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"Freiheit geht über Silber und Gold." - Über die Entstehung und das Scheitern unseres heutigen Schein-Geldes

05.12.2019  |  Robert Vitye
Das Erreichen einer ökonomischen und zivilisatorischen Hochphase ist ein im wahrsten Sinne des Wortes historisch-epochaler Prozess über mehrere Jahrhunderte.

Insbesondere das Zeitalter der Industrialisierung bereitete ein vormals nie dagewesenes Niveau des Wohlstands und ermöglichte parallel eine kulturelle Blütezeit. Beides geht Hand in Hand und ist unbestritten den Wirkungsmechanismen des Marktes zu verdanken - dem Ort des Handels und des Informationsaustausches aller Teilnehmer, dem Ort des Lernens über vorhandene persönliche Präferenzen, des Identifizierens und Linderns von Knappheiten bzw. der Befriedigung von Bedürfnissen sowie des Tausches.

Die Überwindung des direkten Tausches durch die Selektion, Abwägung und Bewertung der Eigenschaften unterschiedlicher Tauschmittel sowie die Verständigung auf ein universelles Tauschmittel, dem "Geld", ist essenzielle Triebfeder einer der bemerkenswertesten evolutionären Entwicklungen der Menschheitsgeschichte. Ohne allgemein akzeptiertes Tauschmittel wären Arbeitsteilung und Spezialisierung undenkbar, die wiederum für den Aufbau einer hochentwickelten Wirtschaft durch Entstehung und Nutzung einer zunehmend komplexen Produktionsstruktur unverzichtbar sind.

Kurzum: Geld ist kein abstraktes Mysterium, sondern eine der revolutionärsten Erfindungen überhaupt. Die Geldentstehung - also das Vorhandensein der Nachfrage nach Geld - erfolgte spontan am freien Markt und resultierte unmittelbar aus dessen Nutzung als Ware.


Jede Erfindung und Innovation geht von Menschen aus - nicht von Staaten!

In der heutigen Zeit kann diese an sich banale (jedoch menschheitsgeschichtlich evidenzbasierte) Feststellung nicht häufig genug betont werden. Insbesondere in Bezug auf das Thema Geld scheint diese Erkenntnis jedoch aus dem Bewusstsein der meisten Menschen verschwunden zu sein.

Über religiöse, geografische und epochale Grenzen hinweg haben Menschen immer wieder die aufgrund ihrer Eigenschaften überlegenen und somit marktgängigsten Güter Gold und Silber als ihr universelles Tauschmittel freiwillig ausgewählt. Der Wert des Geldes definierte sich als relative Wertbeimessung der Marktteilnehmer gegenüber allen anderen Gütern. Somit ist der "Preis" des Goldes bzw. Silbers nichts anderes als der relative Tauschwert als Ausdruck persönlicher Wert-Schätzungen und Wert-Erfahrungen freier Individuen im Rahmen ihrer Tauschhandlungen, mithin die relative Kaufkraft der Edelmetalle Gold und Silber gegenüber allen anderen Gütern und Dienstleistungen.

Die Geldeinheit ist im Ergebnis schlicht eine Gewichtsmenge dieser Waren - somit eine aus den Tauschhandlungen resultierende Menge an Gold bzw. Silber. Ohne das Vorhandensein von Preisen eines Gutes - bereits im Vorwege seiner Nutzung als Geld - hätte eine Nachfrage nach dessen monetärer Nutzung gar nicht erst entstehen können. Dies erklärt, weshalb Geld ursprünglich zwingend eine Ware und gleichzeitig eine spontane Entwicklung des freien Marktes gewesen sein muss - ein von einem konkreten Gut getrenntes Geld hätte mangels Akzeptanz gar nicht durch Regierungen eingeführt werden können.

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Alle relevanten Währungen der vergangenen Jahrhunderte entstanden durch den geschilderten Evolutionsprozess und kamen dann über den Handel in Umlauf. Das britische Pfund Sterling beispielsweise bedeutete ursprünglich schlichtweg eine Unze Silber. Weniger bekannt: Auch der Dollar geht ursprünglich auf eine im böhmischen Joachimsthal allgemein verwendete Bezeichnung für eine Unze Silber im 16. Jahrhundert zurück - die angesehene Münze wurde später "Joachims Thaler" bzw. "Thaler" genannt, woraus die Bezeichnung "Dollar" hervorging.


Der Weg vom Marktgeld zum diktierten Geld

Die gefährliche Selbstermächtigung des Staates in Geldangelegenheiten und gleichzeitig weit darüber hinaus ist nicht zuletzt auf die Etablierung eines folgenschweren Perspektivwechsels zurück zu führen. Zu Zeiten des Goldstandards Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Goldpreis mit rund 20 US-Dollar angegeben - eigentlich war aber lediglich der US-Dollar mit ca. 1/20 einer Unze Gold definiert.

Zurecht kann diese Veränderung des Blickwinkels als Beginn einer folgenschweren Interventionsspirale betrachtet werden, deren unheilvolles Finale in unserer heutigen Gegenwart stattfindet. Weitere Zwischenetappen lagen in wiederkehrender Münzverschlechterung, der künstlichen Fixierung des Geldpreises, u.a. durch Festlegung von marktfremden Tauschverhältnissen zwischen den Metallen, der Deklaration von gesetzlichen Zahlungsmitteln sowie dem wiederkehrenden Versuch der Entkoppelung des Geldes von seinem Warencharakter - zumeist zum Zwecke der Kriegsfinanzierung und mit ausnahmslos katastrophalen Folgen.

Mit der Etablierung von Zentralbanken ist der sukzessive Prozess des staatlichen Eindringens in den freien Marktprozess in seine unheilvolle Phase übergegangen. Die Gründung des Federal Reserve Bankensystems in den USA erfolgte im Jahr 1913. Die Zentralisation des Kredits ist übrigens eine der Hauptforderungen aus dem Kommunistischen Manifest.


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