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Die dunklen Jahre sind da (II)

15.09.2018  |  Egon von Greyerz
Der Blick zurück ist die genaueste aller Wissenschaften. Die meisten Menschen, die ihr Leben mit Blick auf die Vergangenheit leben, haben ein tristes Leben. Nach einigen Jahren auf dieser Welt neige ich dazu, nicht zurückzublicken - vor allem nicht bei negativen Ereignissen. Unsicherheit zu akzeptieren ist da viel besser, weil alles, was von jetzt an passiert, ungewiss ist. Gegen die Vergangenheit können wir nichts ausrichten, über unsere Zukunft haben wir mit Sicherheit mehr Kontrolle. Und mit Blick auf die Zukunft scheint es ganz so, als ob sich die nächsten Jahre wirtschaftlich, sozial und auch politisch extrem turbulent gestalten werden.

Obgleich ich normalerweise nicht zurückblicke, habe ich mir einen Newsletter angesehen, den ich im Juli 2009 geschrieben hatte, als Gold bei knapp über 900 $ stand und der Dow bei 9.100 Punkten. Der Artikel mit dem Titel “The Dark Years are here” erregte damals ziemlich viel Aufmerksamkeit. Zu jener Zeit ging die Subprime-Krise zu Ende; der Dow war gerade erst um 60 % gefallen und Gold seit 1999 von 250 $ auf 925 $ gestiegen.

Ich riskiere hier meinen Kopf, weil (wie sehr häufig bei Vorhersagen) das Timing meiner Prognosen viele Fehler hatte. Man darf aber nicht vergessen, dass Risikoabsicherung wichtiger ist als richtiges Timing. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass der Risikoschutz wichtiger ist als die richtige Zeitplanung.

Am Ende des Artikels werde ich einige wichtige Schlussfolgerungen ziehen.


Die Dunklen Jahre sind da - geschrieben im Juli 2009

In diesem Newsletter werden wir die verheerenden Auswirkungen diskutieren, die Kreditblasen, staatliche Geldschöpfung und die katastrophalen Maßnahmen der Regierungen vermutlich haben werden. Beginnend in den nächsten 6 Monaten, und mit einer Hochphase in den Jahren 2011-12, wird die Welt eine Reihe von turbulenten Ereignissen erleben, die die Leben der meisten Menschen auf der ganzen Welt verändern werden. Die Jahre 2011-12 werden aber nicht den Beginn eines weltwirtschaftlichen Aufschwungs markieren, sondern den Beginn einer langen Periode wirtschaftlicher, politischer und sozialer Umbrüche, die einige Jahrzehnte andauern könnte.

Wir werden auf drei Bereiche eingehen, die wir seit einiger Zeit schon als jene drei Bereiche ausgemacht haben, die das Schicksal der Welt auf absehbare Zeit bestimmen werden: die bevorstehende Explosion der Arbeitslosigkeit, die nächste und viel folgenreichere Phase an den Kreditmärkten und schließlich die wahrscheinlich hyperinflationären oder inflationären Auswirkungen, die all das auf die Weltwirtschaft und den Invesment-Bereich haben wird.


Imperien sind auf Diebstahl, Plünderung, Sklavenarbeit und schließlich Geldschöpfung aufgebaut

Lassen Sie uns zunächst einen Blick auf die Geschichte werfen und analysieren, was ein Imperium und den damit verbundenen Wohlstand ausmacht.

Das British Empire entstand im 17. Jahrhundert und erreichte im 19. Jahrhundert unter der Herrschaft von Queen Victoria seinen Höhepunkt. Ende des 19. Jahrhunderts umfasste das British Empire fast 20% der Landoberfläche der Welt und 25% der Weltbevölkerung. Somit kontrollierte Großbritannien, das selbst weniger als 0,5% der Landfläche der Welt ausmacht, ein mehr als 50-mal größeres Imperium. Kein Wunder also, dass Großbritannien - durch den Einsatz von Sklavenarbeit und den Raub der Ressourcen in 20% der Welt - mehrere Jahrhunderte lang zu reichsten Nation der Welt werden konnte.

Aber wie alle Reiche trug auch das britische Imperium den Samen der eigenen Zerstörung in sich. Alle Imperien - ob mongolisch, römisch, osmanisch oder britisch etc. - hatten ihre Ressourcen militärisch wie auch finanziell überstrapaziert. In Kombination mit Dekadenz und Größenwahn führt dies zum Zusammenbruch eines Reiches.

