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Markteinschätzung Metalle

06.09.2018  |  Markus Mezger
- Seite 5 -
Glaubwürdigkeit der US-Wirtschaftspolitik steht auf dem Spiel

Zumal die Notenbank zuletzt von der US-Regierung unter Druck gesetzt wurde. Herrn Trump ist aufgefallen, dass höhere Leitzinsen auch höhere Refinanzierungskosten für Staatsschulden bedeuten. Dies mißfalle ihm und die Notenbank möge sich doch bei künftigen Leitzinsschritten zurückhalten. Diese Äußerung gehört sicher in die (noch zu schreibende) Monographie "Münchhausen Economics". Mit niedrigen Zinsen könne der Staat mehr an andere Stelle ausgeben und die US-Wirtschaft wäre noch stärker.

Eine US-Verwaltung, die bei guter Konjunktur Haushaltsdefizite von 4% des BIP fährt, die Staatschuldenquote seit dem Jahr 2000 von etwas über 40% auf über 110% katapultiert hat und sich dabei auch noch über zu hohe Zinszahlungen beklagt ist wohl genauso idiotisch wie die dem Autor dieser Zeilen auch schon zu Ohren gekommene Forderung, die staatliche Notenbank möge doch alle ausstehenden Staatsschulden kaufen, dann sei das Staatsschuldenproblem doch ganz einfach gelöst.

Wenn sie Leute, die solche Forderungen unterstützen, in Zwangsjacken und in Gummizellen antreffen, so mag dies für eine Volkswirtschaft noch kein größeres Problem darstellen. Wenn diese Leute aber Regierungsämter bekleiden, dürfen sie ruhig noch die ein oder andere Unze Gold zukaufen.

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Zumal die hohen Staatschulden noch eine weitere Problematik bergen: die mit rund einem Drittel relativ hohe Auslandsverschuldung der USA. Die Gläubiger sind u.a. China und Japan, gerade diejenigen Staaten, die die US-Administration im Zollstreit angreift. Es braucht schon eine besondere Logik, um davon auszugehen, dass die Staatsdefizite der USA weiterhin von China finanziert werden, wenn der einzige Grund dafür, die bilateralen Handelsüberschüsse Chinas gegenüber den USA, wegfallen sollen. "Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem". Dieser in den siebziger Jahren vom damaligen US-Wirtschaftsminister Connally geäußerte Satz scheint in Washington immer noch Gültigkeit zu besitzen.

Ein Teil der Kursverluste langlaufender US-Staatsanleihen der letzten 18 Monate dürfte auch auf die in den Augen internationale Gläubiger verminderter Bonität des US-Staates zurückzuführen sein. Ein derartiger Zinsanstieg wäre alles andere als bearish für Gold. Könnte es doch bedeuten, dass sich einzelne Zentralbanken bei der Allokation der Währungsreserven vom US-Dollar in Richtung Gold wegbewegen. Für die großen Währungsreserven der chinesischen und japanischen Notenbank ist der globale Goldmarkt für eine effektive Diversifizierung ihres Währungsreservenportfolios zu klein.

Zudem hat die chinesische Regierung eigene Pläne, die heimische Währung als frei konvertible Reservewährung zu etablieren und die Dominanz des US-Dollar in diesem Bereich zu brechen. Der US-Dollar verliert seit Jahren relativ an Boden. Sein Marktanteil an den Währungsreserven exklusive Gold steht noch bei 62,5%, nach über 70% vor 10 Jahren. Stark ansteigen dürfte hingegen der Anteil des chinesischen Yuan, der im ersten Quartal 2018 bei 1,39% stand. Gold dürfte von einem schleichenden Glaubwürdigkeitsverlust des US-Dollar profitieren, zumal Euro (s.u.) und Japanischer Yen mit eigenen Problemen zu kämpfen haben.

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Spekulative Anleger sind zum ersten Mal seit 2002 wieder netto short

Während sich der Makro-Datenkranz für den Goldpreis in US-Dollar in den letzten Wochen klammheimlich verbessert hat, haben viele spekulative Anleger, die die Hausse der Jahre 2004-2012 geprägt haben, endgültig das Handtuch geworfen. Die von der amerikanischen Futures-Kommission (CFTC) als große Spekulanten eingruppierten Marktteilnehmer (Non-Commercials) haben in den letzten Wochen über 200.000 Goldkontrakte, das entspricht 20 Mio. Unzen oder rund 640 Tonnen Gold, veräußert und sind zum ersten Mal seit dem 2002 wieder netto short am Goldmarkt positioniert.

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Prognose: Von technischer Unterstützung aufwärts bis 1.370 USD je Unze

Der Goldpreis in USD hat sich für dieses massive Verkaufsvolumen relativ gut gehalten und ist von 1.370 USD je Unze direkt auf die Unterstützung bei 1.180 USD gefallen. Diese hat erst einmal gehalten. Technisch ist der Weg damit frei für einen erneuten Kursaufschwung, ohne dass sich dadurch etwas am Gesamtbild einer langgezogenen, annähernd symmetrischen Bodenbildungsformation ändern würde. Ob dann mehr daraus wird, wird nicht zuletzt davon abhängen, wie lange die gegenwärtige Hochkonjunkturphase noch andauern wird.

Ein nachhaltiger Durchbruch durch die Marke von 1.400 USD würde meiner Ansicht nach einen globalen Konjunkturabschwung voraussetzen, der von den Notenbanken weltweit erneut mit dem Reflex einer starken Zentralbankgeldmengenausweitung beantwortet wird. Dies läßt sich aber nach heutigem Kenntnisstand nicht seriös terminieren, so dass das Kursziel vorerst der obere Widerstand in der Handelsspanne bei ca. 1.370 bleibt.


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