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Münzen aus Liechtenstein: Die numismatische Geschichte des Fürstentums

08.09.2018  |  Presse
Bern, September 2018 - Anfang des Jahres 1719 wurden die Grafschaft Vaduz und die Herrschaft Schellenberg am Alpenrhein vereinigt. Dies war freilich mehr als nur ein formaler Verwaltungsakt. Tatsächlich gilt der 23. Januar 1719 als "Geburtsstunde" des Fürstentums Liechtenstein, so wie wir es bis heute kennen.

Seither wurden zahlreiche, bei Numismatikern sehr geschätzte Umlauf- und Gedenkmünzen geprägt, in denen sich die Geschichte des kleinen Landes und seiner Monarchie widerspiegelt.


Die "Geburtsstunde" des Vereinstalers

Die Geschichte des Fürstentums Liechtenstein seit seiner eigentlichen Geburtsstunde im Jahr 1719 lässt sich in zwei Phasen teilen. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs pflegte das kleine Land sehr enge Beziehungen zum Nachbarn Österreich. Danach begann die intensive Zusammenarbeit mit der Schweiz.

Seit dem Jahr 1852 war Liechtenstein durch eine Zoll- und Währungsunion mit der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie verbunden. Im sogenannten Wiener Münzvertrag von 1857 wurde Liechtenstein das Recht konzediert, für das Fürstentum bestimmte Münzen prägen zu lassen. Das war gleichsam die Geburtsstunde des bei Numismatikern bestens bekannten Vereinstalers aus dem Jahr 1862. Die Auflage war allerdings limitiert und an die Einwohnerzahl Liechtensteins gebunden. 24 Stück pro 100 Seelen durften damals geprägt werden. Seinerzeit zählte das Fürstentum rund 8000 Einwohner; mithin prägte das k.k. Hauptmünzamt in Wien total 1‘920 Vereinstaler.

Die Münze zeigt das Profil des damals erst 22 Jahre alten Fürsten Johann II. Er hatte bereits im Alter von 18 Jahren die Regentschaft übernommen und sollte als „der Gute“ in die Geschichte des Landes eingehen. Er förderte gezielt Kunst und Wissenschaft und modernisierte vor allem in den letzten Jahren seiner Regentschaft das damals weitgehend von der Landwirtschaft geprägte Fürstentum. Auf der Rückseite des Vereinstalers ist das Große Staatswappen mit der Ordenskette des Goldenen Vlieses zu sehen.

Diesen Münzen kam vor allem repräsentativer Charakter zu. Schon aufgrund der geringen Auflage spielte der Vereinstaler für den Geldumlauf keine nennenswerte Rolle. Zudem erwies sich der Vereinstaler als ausgesprochen unwirtschaftlich. Während die Prägung der Exemplare 4126 Gulden kostete, hatten die Vereinstaler nur einen Kurswert von insgesamt 2880 Gulden. Im Jahr 1880 kostete ein Vereinstaler 20 Gulden. Genau 30 Jahre nach seiner Einführung wurde diese Münze für ungültig erklärt.

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Begehrt bei Münzhändlern und Touristen

Kurz vor der Jahrhundertwende - im Jahr 1898 - wurden nach dem Gesetz zur Einführung der Kronenwährung die ersten Kronenmünzen geprägt. Auf ihnen ist ebenfalls Fürst Johann II. zu sehen, allerdings deutlich reifer und mit Bart. Das vielbeachtete Münzbild wurde vom Direktor der Wiener Graveur-Akademie, Anton Scharff, gestaltet. Von den 20-Kronenstücken kamen nur 1500 Exemplare in den Verkehr, ebenso von den goldenen 10-Kronenstücken im Jahr 1900.

Deutlich mehr Münzen wurden von dem großen, silbernen 5-Kronenstück in den Jahren 1900, 1904, 1910 und 1915 geprägt - insgesamt 40.000 Exemplare. Von den 2-Kronen-Silbermünzen gab es insgesamt 87.000 Stück, von den 1-Kronenstücken 50.000 im Jahr 1900. Bis 1915 wurden davon insgesamt 250.000 Stück geprägt. Sie ist damit bis heute die häufigste Liechtenstein-Münze.

Schon damals war sie bei Touristen und Münzhändlern sehr begehrt. Im Jahr 1914 waren diese Münzen zum größten Teil aus dem Umlauf verschwunden. Seit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs konnte die Wiener Münze nur noch in sehr geringem Umfang Silber und Kupfer beziehen. Nur dank der sehr guten Beziehungen zum Fürstentum Liechtenstein war es möglich, im Jahr 1915 weitere 1-Kronenstücke zu prägen.

Am 25. November 1919 musste sich das Parlament des Fürstentums mit einem anderen Problem befassen: Als Folge des Ersten Weltkriegs herrschte im Land akuter Mangel an Kleingeld. Daher wurde die Regierung beauftragt, Notgeldscheine herzustellen und in Umlauf zu bringen. Bereits am 5. Januar 1920 kamen die Notgeldscheine zu 10, 20 und 50 Heller auf den Markt, und zwar jeweils mit einer Auflage von 200‘000 Stück. Nicht über den Entwurf hinaus kam eine 100-Kronen-Banknote. Sie landete im Landesarchiv.

