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Das Damoklesschwert, das über den Euro-Banken schwebt

29.10.2018  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Die Probleme des Euro-Bankenapparates sind nicht gelöst. Eigner von Euro-Bankaktien sollten weiterhin auf der Hut sein: Das Schlimmste ist vermutlich noch nicht vorbei; und auch dem Euro stehen vermutlich noch schwere Zeiten bevor.

"Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?", so lässt Bertold Brecht in der "Dreigroschenoper" (1898 - 1956) einen seiner Protagonisten fragen - und kritisiert damit im Jahr 1928 die Auswüchse des Bankensektors. Wie weitsichtig: Nur wenig später, am 24. und 25. Oktober 1929, kommt es zum großen Börsen-Crash in den Vereinigten Staaten von Amerika, der Bankenzusammenbrüche nach sich zieht und sich nachfolgend zur "Großen Depression" auswächst, die die Weltwirtschaft in den Abgrund reißt.

Spätestens mit der Krise 2008/2009 ist vielen Menschen bewusst geworden, dass etwas nicht stimmt mit den Banken, die aus den Negativschlagzeilen nicht herauskommen; dass sie wie keine andere Industrie- oder Dienstleistungsbranche das Potential haben, den Volkswirtschaften schwere Finanz- und Wirtschaftskrisen zu bescheren, durch die die ökonomische Grundlage und der politisch-soziale Frieden bedroht werden. Allerdings wäre es nicht richtig, das Bankgeschäft in Bausch und Bogen zu verteufeln.

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Quelle: Thomson Financial; eigene Berechnungen.
(1) Serien sind indexiert (Jan. ’06 = 100).


Moderne Volkswirtschaften benötigen Geld und Kredit, brauchen einen effizienten Zahlungsverkehr, brauchen den Handel mit Wertpapieren und Derivativen, bedürfen M&A-Transaktionen und andere Finanztransaktionen mehr. Die Kritik muss sich vielmehr an der Konstruktion des Geldsystems entzünden, für das die Staaten - durch Mithilfe und Drängen der Großbanken - weltweit gesorgt haben: ein ungedecktes Papiergeldsystem, in dem Banken mit einer staatlichen Lizenz zu Geldvermehrung durch Kreditvergabe ausgestattet sind.


Ungedecktes Papiergeld

An der Spitze thront die Zentralbank. Sie hat das planwirtschaftliche Monopol der Geldproduktion, setzt den Zins und bestimmt maßgeblich das Angebot von Kredit- und Geldmenge. Eine Macht mit unheilvollen Folgen: Das unablässige Ausweiten der Geldmenge durch Bankkreditvergabe sorgt für steigende Güterpreise auf breiter Front, setzt die Kaufkraft des Geldes herab. Die Zinsmanipulationen der Zentralbank verursacht Wirtschaftsstörungen, sogenannte "Boomund-Bust-Zyklen". Brechts Kritik an den Auswüchsen des Bankgeschäftes mit ungedecktem Geld ist so gesehen treffend.

Im Euroraum sind die Auswüchse des ungedeckten Papiergeld-Euro unübersehbar geworden. Nach Jahren der exzessiven Kredit- und Geldmengenvermehrung, für die die EZB gesorgt hat, beläuft sich die Bilanz des Euro-Bankensektors nun auf knapp 31 Billionen Euro. Ende 1998 waren es noch 14,1 Billionen Euro, ein Zuwachs also von 120 Prozent - während die Güterproduktion nur um 32 Prozent zugelegt hat. Damit liegt die Bilanzsumme aller Euro-Banken bei gewaltigen 292 Prozent. In den USA beträgt das Verhältnis nur 82 Prozent.

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Quelle: Thomson Financial; eigene Berechnungen. (1) Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) errechnet sich als Aktienkurs geteilt durch das anteilige Eigenkapital pro Aktie. Liegt das KBV unter 1, so deutet das darauf hin, dass die Anleger mit Verlusten ("stillen Lasten") rechnen, die das Eigenkapital herabsetzen werden.



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