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Was die US-Mint mit Saudi-Arabien zu schaffen hatte

26.12.2018  |  John Paul Koning
Anfang dieses Jahres stolperte ich über einige merkwürdige Goldscheiben. Hier ein Bild:

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Goldscheibe 1947


Wie Sie sehen können, wurde die Vorderseite der Goldscheibe mit einem Emblem der US-Mint versehen, genauer gesagt mit dem Emblem der Prägestätte in Philadelphia. Auf der Rückseite sieht man Angaben zum Gewicht und der Reinheit des Goldes. Aber obwohl diese Scheiben wie typische Münzen geformt sind, besitzen sie eine kuriose Anonymität. Anders als eine übliche Münze ist kein Datum, kein Nennwert, kein Herkunftsland oder das Gesicht irgendeines verstorbenen Präsidenten oder Adeligen darauf abgebildet. Was sind das für merkwürdige Scheiben und warum wurden Sie hergestellt?

Meine Neugierde bezüglich dieser Münzen entführte mich auf eine faszinierenden Reise durch die geldpolitische Geschichte. Während dieser Reise habe ich zudem von einigen recht beunruhigenden Details der Geldsammlerbranche erfahren. Der Wert einer jeden Münze wird zum Teil durch dessen Hintergrundgeschichte beeinflusst, doch dieser Hintergrund ist nicht immer faktisch. In diesem Artikel werde ich die Fakten mit Ihnen teilen, auf die ich gestoßen bin.


Die Verbindung zu ARAMCO

Eine schnelle Google-Suche enthüllte alle möglichen Webseiten, die Goldscheiben verkaufen. APMEX, einer der weltweit größten Online-Edelmetallhändler, beschreibt diese wie folgt:

"Diese Goldscheibe wurde von der US-Mint in Philadelphia und für ARAMCO (Arabian American Oil Company) geprägt. ARAMCO benötigte diese, um Saudi-Arabien Tantiemen für die Erlaubnis zu zahlen, nach bekannten Ölreserven vor Ort zu bohren und die Knappheit zu mildern, die durch den Rekordölverbrauch während des Zweiten Weltkrieges entstanden ist."

Die Referenz zu ARAMCO springt direkt ins Auge. Das ist eines der provokativsten und beharrlichsten Details in der Hintergrundgeschichte der Scheiben: Dass sie für die Arabian American Oil Company, oder ARMACO, in den 1940er Jahren produziert wurden, damit die saudische Regierung für das Öl bezahlen konnte. Bestehend aus einem Konsortium US-amerikanischer Ölunternehmen, das Standard Oil of California, Texaco, Exxon und Mobil umfasste, explorierte und entwickelte ARMACO Ölfelder in Saudi-Arabien.

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Frühes ARAMCO-Logo


Die Assoziation dieser Scheiben mit ARAMCO taucht überall im Internet auf. Heritage Auctions, der weltweit größte Auktionator von Sammlerstücken, deklariert diese Scheiben als "ARAMCO-Gold". Die Deutsche Bundesbank, Deutschlands Zentralbank, fügte diese Scheiben erst kürzlich ihrer 90.000 Münzen umfassenden Sammlung hinzu. Es beschrieb diese als von der US-Mint "im Namen der Arabian American Oil Company" geprägt.


Boosels Lieblingstheorie

Die Verbindung dieser Scheiben zu ARAMCO wurde erstmals 1959 von Münzsammler Harry X. Boosel angesprochen. Boosels Neugierde wurde ursprünglich geweckt, als er eine dieser Scheiben 1954 erwarb. Er stellte eine Liste mit Fragen über die Herkunft der Scheibe zusammen und schickte eifrig Briefe an die US-Mint, die Botschaft Saudi-Arabiens, das Außenministerium und weitere Institutionen. Nachdem er mehrere Antworten erhielt, schrieb Boosel einen detaillierten Artikel über die Herkunft der Scheiben, der ursprünglich 1959 in The Numismatist, einer Publikation der American Numismatic Association, veröffentlicht wurde.

Boosel erfuhr, dass die Prägestätte in Philadelphia zwei Arten der Scheiben produziert hatte. Eine größere Variante im Jahr 1945, die 0,94 Unzen Gold enthielt und eine kleinere Variante im Jahr 1947, die ein Viertel dessen, also 0,2354 Unzen Gold, enthielt. Die Prägestätte produzierte 91.210 Stück der ursprünglichen 1945-Variante und 121.364 der zweiten Variante.

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Ausschnitt aus Boosels Artikel, aus der Juli-Ausgabe des Numismatist 1959



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