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Was auf Anleger zukommt

09.09.2018  |  Manfred Gburek
Die Schulden der Welt betragen aktuell mehr als das Dreifache der weltweiten Wirtschaftsleistung. Sie sind die logische Konsequenz aus den Maßnahmen, die seit 2008 ergriffen wurden, um eine tiefe Depression im Gefolge der Finanz- und Wirtschaftskrise zu verhindern. Die Schulden gehen auf das Konto von Staaten, Unternehmen, privaten Haushalten, Banken und Versicherern. Diese fünf Gruppen haben sich bisher geradezu ein Rennen um die Schulden-Führerschaft geliefert. Aber statt damit aufzuhören, machen sie einfach weiter.

Da drängt sich die Frage auf: Wann und wie wird dieses Spiel enden? Doch niemand kann die Frage beantworten, weder irgendeine Regierung noch eine Zentralbank oder die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich als Bank der Zentralbanken. Trotzdem tun alle so, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt, dass das Spiel mit den Schulden immer weiter geht. Und tatsächlich: Solange sich an dieser weit verbreiteten Mentalität nichts ändert und solange niemand weiß, ob das Schuldensystem womöglich erst beim Vier- oder Fünffachen der Wirtschaftsleistung die internationalen Finanzmärkte kollabieren lässt, ändert sich nichts.

Warum das so ist, kann man bis zu einem gewissen Grad sicher mit Erkenntnissen aus der Massenpsychologie begründen. Doch genaue Daten, aus denen hervorgeht, wann ein Mentalitätswechsel eintritt und ob beim Vier- oder Fünffachen Schluss ist, gibt es nicht, kann es auch nicht geben, weil sogar noch so gewiefte Ökonomen in diesem Punkt versagen.

Längst zahlen die Pappenheimer unter den Schuldnern - von maroden Staaten bis zu privaten Haushalten - ihre Altschulden mit Neuschulden ab. Dafür benötigen sie niedrige Zinsen, und siehe da, sie bekommen sie gewährt. Dazu nur ein kleines Beispiel, das sich auch auf andere Sparten übertragen lässt: Bis zu sechs Jahren Laufzeit sind derzeit die Zinsen für Bundesanleihen negativ. Und selbst 30-jährige kommen gerade mal auf etwas über 1 Prozent. Da lacht sogar dem drögen deutschen Finanzminister das Herz.

Die Auswüchse haben in den vergangenen Jahren überhand genommen. So sind Unternehmen Kreditrisiken eingegangen, indem sie sich für hohe Investitionen überschuldet haben. Private Bankkunden sind auf Kettenkredite reingefallen, erst jüngst aufgedeckt von der ZDF-Sendung Wiso anhand eines Targo Bank-Falles. Am allerschlimmsten dürfte es wohl die armen Teufel erwischen, die jetzt mit hohen Krediten in Immobilien einsteigen und sich etwas vormachen, indem sie von kommenden Wertsteigerungen ausgehen.

Doch die dürften ihnen zumindest in den nächsten fünf bis zehn Jahren verwehrt bleiben. Das Schlimme daran: Die schlafmützige Bundesregierung, die noch vor wenigen Jahren die Förderung des Wohnungsbaus ausgebremst hat, will diesen jetzt hinein in den überhitzten Immobilienboom subventionieren.

Was von alldem kommt auf private Anleger zu? Im Prinzip alles; es ist nur eine Frage der Zeit, der Intensität und des Ablaufs, der sich von einem bestimmten Punkt an nicht mehr steuern lassen wird.

Daraus folgt: Das Timing dürfte eine herausragende Rolle spielen. Zur Veranschaulichung zwei Beispiele. Erstens: Sollte es zu einem massiven Rückgang der Aktienkurse kommen, ist so gut wie sicher, dass ihm ein weiterer folgen wird. Denn erst dürften sich nur Anleger mit feinem Gespür für die Börse von Aktien trennen, danach die große Masse der übrigen Anleger. Also eine Art Börsen-Schichtbetrieb. Zweitens: Nachdem der Goldpreis die meisten Manipulationsversuche überstanden hat, dürfte er sich zu einer Rally vergleichbar der vom ersten Halbjahr 2016 aufschwingen. Erst danach wird sein Verlauf zeigen, ob sich genug Käufer finden, die den Preis weiter nach oben ziehen.

