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Das jährliche Minenangebot: Ist es wirklich so wichtig?

18.09.2018  |  Ronan Manly
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Aber selbst in den veröffentlichten Reservedaten der USGS scheinen die Reserveschätzungen unterschätzt worden zu sein und manches Mal scheinen die Goldreservedaten des USGS eher statisch als "dynamisch". Betrachtet man die USGS-Schätzung der 54.000 Tonnen weltweiter Goldreserven genauer, dann stammen nur 2.000 Tonnen vom weltweit führenden Goldproduzenten China. China hingegen gab Ende 2016 bekannt, dass es viel höhere 12.100 Tonnen identifizierter, unterirdischer Goldreserven besitze.

Ähnlich stammen laut der USGS-Schätzungen nur 5.500 Tonnen nicht geförderter Goldreserven von dem drittgrößten Goldproduzenten Russland, wohingegen die russische Föderation behauptet, sie besitze 12.500 Tonnen identifizierter Goldreserven. Mit diesen beiden großen Gold produzierenden Ländern, China und Russland, wären das weitere 17.000 Tonnen identifizierter Goldreserven, die von der USGS nicht in den heutigen Gesamtreserven widergespiegelt werden. Es mag vielleicht verschiedene Datenmethodiken geben, um Goldreserven und Goldressourcen zu definieren, aber diese Abweichungen unterstreichen die Tatsache, dass es keinen gemeinsamen Wert für das förderbare Gold gibt.

Technologischer Fortschritt in der Goldbergbaubranche und der Verarbeitung kann die identifizierbaren Ressourcen (Ressourcen, die möglicherweise förderbar sind) über die Zeit hinweg ebenfalls zu Reserven und unentdeckte Ressourcen (angenommene Menge in Mineralvorkommen) zu identifizierbaren Ressourcen machen. Diese Fortschritte und Entdeckungen steigern demnach über die Zeit hinweg die Menge an Goldreserven. Ähnlich werden einige Goldvorkommen, die zu einem Goldpreis X nicht wirtschaftlich förderbar sind, zu einem höheren Goldpreis X wirtschaftlich förderbar.


Bestand vs. Fluss: Der Schlüssel zu den oberirdischen Beständen

Doch sind die kurzfristigen Veränderungen des jährlichen Goldangebots auf grundlegender Ebene eigentlich wichtig? Spezialisierte Goldberatungsunternehmen wie GFMS und Metals Focus, die die jährlichen Goldbergbauzahlen regelmäßig errechnen, würden mit Ja argumentieren, aber ihre Fixierung auf das jährliche Goldangebot überspielt die Tatsache, dass es große Mengen oberirdischen Goldes gibt, die die Charakteristika von Goldinvestitionen (z.B. Wertanlage, Portfoliodiversifikation und Eigenschaft als sicherer Hafen), die Entwicklungen des Goldpreises und die wechselnden Richtungen der Goldflüsse zwischen Ost und West beeinflussen.

Beinahe das gesamte Gold, das jemals in der Geschichte gefördert wurde, existiert noch immer als Teil dieses oberirdischen Goldbestandes, ob in Form von Goldschmuck, Goldbeständen von Zentralbanken, Gold aus privaten Beständen als Goldbarren oder Münzen und Gold, das für industrielle oder technologische Anwendungsbereiche verwendet wurde. Das macht etwa 192.000 Tonnen, laut dem World Gold Council (WGC) oder - laut denen, die die Zahlen des WGC als zu gering empfinden - deutlich mehr.

Unter Verwendung der WGC-Zahlen würde das bedeuten, dass der jährliche Fluss neuen Goldes, das aus dem Bergbau stammt, (etwa 3.100 Tonnen) nur etwa 1,6% des gesamten oberirdischen Goldbestandes ausmacht. Oder in anderen Worten: Der oberirdische Bestand an Gold ist etwas 62-mal so groß wie der jährliche Zufluss neuen Goldes aus der Goldbergbaubranche. Das bedeutet, dass das Verhältnis zwischen Bestand und Fluss äußerst hoch ist.

Der Großteil dieses oberirdischen Goldes wird zum Sparen und als Wertanlage (einschließlich in Form von Goldschmuck) gehalten. Und obwohl ein Großteil des oberirdischen Goldes nicht gehandelt wird, besitzt es das Potenzial gehandelt zu werden und kann, abhängig vom Goldpreis, in den hochliquiden weltweiten Goldmarkt eintreten. Deshalb erweitert diese deutlich größere Menge oberirdischen Goldes die Definition des Goldbestandes dramatisch.

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Oberirdische Bestände - Eine Wertanlage

Der Besitz physischen Goldes als Wertanlage funktioniert genau deshalb, weil es sehr große Mengen oberirdischen Goldes gibt. Anders als andere Metalle, die zum Verbrauch produziert werden (einschließlich Silber bis zu einem gewissen Maß), gilt physisches Gold als monetäres Metall, weil es selten, fassbar, nicht entwertet werden kann und keinerlei Gegenpartei- oder Zahlungsausfallrisiko besitzt. Physisches Gold wird also allgemein dazu produziert, angesammelt und als Wertanlage und Inflationsabsicherung verwendet zu werden.

Diese Goldansammlung seit Anbeginn der Zeit bis heute ist der Grund für den aktuell äußerst großen Bestand oberirdischen Goldes. Ein Bestand, der konstant zunimmt, jedoch mit einer langsamen und stabilen Geschwindigkeit im Verhältnis zur Größe des Gesamtbestandes. Deshalb ist der Wert dieses gesamten oberirdischen Goldbestandes relativ stabil. Und über längere Zeitspannen hinweg ist die Kaufkraft des Gesamtbestandes an Gold (der nicht entwertet werden kann) stabil gegenüber den Preisen anderer Waren.

Die Kaufkraft des Goldes bleibt über längere Zeitspannen hinweg beinahe konstant. Betrachten Sie beispielsweise die bekannte Studie von Roy Jastram mit Namen "The Golden Constant", in der er Goldpreisindices und allgemeine Preisindices konstruierte und herausfand, dass die Kaufkraft des Goldes, auch wenn sie schwankte, weitgehend über längere Zeitspannen hinweg stabil blieb. Jastrams Studie wurde 2009 von Jill Leyland aktualisiert. Wie Leyland in einer Erklärung zur konstanten Kaufkraft des Goldes schrieb, das es zur idealen Wertanlage macht:

"Die allgemeinen Angebots- und Nachfragefundamentaldaten des Goldes unterstützen diese Stabilität. Gold ist ein seltenes Metall und die jährliche Zunahme seines Bestandes macht einen kleinen Teil des oberirdischen Bestandes aus. Das meiste Gold wird in einer Form gehalten, die es einfach macht, es zurück auf den Markt zu bringen, sollten die wirtschaftlichen Umstände dies vorschreiben, und hilft demnach bei der Stabilisierung von Preisschwankungen."


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