Nach dem Ersten Weltkrieg vertiefte das Fürstentum Liechtenstein seine Beziehungen zur benachbarten Schweiz. Daran hat sich bis heute nichts geändern, selbst wenn Liechtenstein außenpolitisch ab und zu andere Wege geht. So ist das Fürstentum im Gegensatz zur Schweiz Mitglied im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), einer vertieften Freihandelszone zwischen EU und EFTA.

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Die Ära der Frankenmünzen beginnt

Dennoch setzt Liechtenstein schon seit 1924 auf den Schweizer Franken, der seither offizielle Landeswährung ist. Allerdings wurden 1924 in der Eidgenössischen Münzstätte in Bern für das Fürstentum eigene Silbermünzen zu fünf, zwei, einem und einem halben Franken hergestellt. Die Auflage lag zwischen 10.000 und 95.000 Stück. Zum 11. November 1930 jedoch zog Liechtenstein seine Silbermünzen ein. Rund 77 Prozent der ausgegebenen Stücke landeten tatsächlich in den Schmelztiegeln der Eidgenössischen Münzstätte, womit der liechtensteinische Geldumlauf beendet war.

Gleichwohl durfte Liechtenstein weiterhin Goldmünzen als Souveränitätssymbole prägen lassen, die allerdings nicht als Zahlungsmittel galten. So kamen Anfang der 1930er Jahre 10- und 20-Franken-Goldmünzen in Umlauf (Auflage jeweils 2.500 Stück).

Im Jahr 1946 wurden als erste Münze des Fürsten Franz Josef II. jeweils 10- und 20-Frankenstücke mit dem Profil Seiner Durchlaucht geprägt. Das Wappen auf der Rückseite ist von elf Sternen umgeben, die für die 11 Gemeinden des Fürstentums stehen.

Das nur in Kleinstauflage geprägte 100-Franken-Stück aus dem Jahr 1952, bestehend aus über 29 Gramm Feingold, ist heute sicher die bekannteste liechtensteinische Münz-Rarität. Diese Gedenkmünze erschien zum zehnten Hochzeitstag des Fürstenpaares Franz Josef II und Fürstin Gina. Die später geprägten 25- und 50-Frankenstücke tragen das gleiche Münzbild wie das 100-Franken-Stück.

Auch zum 100jährigen Jubiläum der Liechtensteinischen Landesbank im Jahr 1961 beschloss der Landtag die Ausgabe von Goldmünzen zu 25 und 50 Franken mit einem neuen Porträt des älter gewordenen Fürsten. Die Münzen lagen zunächst in den Gewölben der Bank als Goldreserve; sie wurden jedoch erst ab 1985 in den Verkauf gebracht. Die bis anhin letzten Münzen wurden anlässlich der 200-Jahre Souveränität Fürstentum Liechtenstein im Jahre 2006 ausgeprägt.

Und so bleibt den Freunden der Liechtensteiner Numismatik die Hoffnung, dass anlässlich des 300-jährigen Bestehen des Fürstentums, welches am 29.Januar 2019 gefeiert werden darf, eine passende Gedenkmünze den Jahrhundertanlass numismatisch verewigen wird.

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Im Vorfeld zum 300-jährigen Bestehen des Fürstentums erschien nun eine in dieser Form einmalige, kostenlos abrufbare Online-Katalogisierung aller Liechtensteiner Münzen ab 1862, die dem Sammler einen hervorragenden Überblick gibt. Abgebildet sind darin nicht nur die Umlauf- und Gedenkmünzen des kleinen Fürstentums, sondern auch alle Probeprägungen und Materialproben. Vom Vereinstaler 1862 bis zur Gedenkmünze werden Varianten, Echtheitsmerkmale, Abarten und sogar die Original-Etuis gezeigt, sowie erstmals auch die Randinschriften genau nach Richtungsverlauf unterschieden. Nicht fehlen dürfen in einem solchen Überblick natürlich die Gutscheine in Notenform aus dem Jahr 1920.

Zusätzlich wurden alle sogenannten geslabten Münzen der beiden US-Firmen NGC und PCGS separat katalogisiert: Für Münzen in ausserordentlicher Qualität hat sich in den letzten Jahren ein eigener Markt mit z.T. sehr hohen Preisen entwickelt. Diesem Umstand soll mit dieser Qualitätsklassifizierung Rechnung getragen werden.

Die Katalogisierung der Liechtenstein-Münzen ist ab September 2018 Teil der Webseite www.schweizergeld.ch, welche vom Berufsnumismatiker Johannes Müller seit dem Jahre 2012 betrieben wird. Die Seite wird jährlich von weit über einer Million Numismatik-Interessierten besucht und laufend mit neu aufgearbeiteten Gebieten ergänzt.



© Johannes Müller
www.schweizergeld.ch



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