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Geld 2019 sicher anlegen

23.12.2018  |  Manfred Gburek
Die meisten Deutschen möchten ihr Erspartes sicher anlegen. Das Motiv Sicherheit erklärt auch, warum diejenigen, die über mehr Geld verfügen, es besonders gern in Immobilien anlegen. Denn auch die gelten als sicher. Ein seltsamer Sicherheitsbegriff. Er lässt sich anhand weniger Daten ad absurdum führen. Zum Beispiel rentieren Bundesanleihen mit wenigen Jahren Restlaufzeit derzeit nominal negativ. Real, also nach Abzug der Inflationsrate vom Nominalzins, landen sie sogar bei jeder beliebigen Restlaufzeit im Minus.

Mit dem Geld auf Konten sieht es etwas besser aus. Aber soll das Sicherheit sein? Keineswegs, Geld in Bundesanleihen und auf Konten ist zwar eine in unruhigen Zeiten empfehlenswerte Liquiditätsreserve, aber auf Dauer eine Verlustquelle. Und wie steht es um Immobilien? Die übliche Antwort von Kennern dieses Metiers lautet zu Recht: Es kommt darauf an. Nämlich auf Lage und Infrastruktur, Rendite, Preis und ein paar weitere Kriterien. Immobilien sind also nicht schon per se Selbstgänger und damit sicher, sondern nur dann, wenn sie diesen Kriterien genügen. Wobei aktuell hinzukommt, dass ihr Preisniveau überwiegend weit überzogen ist.

Spannende Frage: Was ist heute - in Anbetracht extrem niedriger Renditen und überbewerteter Immobilien - überhaupt noch sicher? Die einen behaupten: Gold, weil seine Wertentwicklung nach fast sieben überwiegend enttäuschenden Jahren endlich an der Reihe sei. Andere schwören auf Anleihen solider Unternehmen mit im Vergleich zu Bundesanleihen höheren Renditen. Wieder andere halten es lieber mit Fonds, besonders mit ETFs, um das Anlagerisiko zu verteilen. Und wer glaubt, sich mit Aktien auszukennen, rechnet möglicherweise sogar damit, dass deren Kurse nach den beiden Abstürzen vom vergangenen Februar und in den vergangenen Tagen wieder steigen könnten.

Sicherheit? Fehlanzeige, denn sie ist nicht durch eine bestimmte Anlageklasse vorgegeben, sondern sie entsteht im Kopf. Und das heißt: Ausgehend vom persönlichen Finanzstatus und von den Zielen eines Anlegers, kann heute zum Beispiel Gold als besonders sicher gelten, falls der Anlagehorizont drei, fünf oder zehn Jahre umfasst und falls die Kaufkraft der sogenannten Papierwährungen, wie zum Beispiel Euro und Dollar, in diesen Zeitabschnitten sukzessive nachlässt. Aber auch Aktien können sich über so viele Jahre als interessante Investition erweisen, vorausgesetzt, die betreffenden Unternehmen sind solide und Anleger werden nicht gleich beim ersten Auf und Ab der Kurse nervös.

Im Grunde basiert jeder Anlageerfolg auf drei Komponenten: Auswahl, Timing und Streuung. Erst wenn alle drei stimmen, ist die Sicherheit des angelegten Geldes gewährleistet. Dabei handelt es sich um eine Herausforderung, die Anleger verinnerlichen müssen, denn davon hängt ihr Erfolg ab. Die Auswahl beim Gold ist einfach: Münzen oder Barren - es sei denn, man kauft ein paar Minenaktien, aber die sind wegen ihrer stark schwankenden Kurse nicht für jedermann geeignet.

Das gilt im Prinzip auch für alle anderen Aktien. Hier wird die Auswahl dadurch erschwert, dass das Angebot riesengroß ist. Folglich erscheint es sinnvoll, sich auf vielversprechende Branchen zu konzentrieren, aktuell etwa Biotechnologie, Elektromobilität und Cybersicherheit. Die Auswahl von Immobilien setzt besonders umfangreiche Recherchen voraus, weil sie langfristige Entwicklungen berücksichtigen muss. Sie gerät also entgegen der landläufigen Meinung zur Spekulation.

Das richtige Timing ist den meisten deutschen Anlegern noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen. Den einen, der Mehrheit, scheint es egal zu sein; sie teilen die möglichen Investitionen einfach in Anlageklassen ein und achten zu wenig auf zyklische Schwankungen, aus denen in der Regel Überrenditen entspringen. Den anderen, der Minderheit, bedeutet das Timing dagegen alles; sie spekulieren heute mit Aktien oder Währungen, morgen mit Optionsscheinen oder anderen Derivaten. Auf sie trifft der alte Börsenspruch zu: Hin und Her macht Taschen leer.

Streuung ist wichtig, weil sie Risiken auszugleichen hilft. Das sei besonders solchen Anlegern ins Stammbuch geschrieben, die auf Immobilien schwören. Die bilden nämlich allzu oft ein Klumpenrisiko, weil ihr Anteil am Gesamtvermögen normalerweise ziemlich hoch ist. Im Übrigen gilt die Faustregel: Je nach Entwicklung an den Kapitalmärkten mal mehr, mal weniger Geld auf dem Konto, in Aktien, Anleihen, Gold und - unter dem gerade erwähnten Vorbehalt und wirklich nur dann - auch Immobilien oder zumindest eine selbst genutzte Eigentumswohnung in guter Lage.

Fazit: Die meisten Deutschen verwechseln sichere Geldanlagen mit langweiligen bis verlustbringenden Investitionen auf Konten und in Kapitallebensversicherungen. Die Sicherheit beginnt im Kopf. Sie setzt beim persönlichen Finanzstatus an und erstreckt sich über alle Anlageklassen. Für den Erfolg entscheidend sind Auswahl, Timing und Streuung. Alle drei kommen nicht von selbst angeflogen, sondern müssen gedanklich erarbeitet werden. Es lohnt sich. Darüber können Sie während der Weihnachtszeit hoffentlich in aller Ruhe nachdenken. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen viel Erfolg!


© Manfred Gburek
www.gburek.eu



Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

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