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Der Weg aus der Euro-Krise

12.11.2018  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Der Euro erweist sich als eine Fehlkonstruktion. Der Grund: Er ist ungedecktes Papiergeld, das ökonomische und ethische Defekt hat, die immer wieder zu Krisen führen. Ein Lösungsweg lautet: Das Geldmonopol der EZB wird beendet, und ein freier Markt für Geld wird zugelassen. Denn ein freier Markt für Geld bringt "gutes Geld" hervor - und gutes Geld ist unverzichtbar für ein prosperierendes Europa. (1)

Als ich noch studierte, war das Für und Wider der Euro-Einführung ein großes Thema.

Mein ökonomisches Wissen reichte damals wohl noch nicht aus, um die herrschende Lehrmeinung ernstlich in Frage stellen zu wollen, die da lautete: Der Euro ist eine gute Sache, er sichert Frieden und Wohlstand in Europa. Es gab zwar auch kritische Stimmen. Wie etwa die warnenden Worte einiger "widerspenstiger" Professoren. Doch sie beeindruckten nur wenige.

Als ich gegen Ende der 1990er Jahre begann, als Volkswirt in einer Investmentbank zu arbeiten, beschlich mich dann rasch der Eindruck, dass etwas nicht stimmen konnte mit dem neuen Eurogeld. Gedanklich war ich aber noch immer nicht zum Kern des Problems vorgedrungen. Das änderte sich erst, nachdem ich in Kontakt gekommen war mit der "Österreichischen Schule der Nationalökonomie". Und es sind die Erkenntnisse dieser Denktradition - die mit Namen wie Carl Menger, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek verbunden ist -, die ich in meinem Vortrag mit dem Titel "Der Weg aus der Euro-Krise" zur Sprache bringen möchte.

In meinem Vortrag möchte ich Sie bekannt machen mit einer nicht alltäglichen Ursachendiagnose des Euro-Problems und einem nicht weniger unkonventionellen Lösungsweg.


Klippen und Stolpersteine

Mir ist bewusst, dass das Euro-Thema voller Klippen und Stolpersteine ist. Spricht man über den Euro, rührt man unweigerlich an Empfindlichkeiten. Für die einen ist der Euro mehr als nur Geld, er ist für sie ein Friedensprojekt: Ohne Euro scheitert die europäische Integration, ohne ihn sind Friede und Wohlstand in Europa bedroht.

Der Euro ist unverzichtbar und muss mit allen Mitteln verteidigt werden. Für die anderen ist der Euro eine schwere Hypothek, ein Spaltpilz, ein aberwitziges politisch-ideologisch getriebenes Projekt, das der ökonomischen Vernunft widerspricht und nicht das bewirkt, was seine Befürworter in Aussicht stellen. Dass in der Diskussion über den Euro viele eine feste und starke Meinung haben, ist erstaunlich. Denn bei anderen, nicht minder komplexen Sachthemen fällt der Wissensanspruch meist viel geringer aus.

Denken Sie nur einmal an Ihre letzte Cocktail-Party, auf der ein Herzchirurg in lockerer Gesprächsrunde über eine Transplantation berichtet hat. Die Gäste haben vermutlich beeindruckt zugehört, und niemand, der nicht aus dem Fach ist, hat dem Herzchirurg widersprochen, hat ihm ein anderes Vorgehen bei seinen Operationen empfohlen.

Beim Euro-Thema verhält es sich eher wie bei einem Fußball-Weltmeister-Spiel: Alle fühlen sich kompetent, die Spielerauswahl und Mannschaftsaufstellung kompetent zu beurteilen - plötzlich gibt es überall Nationaltrainer, die genau wissen, wie man die Mannschaft zum Sieg führt.