Psychologie kann in solchen Fällen allemal zum entscheidenden Faktor werden. Das gilt besonders für Anleger, die noch nicht genug Börsenerfahrung mitbringen. Typische Beispiele: der symbolische Griff ins fallende Messer (Aktienkauf bei fallendem Kurs), die Kauf-Hemmung bei extrem niedrigen, Angst erzeugenden Kursen, umgekehrt der Kaufrausch auf dem Kursgipfel, wie um das Jahr 2000 herum am Neuen Markt.

Psychologie spielt auch beim Engagement am Goldmarkt eine entscheidende Rolle, jedenfalls aus Sicht von Anlegern. Diese haben durchaus verschiedene Motive, wenn sie Gold kaufen oder verkaufen. Die einen, überwiegend reichen, legen grundsätzlich 5 bis 10 Prozent ihres Vermögens als eine Art Versicherung in Gold an. Andere sind eingeschworene Goldfans, die ihrem Schatz über alle Konjunkturen und Krisen, über Preisgipfel und -täler hinweg die Treue halten. Wiederum andere versuchen sich während längerer Aufwärts- und Abwärtsphasen im Timing, was zugegebenermaßen gründliche Recherchen erfordert und recht schwierig ist. Das gilt vor allem für Minenaktien mit ihren ausgeprägten Schwankungen.

Was hat das alles mit der eingangs beschriebenen Welt voller Schulden zu tun? Offenbar mehr, als den meisten Menschen bewusst ist. Dazu als Erstes dieses naheliegende Beispiel: Die Deutschen legen ihr Geld überwiegend in Geldwerten an, also in Konten, Lebensversicherungen, Anleihen, Renten- und Geldmarktfonds. Also in Schuldpapieren von fraglichem Wert. Sie wären gut beraten, bei passender Gelegenheit, also nach größeren und längeren Kursrückgängen (aber auf keinen Fall schon jetzt) in Aktien zu investieren. Da haben wir wieder das Timing-Dilemma. Doch lieber das damit verbundene vorübergehende Risiko eingehen als über Geldwerte enteignet zu werden.

Aktien sind gleichermaßen Substanz- und Ertragswerte, das Übergewicht mal zur einen, mal zur anderen Seite geneigt. Das macht den Umgang mit ihnen zu einer wahren Herausforderung. Aber die sollten Anleger bei passender Gelegenheit annehmen, auch wenn sie mit viel Arbeit verbunden ist. Immobilien sind, sofern sie vermietet werden, ebenfalls Substanz- und Ertragswerte. Nur haben sie im Gegensatz zu Aktien keine Kurse - was ihre Eigentümer allzu oft der Illusion verfallen lässt, Immobilien seien an sich etwas Wertvolles. Das gilt allerdings nur, wenn Lage, Infrastruktur und weitere Qualitätsmerkmale stimmen.

Kommen wir schließlich noch ein Mal zum Gold. Es ist kein Ertrags-, jedoch zweifellos ein Substanzwert, allerdings in erster Linie, wenn man seine Wertigkeit nach der Preisentwicklung im Verlauf von Jahren und Jahrzehnten misst. Dagegen kann sein Preis vorübergehend mehr oder weniger schwanken, was er zuletzt seit der Jahrtausendwende auch entsprechend gezeigt hat.

Das Beruhigende an der Geldanlage in Gold ist, dass man aufgrund jahrzehntelanger Erfahrungen eines ganz sicher weiß: Sein Preis kann nie auf null oder annähernd null sinken, im Gegensatz zu den auf riesigen Schulden beruhenden Geldwerten. Fehlender Ertrag hin oder her, bei Tiefspitzen - wie zurzeit - erscheint Gold besonders kaufenswert. Zumal die Schuldenberge dieser Welt wachsen und wachsen, sodass Gold jetzt besonders seine Versicherungsfunktion ausspielen kann. Mehr zum Gold, zu Aktien, zu anderen Anlagen und zur richtigen Anlagestrategie erfahren Sie über diesen Link.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu



Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

Neu bei gburek.eu: Mittelstandsaktien mal anders betrachtet


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