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Dr. Engelhardt: Wege zur Wiedereinführung des Goldstandards und die Gefahren der Inflation

28.08.2018  |  Mike Gleason
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Wie wir sehen gibt es also all diese kleinen Veränderungen auf dem Mikroniveau, die die Leute in ihrem Leben machen, die wir aber nicht berücksichtigen. Der Verbraucherpreisindex ist die bekannteste Möglichkeit, die Inflationsrate zu messen, aber nicht die einzige. Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Maßstäbe und jeder von ihnen hat bestimmte Schwächen.

Dann ist die Frage, was der Sinn eines Inflationsziels ist, wenn wir wissen, dass jeder dieser Maßstäbe den Wert, den wir letztlich erreichen wollen, falsch wiedergibt. Und es ist nicht immer absehbar in welche Richtung und wie stark der Wert verzerrt wird. Wir werden niemals herausfinden, ob wir ihn überhaupt erreicht haben. Das ist für mich ein recht wichtiges Problem.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Sprache im Grunde genommen misshandelt wird. Ziel der Federal Reserve sollte die "Preisstabilität" sein und komischerweise bedeutet das, dass die Preise um durchschnittliche 2% im Jahr ansteigen sollen.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber würde meine Größe um 2% im Jahr zunehmen, würde ich dies nicht unbedingt als stabil bezeichnen. Ich würde sagen, dass ich in Wirklichkeit sogar gewachsen bin. Ähnlich empfinde ich einen Preisanstieg von 2% im Jahr nicht als Stabilität, sondern als Preiswachstum.


Mike Gleason: Richtig, das genaue Gegenteil von Stabilität.

Dr. Lucas Engelhardt: Genau so ist es. Okay, vielleicht entwickeln sie sich nicht völlig unvorhersehbar, aber stabil ist das trotzdem nicht. Doch selbst wenn es vorhersehbar ist, zu was führt das? Nun, das verändert das Verhalten der Menschen. Wenn die Preise im Laufe der Zeit zunehmen, dann hat das zum Beispiel Einfluss auf unsere Entscheidung darüber, ob wir Rücklagen bilden oder in riskante Vermögenswerte investieren.

Als wir wussten, dass wir uns in einem System mit stabiler Währung befanden, wussten wir auch, dass der Goldstandard langfristig äußerst stabil war. Vergleicht man den möglichen Preisindex von 1650 mit dem von 1900, dann fällt auf, dass der Warenkorb praktisch dasselbe gekostet hätte. Über eine Zeitspanne von 250 Jahren hinweg gab es nur extrem geringe Veränderungen und keinen allgemeinen Trend. Das bedeutet, dass der Besitz von Geld in einer solchen Gesellschaft an sich keine wirklich schlechte Investition ist.

Das macht es sehr einfach für Leute, die ein relativ geringes Einkommen besitzen. Man muss nicht sonderlich gut über Aktien informiert sein oder gut Bescheid darüber wissen, wie der Finanzmarkt funktioniert. Man hält einfach an seinen Goldmünzen fest, bis man diese benutzen möchte. Und das funktioniert für die meisten Leute ganz gut. Aber in einem System wie unserem verliert all Ihr Geld jedes Jahr 2% seines Wertes, wenn die Fed ihr Ziel erreicht. Das möchte man nicht.

Man beginnt, nach anderen Anlagemöglichkeiten zu suchen, die gewisse Kapitalerträge versprechen. Und aufgrund des aktuellen Zinsniveaus wissen wir, dass es nichts bringt, sein Geld einfach auf einem Sparkonto zu lagern - eine relativ sichere und einfache Angelegenheit. Ich weiß, dass ich auf mein Sparkonto 0,01% Zinsen erhalte, was man genauso gut auf Null abrunden könnte. Also muss man nach riskanteren Optionen suchen und hier wird das Wissen über die Finanzmärkte viel wichtiger.

Es scheint - und ich bin nicht der einzige, der so denkt - als wäre Inflation eine entscheidende Triebkraft hinter gesellschaftlichen Phänomenen wie Ungleichheit. Sie macht es Geringverdienern viel schwerer als Großverdienern. Eben weil sie all diese relativ einfachen, relativ stabilen Möglichkeiten der Investition entfernt, die in einem System mit stabiler Währung verfügbar waren.


Mike Gleason: Ja, das schafft sicherlich eine weitere Kluft. Der normale Arbeiter oder Angestellte scheint derjenige zu sein, der am meisten von dieser Inflationspolitik betroffen ist. Nun, die Anhänger der Österreichischen Wirtschaftsschule sprechen viel über den Goldstandard, darauf haben Sie in Ihrer vorherigen Antwort hingewiesen. Dieser ist eine gute Möglichkeit, um die Politiker und die Staatsschulden unter Kontrolle zu halten. Wie würde man den Goldstandard in einer perfekten Welt wiedereinführen, Lucas, und welche Probleme glauben Sie, würde das korrigieren? Oder wäre eine andere Art der geldpolitischen Reform besser, um unsere Probleme zu lösen?

Dr. Lucas Engelhardt: Ja, das ist eine knifflige Frage. "Okay, es gibt ein System, das wir gut finden, aber wie kommen wir dorthin?"

Nun, es gibt eine Menge verschiedener Pläne, die einige der bekannten österreichischen Volkswirtschaftler entwickelt haben, um uns zurück zu einem Goldstandard zu führen. Ludwig Von Mises hatte einen Plan, dessen erster Schritt vorsah, keine zusätzlichen Papierdollars mehr auszugeben. Wenn sich der Goldpreis anschließend stabilisiert, würden wir einfach verkünden, dass es nun einen festen Umrechnungskurs zwischen Dollar und Gold gibt. Und dann würde es auch eine Behörde geben, die garantiert, dass Dollars jederzeit in Gold getauscht werden können und umgekehrt.

Sagen wir also, der Goldpreis stabilisiert sich bei etwa 2.500 Dollar je Unze. In diesem Fall kann man zu dieser Behörde gehen, 2.500 Dollar aushändigen und eine Unze Gold zu erhalten. Wenn man eine Unze Gold aushändigt, dann bekommt man wiederum unter Garantie 2.500 Dollar. Auf diese Weise würde die Papierwährung, die wir aktuell verwenden, wieder so gut wie Gold, da sie tatsächlich durch Gold gedeckt wäre.

Darüber hinaus schlug er vor, größere Banknoten abzuschaffen. Wobei er zum Zeitpunkt, als er dies schrieb, bereits eine 5-Dollar-Note als große Banknote empfand... was uns viel über die Preisentwicklungen der letzten Jahrzehnte sagt.

Er meinte, dass wir all diese großen Banknoten abschaffen müssen und stattdessen Goldmünzen verwenden sollten. Man müsse die Menschen an die Idee gewöhnen, dass Gold tatsächlich Geld ist, damit sie eine psychologische Verbindung zu dem Metall an sich aufbauen.

Also habe ich einige Berechnungen durchgeführt, um herauszufinden, wie viel beispielsweise ein 10-Cent-Stück aus Gold wert wäre. Es stellte sich heraus, dass sein Wert bei etwa 120 Dollar läge. Was Sinn ergibt, wenn man die Goldpreise betrachtet. Eine Unze Gold kostet etwa 1.200 Dollar, und ein 10-Cent-Stück ist etwa ein Zehntel einer Goldunze wert.


Mike Gleason: Ja, wir sprechen oft darüber, dass die Goldprodukte mit einem Gewicht von 1/10 Unze, die wir verkaufen, sehr nahe an der Größe eines 10-Cent-Stücks liegen.


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