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China macht uns arm

11.11.2018  |  Manfred Gburek
Die Weltwirtschaft hat das Beste hinter sich. Ein Ende des Streits zwischen den USA und China ist nicht abzusehen. Die Chinesen durchleben gerade eine kontrollierte Abschwächung des Wachstums. Die Abschwächung wird während des kommenden Jahres in den USA deutlich ausfallen. Unter den Schwellenländern wird es zu einigen negativen Ausreißern kommen. Der Euroraum zeigt sich in einem schwierigen Umfeld innerlich zerrissen. Das Wachstum der deutschen Wirtschaft verliert an Dynamik, vor allem weil die Autoindustrie ihre Kompetenz verliert.

Das alles ist die Quintessenz eines Vortrags von Axel D. Angermann, Chefvolkswirt des Finanzdienstleisters Feri, in der vergangenen Woche. Feri-Vorstand Heinz-Werner Rapp wurde bei dieser Gelegenheit in einem Punkt sogar beängstigend konkreter: "Chinas Aufstieg zur globalen Hightech-Supermacht wird rund um den Globus spürbare Folgen hinterlassen und globale Machtstrukturen und Märkte verändern."

So eine radikale Prognose gilt es zu hinterfragen. Zur Beantwortung bietet sich wie kaum ein anderer an: Sebastian Heilmann, Professor für Politik und Wirtschaft Chinas an der Uni Trier und Gründungsdirektor des Mercator Instituts für Chinastudien. Seine Thesen lassen erschauern. Hier sind einige Kostproben: Chinas Vorstöße führen zur Veröstlichung der Weltwirtschaft.

Die sogenannte Seidenstraße (der Weg einschließlich Infrastruktur von China über Russland bis nach Europa) wird zügig ausgebaut, China übernimmt die Technologieführerschaft, und die Konflikte mit den USA verschärfen sich.

Im Lauf der Jahre wird es zu einem gemeinsamen Wirtschaftsraum von China und Europa einschließlich Afrika kommen. China setzt neue Standards vor allem dort, wo die USA noch nicht sind, zum Beispiel in Russland und Indien. Und für alle Goldanleger sicher von besonderem Interesse: China stockt die Goldreserven zügig weiter auf - ausgerechnet auch durch die Liaison mit dem amerikanischen Konzern Barrick Gold, dem weltweit größten seiner Art.

Würde es sich bei alldem um eine friedliche Entwicklung mit lauter Gewinnern handeln, könnte man fast schon jubeln. Doch dem ist nicht so. Denn der Expansionsdrang der Chinesen kennt keine Grenzen, Unterstützung durch den Staat erscheint selbstverständlich. Beispielsweise ist China bereits heute der wichtigste Handelspartner für 124 Länder, wohingegen es die USA nur für 56 Länder sind.

Und in diesen Tagen tut sich weiteres Terrain auf: Brasilien hat eine neue populistische Regierung mit vielen Versprechen an die Wähler, aber kaum Chancen, diese einlösen zu können. Also sorgen die Chinesen für finanzielle wie auch für technologische Abhilfe - und schwuppdiwupp können sie sich in Brasilien ausweiten.

Neben Südkorea und Japan bietet besonders auch Deutschland eine große Angriffsfläche für chinesische Technologiekonzerne. Die deutsche Verteidigung funktioniert, falls überhaupt, geradezu miserabel. Statt Abwehrmaßnehmen zu planen, beschäftigt sich die Bundesregierung immer noch weitgehend mit sich selbst. Das ist auch insoweit gefährlich, als entscheidende chinesische Konzerne - man denke etwa an Alibaba oder Tencent - trotz ihrer Börsennotierung im Fall des Falles vom Staat gelenkt werden.

Nachdem Donald Trump bei der Halbzeitwahl nur einen Teilerfolg errungen hat und während der zweiten Hälfte seiner Regentschaft auf die Demokraten angewiesen sein wird, dürfte er versuchen, außenpolitisch an Profil zu gewinnen. Das kann zu einer großen Gefahr für den Weltfrieden werden. Denn während es zunächst scheinbar nur um Zölle geht, die alles verteuern, und um unterbrochene Lieferketten, die der Teuerung einen weiteren Schub verleihen, drohen sich das südchinesische Meer und speziell Taiwan zu dauerhaften Konfliktherden zu entwickeln.

Dort liefern sich die USA einschließlich Japan und China schon seit Jahren immer wieder Techtelmechtel, die von heue auf morgen ausarten können - bis zu einem Kalten Krieg mit offenem Ausgang und hoffentlich nicht auch zu etwas Schlimmerem.

Welche wirtschaftlichen Konsequenzen sind denkbar? Zumindest diese: Nach einem Jahrzehnt Kurssteigerungen an den großen Aktienmärkten ist eine Abwärtskorrektur überfällig. Sie dürfte sich als Reaktion auf ein gravierendes Ereignis im Finanzsektor oder woanders einstellen, etwa auf eine unerwartete Zinserhöhung durch die US-Zentralbank Fed, auf die enttäuschende Umsatz- und Gewinnentwicklung führender Konzerne, auf einen plötzlich einsetzenden Inflationssprung nach oben oder auf den Beginn eines Währungskriegs.

Der letzte Punkt hat es besonders in sich, weil ein solcher Krieg neben Auf- und Abwertungen mit ihren gravierenden Folgen für den Güterkreislauf auch zum allmählichen Schwinden der globalen Dollar-Dominanz führen kann. Dazu braucht man sich nur vorzustellen, dass diese Dominanz den USA so ganz nebenbei erlaubt, sich haushoch zu verschulden, ohne eine größere Dollar-Abwertung befürchten zu müssen. "Da ist etwas im Gang", resümiert Heilmann. Also muss befürchtet werden, dass von daher besonders viel Druck auf die Finanzmärkte ausgehen dürfte.

Mit welchen weiteren Folgen? Da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Zwar wissen die Chefs aller führenden Zentralbanken, wie nötig eine durchgreifende Währungsreform ist. Aber man lässt einfach den Markt entscheiden. Und das, obwohl die Kräfteverhältnisse sich längst geändert haben, wie diese beiden Beispiele zeigen: Nach Feri-Analysen hat der Anteil Chinas am Welthandel bereits 2008 den Anteil der USA überstiegen. Und seit 2013 ist sogar der chinesische Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung höher als der amerikanische.

Es wird während der kommenden Jahre immens wichtig sein, die hier nur in Umrissen aufgezeigten Entwicklungen laufend weiter zu verfolgen. Denn große Umwälzungen wird es allemal geben, und China wird dabei neben den USA die Hauptrolle spielen, während das in sich gespaltene Europa - man denke nur an die Probleme Italiens und Frankreichs - in den Hintergrund gedrängt werden dürfte. Zum Trost dürfte indes die zitierte Veröstlichung der Weltwirtschaft dafür sorgen, dass auch für Europa und speziell für Deutschland etwas Zählbares abfallen wird.

Zum Schluss noch eine tröstende Anekdote von Heilmann: Russland ist mit China viel stärker wirtschaftlich verbandelt, als allgemein angenommen wird. Unter anderem sind in Moskau sämtliche Chinesisch-Sprachkurse auf Jahre ausgebucht. - Da kann es durchaus zum Trost gereichen, dass es in Deutschland noch sehr viele der russischen Sprache mächtige ehemalige DDR-Bürger gibt.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu



Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

Neu bei gburek.eu: Anlagestrategie in unruhigen Zeiten


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