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Zentralbanken im Goldkaufrausch: Werden Nachfrage und Preis beeinflusst?

23.11.2018  |  Ronan Manly
Die neue Welle der Goldkäufe seitens der Zentralbanken und die allgemein größeren Goldmengen, die die Notenbanken im Vergleich zu früheren Jahren erwarben, wurden in den Medien zuletzt eingehend diskutiert. Nach Angaben des Berichts des World Gold Councils zu den Nachfragetrends im dritten Quartal 2018 waren die Nettokäufe der Zentralbanken im Septemberquartal dieses Jahres beispielsweise 22% höher als 2017. Zudem erreichten sie den höchstem vierteljährlichen Wert seit Q4 2015.

Zuletzt hatten einige "neue" Zentralbanken, wie die Notenbanken Indiens, Polens und Ungarns, den Kauf von Gold bekanntgegeben, die allesamt bereits seit sehr langer Zeit kein Gold mehr erworben hatten. Doch wie der World Gold Council in seinem Bericht einräumt "haben Russland, die Türkei und Kasachstan noch immer den Löwenanteil an den Käufen."

In welchem Maße - wenn überhaupt - beeinflussen die Goldkäufe der Zentralbanken die allgemeine Nachfrage und infolgedessen auch den internationalen Goldpreis? Ein großer Teil der offiziellen Bestandserhöhungen betrifft Staaten wie Russland und Kasachstan, die ihre eigene Minenproduktion aufkaufen - ein geschlossener Kreislauf. Zahlreiche andere Zentralbanken, z. B. Indien, Ungarn und Polen, wickeln ihre Goldtransaktionen über ihre Trading-Desks und den völlig intransparenten Londoner Goldmarkt ab, an dem es kein Reporting und keine Informationen zu den jeweiligen Gegenparteien gibt.

Da der Goldmarkt der Zentralbanken im Allgemeinen extrem geheimniskrämerisch und von allen Arten der Berichterstattung ausgenommen ist, gibt es oft keinerlei Beweise für irgendetwas, das an diesem Markt geschieht, und auch keine Hinweise darauf, ob bestimmte Geschäfte überhaupt stattgefunden haben.

Es gibt auch keine Belege dafür, dass sich die Goldkäufe der Zentralbanken auf den internationalen Preis auswirken - ganz gleich, was manche Kommentatoren behaupten. Es lohnt sich daher, einen Blick auf die Goldkäufe einiger Zentralbanken zu werfen und zu prüfen, inwiefern diese einen Einfluss auf die allgemeine Nachfrage des gelben Metalls und seinen Preis haben könnten.


Russland: Von den Minen in die Tresore

In sämtlichen Berichten der Finanzmedien über die Goldkäufe der Notenbanken steht die russische Zentralbank im Mittelpunkt, da sie der größte staatliche Käufer ist und den Nettowert der Bestandsveränderungen der offiziellen Goldreserven dadurch nach oben treibt. Zudem ist sie das Lieblingsbeispiel aller Marktbeobachter, die behaupten, dass die staatlichen Käufe dem Goldpreis Auftrieb geben.

In den neun Monaten bis Ende September hat die Zentralbank Russlands ihre Goldbestände um 199,4 t erhöht und besitzt eigenen Angaben zufolge nun 2.037 t an strategischen Goldreserven. Im Gesamtjahr 2018 werden sich die Käufe wohl auf über 230 t summieren. Das wäre mehr als die Aufstockungen der letzten Jahre: 224 t in 2017, 199 t in 2016 und 208 t in 2015.

In Bezug auf die Goldkäufe des russischen Staates werden zwei Punkte jedoch oft übersehen: Erstens handelt es sich dabei um eine langfristige, öffentlich verkündete, strategische Entscheidung, die Russland nun schon seit mehreren Jahren umsetzt, d. h. für den Markt sind die Goldkäufe nichts Neues. Zweitens kauft die russische Zentralbank ihr Gold direkt von den Minen des Landes, wobei sie die russischen Geschäftsbanken als Mittler nutzt.

Der zweite Punkt wird kaum je erwähnt, doch er ist entscheidend. Die russischen Goldkäufe geschehen im Grunde genommen innerhalb eines geschlossenen Kreislaufs, der das Gold von den Minen direkt in die Tresorräume der Zentralbank befördert. Eine kleine Zahl russischer Geschäftsbanken (z. B. VTB Bank, Bank Otkritie, Sberbank, MDM und Gazprombank) ist als Zwischenhändler und Vermittler zwischen der Zentralbank der Russischen Föderation und den Goldproduzenten zugelassen und staatlich genehmigt. Diese Banken kaufen im Rahmen langfristiger Abnahmevereinbarungen Gold von den Bergbauunternehmen und verkaufen es - nachdem es aufbereitet wurde - an die Notenbank.

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Entwicklung der Goldreserven der Zentralbank Russlands, 2006-218. Quelle: Gold Chart R Us


Ohne dieses System würde ein großer Teil des Goldes wahrscheinlich noch im Boden der russischen Bergbauregionen schlummern, statt in den staatlichen Tresorräumen in Moskau und St. Petersburg. Ja, der russische Staat will seine strategischen Goldreserven erweitern und hat zu diesem Zweck ein System geschaffen, das es ihm ermöglicht, die eigenen unterirdischen Reserven aufzukaufen, ohne dass das Gold jemals den geschlossenen Kreislauf zwischen den Minen und der Zentralbank verlässt.

Dabei handelt es sich um eine langfristige, öffentliche bekannte Strategie. Doch ist das vergleichbar mit einer Zentralbank, die nach Jahren der Inaktivität plötzlich als Akteur am Goldmarkt auftritt und kauft? Haben die staatlichen Goldkäufe Russlands einen Einfluss auf den internationalen Preis des Edelmetalls?


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