Das US-Imperium unterscheidet sich dahingehend leicht von anderen, dass es nie die Welt eroberte - obwohl die USA selbst eine Kolonie waren, die von den ursprünglichen Bewohnern genommen und erobert wurde. Allerdings haben die USA in vielen Regionen interveniert (z.B. Korea, Vietnam, Afghanistan, Irak, etc.). Zudem existieren in 120 Ländern US-Militärstützpunkte. Ursprünglich waren die USA eine wirtschaftliche Supermacht, die auf Unternehmergeist und einem sehr starken Produktionsapparat basierte - gestützt von einer hart agierenden Militärmacht.

Nach dem Vietnamkrieg hatten die USA ihre Ressourcen jedoch überstrapaziert, und 1971 hob Richard Nixon den Goldstandard auf, um endlich mit intensiver Geldschöpfung beginnen zu können. Die Phase des Gelddruckens ist in der Regel die letzte Phase eines Imperiums, bevor es zusammenbricht. Die USA sind gerade in dieser Phase. Als das Land noch wirtschaftlich stark war, wurde der US-Dollar zur Reservewährung der Welt. Als die ökonomische Lage der USA in den 1960/70er Jahren jedoch schwächer wurde, fand die US-Regierung eine viel bessere Methode zur Aufrechterhaltung einer starken Wirtschaft.

Man begann, Papiere zu drucken, die an andere Nationen verkauft oder gegen Waren und Dienstleistungen eintauscht wurden. Seit fast 50 Jahren ist dies nun der cleverste Weg überhaupt, um den Lebensstandard einer Nation aufrechtzuerhalten, deren wirtschaftliche Lage sich verschlechtert, ohne dabei irgendwelche Ressourcen für den Aufbau des Imperiums aufwenden zu müssen. Es handelt sich dabei um ein Pyramidensystem, das seit mehreren Jahrzehnten funktioniert.

Doch langsam wacht die Welt auf und erkennt, dass sie wertloses, von der US-Regierung gedrucktes Papier besitzt. (Wir sind uns im Klaren darüber, dass es sich hierbei um eine stark vereinfachte Darstellung des Aufstiegs und Falls von Imperien handelt, nichtsdestotrotz ist es eine zutreffende Analyse).


US-Rregierung in Verweigerungshaltung

Die USA bluten finanziell wie wirtschaftlich aus. In den vergangenen 18 Monaten hat das Land zur Stützung des Finanzsystems fast 13 Billionen Dollar verliehen oder fest zugesagt. Das geschätzte öffentliche Defizit für das laufende Jahr beträgt knapp 2 Billionen Dollar, oder 50% des US-Haushalts. Alle bisher gebundenen Mittel haben nur zwei Dinge erreicht:

Sie haben erstens kurzfristige Hoffnungen geschürt, welche zusammen mit einer völlig illusionären Wahrnehmung positiver Frühsignale, sogenannter "Green Shoots", für eine kleine Aktienmarktkorrektur gesorgt haben (was wir im Januar-Newsletter prognostiziert hatten), und zu einer gewissen Überzeugung, dass die Krise ihrem Ende zugeht. Zweitens sind alle bisher gedruckten Mittel zur Rettung des Systems an die Wall Street geflossen, sie haben jedoch nichts für die Realwirtschaft getan. Ausnahmslos jeder Sektor der Realwirtschaft verschlechtert sich, sei es Produktion, Arbeitslosigkeit, Unternehmensgewinne, Immobilien, Kreditausfälle, Baugewerbe, Defizite auf staatlicher, bundesstaatlicher sowie kommunaler Ebene.

Und was tut die Regierung dagegen? Sie tut einzig und allein das, was sie gewohnt ist zu tun - sie druckt mehr Geld. Das ist der blanke Wahnsinn! Wie kann ein intelligenter Mensch glauben, dass gedruckte Papiere eine wirtschaftliche Katastrophe lösen können?

Wenn das der Fall wäre, könnten wir alle nach Hause gehen und Zettel ausstellen oder Monopoly-Geld verwenden, um es in den Geschäften auszugeben oder um unsere Schulden zu begleichen.

Warum können die US-Regierung, die britische Regierung und die meisten anderen Regierungen nicht verstehen, dass eine Wirtschaft nur nach dem sprichwörtlichen Prinzip "sich nach der Decke strecken" geführt werden kann. Den Mantel schneidert man auch entsprechend der verfügbaren Stoffgröße. Deshalb hatte der Kaiser keine Kleider, weil dem Land der Goldfaden zur Herstellung des Tuches ausgegangen war. Bislang konnten die USA und auch andere Länder sich das Tuch leisten, weil die Welt töricht genug war, wertlose Papiere als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Doch das wird sehr bald schon nicht mehr der Fall sein; viele Länder werden ohne Mantel und Stoff auskommen müssen.



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