategorien


Die Dinge änderten sich Mitte 2017, als die Türkei endlich begann auf offizieller Basis Gold zu erwerben. Seitdem haben sich die Goldbestände von 119 Tonnen auf mehr als 244 Tonnen verdoppelt. Das ist angeblich dem Eingreifen von Staatsoberhaupt Erdogan zu verdanken, der scheinbar eine Schwäche für das gelbe Edelmetall hat.

Der Reserve Option Mechanism wurde 2016 weiter ausgebaut, als es die TCMB den Banken erlaubte, weitere 5% ihrer benötigen Reserven in Form von Bruch- oder Altgold zu halten. Die bereits existierende 30%-Tranche, die 2011 eingeführt wurde, hatte nur die Verwendung von Standardgold erlaubt - Goldbarren in verschiedenen Gewichten mit einem Reinheitsgrad von mindestens 995/1000, wie durch die Borsa Instanbul festglegt.

Indem sie es erlaubte, auch Altgold mit einem Reinheitsgrad von weniger als 995/1000 zur Erfüllung der Mindestreservevorgaben zu nutzen, hoffte die Zentralbank zusätzliche Goldersparnisse aus den Taschen der Bevölkerung heraus und ins Bankensystem zu ziehen. Dieser Mechanismus war allerdings nicht sonderlich beliebt. Laut dem Jahresbericht der TCMB von 2017 wurden per Ende 2017 nur 17% des durch diese Option geschaffenen Spielraums genutzt.

In einem Versuch, noch mehr Gold ins Bankensystem zu locken, begann die türkische Regierung im Jahr 2017 mit der Ausgabe von Goldanleihen und goldgedeckten Zertifikaten an die Öffentlichkeit. Die Einjahreszinsen dieser Anleihen betrugen 2,4%. In der ersten Runde, die vom 2. bis zum 27. Oktober 2017 stattfand, wurden jedoch nur 2,5 Tonnen Gold in diese Finanzprodukte umgewandelt, während die zweite Runde, die vom 26. März bis zum 20. April 2018 stattfand, 1,9 Tonnen heranschaffte. (Die Zahlen wurden dem Bericht der TCMB über die Finanzstabilität vom Mai 2018 entnommen.)

Angesichts der geringen Goldmenge, die durch Anleihen und Zertifikate gesammelt wurde, kann man diese Bemühungen nur als Misserfolg bezeichnen.


Schlussfolgerung

Die Kampagne der Türkei, "verstecktes Gold" ins Bankensystem zu locken, war nicht sonderlich erfolgreich. Weder der ursprüngliche Reserve Option Mechanism von 2011 noch dessen Altgold-Erweiterung von 2016 haben konnten die Bevölkerung dazu bringen, größere Mengen physischen Goldes unter ihren Matratzen hervorzuholen. Die kürzlichen Versuche, Goldanleihen und -zertifikate an die Öffentlichkeit auszugeben, sind ebenfalls gescheitert.

Wahrscheinlich wird die türkische Regierung ihre Bemühungen verstärken müssen, wenn sie wirklich einen bedeutenden Anteil der 3.500 Tonnen "versteckten Goldes", das sich angeblich im Besitz der türkischen Bevölkerung befindet, in das Bankensystem locken möchte. Das könnte einer deutlich größeren Goldtranche im Rahmen des ROM-Programms oder höherer Zinsen auf Goldanleihen bedürfen. Wie es aussieht, haben 2,4% Zinsen auf Goldanleihen die Öffentlichkeit einfach nicht gut genug dazu motiviert, ihr Gold aufzugeben.

Die Verwendung weiterer Ressourcen, um das Gold aus seinen Verstecken zu locken, wird jedoch nur zu Lasten der türkischen Steuerzahler möglich sein. Ist es das wert? Werden die Bemühungen verstärkt, das versteckte Gold der türkischen Bürger einzusammeln, dann werden die angeblichen Vorteile, die dieses Gold für die Finanzwirtschaft des Landes hätte, künftig wahrscheinlich von den Kosten und dem Aufwand überschattet, der nötig sein wird, um die Zuneigung der Menschen für das gelbe Metall zu überwinden.


© JP Koning
BullionStar



Der Artikel wurde am 23. Juli 2018 auf www.bullionstar.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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