Die Euro-Diskussion ist häufig aber nicht nur emotional aufgeladen, leider werden meist auch wichtige ökono-mische Erkenntnisse ausgeblendet, beziehungsweise es wird nicht das gesamte Spektrum der ökonomischen Erkenntnisse hinreichend gewürdigt. Diese “ökonomische Erkenntnislücke” in der Diskussion um die Euro-Problematik möchte ich in meinem Vortrag versuchen zu schließen und hoffe dadurch einen konstruktiven Beitrag für den Diskurs zu leisten.


Über das Geld

Dazu stelle ich einige wichtige Erkenntnisse über das Geld an den Anfang. Beginnen wir mit der grundlegenden Frage: Was ist Geld? Auf diese Frage gibt es eine eindeutige Antwort: Geld ist das allgemein akzeptierte Tauschmittel. Geld ist das marktfähigste Gut, es ist das Gut, das sich am leichtesten gegen andere Güter eintauschen lässt. Welche Funktionen hat Geld? Antwort: Geld hat nur eine Funktion: die Tauschmittelfunktion.

Recheneinheits- und Wertaufbewahrungsfunktion sind lediglich Unterfunktionen der Tauschmittelfunktion. Wenn Geld nur eine Funktion hat - die Tauschmittel-funktion - so heißt das: Eine Volkswirtschaft wird nicht reicher, wenn die Geldmenge steigt. Ein Gemeinwesen wird wohlhabender, wenn es mehr Konsum- und Produktionsgüter produziert, nicht aber, wenn es die Geldmenge ausweitet.

Wieviel Geld braucht eine Volkswirtschaft? Antwort: Jede gerade verfügbare Geldmenge ist so gut wie jede andere Geldmenge. Ist die Geldmenge groß, werden die Güterpreise hoch sein, ist die Geldmenge niedrig, werden die Güterpreise gering sein. In beiden Fällen (ob nun die Geldmenge groß oder klein ist) lässt sich die gewünschte Gütermenge umsetzen. Dass die Geldmenge in einer Volkswirtschaft wachsen muss, ist eines der wohl hartnäckigsten Gerüchte in der modernen Volkswirtschaftslehre.

Unbestreitbar ist hingegen, dass Geld unverzichtbar ist für unsere modernen Wirtschaften. Ohne Geld wäre un-ser heutiges Wohlstandsniveau nicht denkbar. Denn hätten wir kein Geld, dann könnten wir keine Wirtschaftsrechnung durchführen. Wir könnten nicht kalkulieren, ob es beispielsweise sinnvoll ist, eine Bahntrasse um einen Berg herumzubauen oder sie durch den Berg hindurch zu bohren.

Erst die Verwendung von Geld erlaubt es uns, die Rentabilität von verschiedenen Produktionsweisen zu ermitteln. Auf dieser Grundlage lassen sich knappe Mittel so einzusetzen, dass sie die Bedürfnisse der Menschen bestmöglich erfüllen. Es ist dabei vorteilhaft, wenn möglichst viele Menschen das gleiche Geld verwenden. Denn dann lassen sich die produktiven Kräfte, die aus der Wirtschaftsrechnung entspringen, bestmöglich ausschöpfen. Verständlich daher, dass man in Europa schon seit langem darüber nachgedacht hat, ob nicht ein einheitliches Geld sinnvoll sei.

Nun ist aber Geld nicht gleich Geld. Es sollte schon “gutes Geld” sein. Was aber ist gutes Geld?


Natürliches Geld

Die Währungsgeschichte gibt eine Antwort. Sie zeigt, dass schon viele Dinge als Geld verwendet wurden: Vieh, Gewürze, Steine, Muscheln, Zigaretten, aber vor allem Edelmetalle, allen voran Gold und Silber. Dafür gibt es eine Erklärung. Damit ein Gut als gutes Geld Verwendung finden kann, muss es einige "physische" Eigenschaften aufweisen. Das Gut muss knapp sein, homogen (also von gleicher Art und Güte), haltbar, transportabel und teilbar, es muss einen hohen Wert pro Gewichtseinheit aufweisen, und es muss allgemein wertgeschätzt sein.


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